Finanzen

Kredit ohne Schufa – Chance oder Schuldenfalle?

Ein Kredit ohne Einsicht in die persönliche Schufa-Akte? Diese Aussicht erscheint vielen verschuldeten Menschen als gute Möglichkeit heraus aus der finanziellen Misere. Doch Verbraucherzentrale und Schufa selbst warnen immer wieder vor solchen Angeboten. In der Regel zahlen Betroffene letztendlich drauf, wenn sie sich auf einen schufafreien Kredit einlassen.

Gemein ist allen Angeboten für einen Kredit ohne Schufa-Auskunft eines: Sie richten sich an diejenigen, die bei einem seriösen Geldinstitut kein Darlehen bekommen. Laut einem Bericht von Focus Online fallen pro Jahr schätzungsweise 400.000 Bundesbürger auf dubiose Kreditangebote herein.

Die Hoffnung durch einen weiteren Kredit aus der Verschuldung herauszukommen, ist wenig realistisch. Will einem die Bank kein Geld mehr leihen, ist der einzig richtige Weg der Gang zum Schuldnerberater. Finanzielle Schwierigkeiten lassen sich nur mithilfe qualifizierter Schuldnerberatungsstellen abwenden.

Einer Studie zufolge, die von der Schufa in Auftrag gegeben wurde, sind die meisten schufafreien Kreditangebote unseriös. Sie zielen darauf ab Menschen, die ohnehin finanziell schlecht gestellt sind, noch das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

Unseriöse Anbieter und Zinswucher

Für die Studie wurden 177 Kreditanfragen bei 69 Anbietern durchgeführt. Lediglich in zwei Fällen wäre es tatsächlich zu einem Kreditabschluss gekommen – d. h. die Erfolgsquote lag bei gerade mal 1 %.

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Anhand von Cartoons will die Schufa die Risiken schufafreier Kredite verdeutlichen. © SCHUFA Holding AG

Obendrein wären die beiden möglichen Kredite alles andere als ein gutes Geschäft. Sagenhafte 25,5 % Effektivzins machen sie viel eher zu einer Schuldenfallen als zu einem Weg aus der Geldnot heraus.

Aus Sicht der Kreditgeber sind die hohen Zinsen nur verständlich. Immerhin muss das verhältnismäßig hohe Ausfallrisiko der Kunden kompensiert werden. Wie sinnvoll und moralisch vertretbar solche Angebote sind, steht derweil auf einem anderen Blatt.

Schufafreier Kredit als Köder

In vielen Fällen funktioniert das Angebot zu einem schufafreien Kredit lediglich als Köder für ein dubioses Verkaufssystem. Denn – wie auch die Studie zeigt – zu einem Kredit kommt es meist gar nicht. Dafür werden Kreditsuchenden immer wieder sinnlose Finanzprodukte aufgeschwatzt, die angeblich die Kreditwürdigkeit verbessern.

Letztendlich jedoch sitzen die arglosen Kunden dann auf einer Unfall-, Restschuld- oder Arbeitsunfähigkeitsversicherung, die nur weitere Kosten verursacht.

Seriositäts-Checkliste

Prinzipiell gilt also: Vorsicht bei Kreditangeboten ohne Schufa-Auskunft. Kein seriöser Kreditanbieter ist bereit, pauschal einen Kredit zuzusagen, ohne vorher die Bonität des Kunden geprüft zu haben. Und das beste Mittel für diese Prüfung ist eine Wirtschaftsauskunftei wie die Schufa.

Und doch gibt es auch einige Kreditvermittler, die nicht mit der Schufa zusammenarbeiten und trotzdem seriös sind. Einen seriösen schufafreien Kredit erkennt man daran, dass alle vorgeschriebenen Angaben zum Produkt angegeben sind. Dazu gehören Kreditsumme, Laufzeit, effektiver Jahreszins und Zwei-Drittel-Zins. Außerdem muss ersichtlich sein, um welche Kreditart es sich handelt und eine Beispielrechnung sollte darstellen, wie hoch die durchschnittlichen Gesamtkosten des Ratenkredits sind.

Als Zwei-Drittel-Zins wird der Zinssatz bezeichnet, den mindesten zwei Drittel der Kreditnehmer bei dem Kreditinstitut erhalten.

Neben diesen Merkmalen für einen seriösen Kredit, gibt es einige Anzeichen, die klar dafür sprechen, dass es sich um ein dubioses Angebot handelt. Bei folgenden Punkten ist besondere Vorsicht geboten:

  • Schnelle Soforthilfe: Kein Kreditvermittler kann einen schnellen Kredit versprechen. Letztendlich sind es die Banken, die das Darlehen vergeben. Sicher sein kann man sich dafür aber, dass durch einen Kreditvermittler Zusatzkosten entstehen.
  • Vorauszahlungen: Vermittler haben nur Anspruch auf Vergütung, wenn es zu einem Kredit kommt. Werden Auslagen geltend gemacht, müssen diese nur gezahlt werden, wenn das im Vertrag vereinbart wurde. Bestimmte konkrete Einzelpositionen sind per se nicht zulässig. Dazu gehören Arbeitsstunden und Reisekosten für einen Außendienstmitarbeiter, der einen Hausbesuch gemacht hat oder Gebühren für eine Eilbearbeitung.
  • Unterlagen per Nachname: Seriöse Kreditvermittler versenden die Unterlagen nicht per Nachname. Auf diese Weise entstehen für den Kunden unnötig hohe Kosten.
  • Zusätzliche Versicherungen: Das Abschließen einer weiteren Verpflichtung, wie Versicherung oder Bausparvertrag macht einen potentiellen Kunden für Geldgeber nicht kreditwürdiger. Im Gegenteil, es entstehen nur unnötige Zusatzkosten.
  • Hausbesuche oder teure Beratungshotlines. Diese sind keine besonderern Service-Angebote für den Kunden, sondern schlicht zusätzliche Ausgaben.
  • Insolvenzberatung/Beratung zur finanziellen Sanierung: Dubiose Vermittler bieten ihren Kunden trotz fehlender Qualifikation eine Insolvenzberatung an.

Verdächtige Angebote zur Anzeige bringen

Beim ersten konkreten Verdacht an einen verdächtigen Anbieter geraten zu sein, sollte man direkt Anzeige erstatten. Außerdem ist es ratsam bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eine kostenfreie Beschwerde einzulegen.

Wer erst nach der Vertragsunterzeichnung merkt, dass der Kreditvermittler unseriös ist, muss schnell handeln. Zunächst gilt: Innerhalb der ersten 14 Tage greift noch das Widerrufsrecht. Seinen Widerruf sollte man schriftlich und per Einschreiben mit Rückschein einreichen. Auf diese Weise hat man einen Beleg über seinen Widerruf in der Hand.

Ist die Widerrufsfrist verstrichen, besteht dennoch die Möglichkeit, aus dem Vertrag herauszukommen. Wer eine Schuldnerberatungsstelle einschaltet, durch die ersichtlich wird, dass die eigene finanzielle Situation heikel ist, hat eine gute Chance darauf, dass der Vertrag rasch aufgelöst wird.

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