Finanzen

Was bedeutet Privatinsolvenz?

Immer mehr Menschen in Deutschland sind überschuldet. Fast jeder zehnte Deutsche über 18 Jahren hat mehr Ausgaben als Einnahmen. Viele Betroffenen, die es nicht mehr mit eigenen Mitteln schaffen, ihrer Zahlungspflicht nachzukommen, enden schließlich in der Privatinsolvenz. bbx.de klärt auf, was das für Beteiligte bedeutet.

Wer sich verschuldet hat, dem bleibt als letzter Ausweg meist nur noch die Privatinsolvenz, an deren Ende die „Restschuldbefreiung“ steht. Während des Verfahrens muss der Schuldner seine Schulden so weit abbezahlen, wie es für ihn möglich ist. Das verlangt über einen langen Zeitraum Disziplin und Entbehrung.

Die Folgen einer Insolvenz

Die Konsequenzen einer Insolvenz sind mit der Restschuldbefreiung oft noch nicht aus der Welt. Eine Privatinsolvenz bedeutet immer einen negativen Schufa-Eintrag, der erst drei Jahre nach Ende des Insolvenzverfahrens gelöscht wird. Der Eintrag bedeutet auch eine Bekanntgabe der Zahlungsunfähigkeit, meist erfährt auch der Arbeitgeber von der finanziellen Misere seines Angestellten. Mit Beginn einer Privatinsolvenz werden in der Regel sämtliche bestehende Kredite gekündigt. Aufgrund des negativen Schufa-Eintrags bekommen Betroffene aber auch nach Ende des Verfahrens zunächst keine Kreditwürdigkeit zugesprochen, weshalb der Abschluss neuer Verträge kaum möglich ist.

Verbraucherinsolvenzen in Deutschland bis 2013

Die Statistik zeigt die Entwicklung der Anzahl von Verbraucherinsolvenzen in Deutschland. © Statista

Schnelles Handeln ist gefragt

Wer merkt, dass er immer tiefer in die Schuldenfalle rutscht, sollte möglichst schnell handeln und sich an einen qualifizierten Schuldenberater wenden. Kostenlose Beratung bieten Verbraucherzentralen und Kommunen sowie die Sozialämter der Gemeinenden, Städte und Landkreise und Wohlfahrtsorganisationen (Caritasverband, Diakonisches Werk, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Arbeiterwohlfahrt). Anwälte, Notare und Steuerberater können zwar ebenfalls wertvolle Hilfe leisten, berechnen allerdings hohe Honorare, die sich die meisten Schuldner kaum leisten können.

Entschuldung in drei Schritten

Der Weg aus der Schuldenfalle heraus besteht aus drei Schritten:

  1. Bevor der Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt werden kann, muss der Schuldner versuchen mit seinen Gläubigern einen Schuldenerlass auszuhandeln. Mit dem Entwurf eines Sanierungsplans wird herausgefunden, welche Schulden bedient werden können. Alle Möglichkeiten Geld zur Entschuldung zu beziehen, werden hier berücksichtigt. Das bedeutet auch, dass das gesamte verwertbare Vermögen zu Geld gemacht wird, um es an die Gläubiger auszahlen zu können. Außerdem wird in der Regel eine Laufzeit vereinbart während der sämtliches pfändbare Einkommen an einen Treuhänder abgetreten wird. Lassen sich Gläubiger auf einen solchen Plan ein, bedeutet das, dass sie dem Schuldner zumindest einen Teil der Schulden erlassen.
  2. Ist eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht möglich, folgt der Gang vors Gericht. Da ein Insolvenzverfahren nur der letzte Ausweg sein soll, müssen Schuldner nachweisen, dass über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten Bemühungen um eine außergerichtliche Einigung stattgefunden haben. Auch das Gericht versucht zunächst noch einen Sanierungsplan durchzusetzen. Diesem muss mindestens die Hälfte der Gläubiger zustimmen, damit das Insolvenzverfahren noch abgewendet werden kann. Kommt es zum Verfahren,  wird ein Treuhänder/Insolvenzverwalter bestimmt, der zunächst das vorhandene Vermögen prüft und den Teil an die Gläubiger weitergibt, der pfändbar ist. Die von den Gläubigern angemeldeten Forderungen sollte der Schuldner unbedingt vor Beginn des Verfahrens prüfen, denn im laufenden Verfahren ist eine Änderung so gut wie unmöglich.
  3. Mit dem Insolvenzverfahren beginnt für den Schuldner die Wohlverhaltensperiode. In dieser Zeit ist er verpflichtet den pfändbaren Teil seines Gehalts und der Sozialleistungen abzugeben. Am Ende dieser Phase steht die Restschuldbefreiung mit der sämtliche noch bestehende Schulden getilgt werden. Doch nicht alle Schulden werden restlos gestrichen: Geldstrafen oder Schadensersatzforderungen bleiben durch ein Insolvenzverfahren unangetastet.

Die Wohlverhaltensphase

Theoretisch klingt es recht einfach, auf diese Weise seine Schulden loszuwerden.  Doch während der Wohlverhaltensphase gelten strenge Regeln, werden diese verletzt, kann das die Vernichtung der Restschuldbefreiung zur Folge haben.

Die Wohlverhaltenspflicht bedeutet zunächst einmal, dass der Schuldner jederzeit für seinen Treuhänder erreichbar sein muss. Sie umfasst eine Auskunftspflicht, nach der der Treuhänder über sämtliche Veränderungen im persönlichen und wirtschaftlichen Bereich in Kenntnis zu setzen ist. Außerdem müssen sämtliche Einkünfte und Vermögenswerte offengelegt werden. Dazu zählen auch Erbschaften, Geschenke und Gewinne – in bestimmten Fällen muss hiervon ein Teil an den Treuhänder weitergegeben werden.

Außerdem ist der Schuldner verpflichtet jede zumutbare Arbeit anzunehmen, auch wenn diese außerhalb seines eigentlichen Tätigkeitsfelds liegt. Oft müssen die Bemühungen um eine Arbeitsstelle auch gegenüber dem Treuhänder nachgewiesen werden.

7. Mai 2016 16:16 Uhr
Markus Völklingen

Insolvenz. Erhält man ein Sozialhilfe Darlehn vom Sozialamt als Sozialhilfeempfänger

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