Vorsorge

Riester-Rente: alle Informationen auf einen Blick

Sie interessieren sich für die Riester-Rente als zusätzliche Altersvorsorge? In unserem großen Online-Ratgeber sind alle wichtigen Informationen zu dieser staatlich geförderten Zusatzrente zu finden.

Wer Angst hat, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht, kann sich mit der Riester-Rente einen finanziellen Puffer aufbauen. © Monkey Business Images/Stockbroker/thinkstock

Die Riester-Rente wurde 2000/2001 im Zuge der Rentenreform als Ausgleich für das Absenken des gesetzlichen Rentenniveaus von 70 % auf 67 % eingeführt. Der Name geht auf den damaligen Arbeitsminister Walter Riester zurück, der maßgeblich an der Entwicklung dieser staatlich geförderten Rente beteiligt war.

Um die Riester-Förderung in Anspruch zu nehmen, müssen Sparer einige Voraussetzungen erfüllen und ein spezielles Riester-Produkt abschließen, da nicht jeder Vertrag zur privaten Altersvorsorge gefördert wird. Es gibt drei verschiedene Produktkategorien, in denen eine Riester-Rente abgeschlossen werden kann: Bausparverträge, Bankprodukte (Fonds- oder Banksparplan) und Versicherungsverträge (klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge).

Riester-Rente im Vergleich

Wie Finanztest zuletzt im 05/2015 festgestellt hat, gibt es große Unterschiede bei den Versicherungsgesellschaften. Verbraucher sollten daher unbedingt einen Riester-Rente Vergleich erstellen lassen. Dies kann man zum einen auf der Seite von der Stiftung Warentest / Finanztest geschehen oder klassisch über eine Beratung. In Einzelfällen liegt die Ersparnis bei bis zu 25%.

Wie fördert der Staat die Riester-Rente?

Die staatliche Förderung der Riester-Rente erfolgt zum einen durch direkte Zuschüsse zu den Einzahlungen im Vertrag und zum anderen durch eine steuerliche Begünstigung der eingezahlten Beiträge inklusive der Zuschüsse. Die Grundzulage, die jeder Erwachsene erhält, beträgt 154, – Euro pro Jahr. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, gibt es zusätzlich 185, – Euro und für jedes Kind, das ab 2008 geboren wurde, sogar 300, – Euro jährlich an Zuschüssen. Um die volle Förderung zu erhalten, muss der Vertragsinhaber jährlich 4 % seines Bruttojahreseinkommens in den Riestervertrag einzahlen, maximal aber 2.100, – Euro. Jeder Sparer, egal ob mittelbar oder unmittelbar förderberechtigt, muss mindestens 60, – Euro jährlich in den Riestervertrag einzahlen, damit die staatliche Förderung gewährt werden kann. Wer bei Vertragsbeginn das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, bekommt einen einmaligen Zuschuss von 200, –  im ersten Vertragsjahr.

Die 4 % des Bruttojahreseinkommens werden inklusive der Zulagen berechnet. Am besten lässt sich das an einem Beispiel verdeutlichen:

Michaela Musterfrau, 2 Kinder (2007 & 2009 geboren), 40.000, – € Bruttojahreseinkommen

  • 4 % von 40.000, – €: 1.600, – € Beitrag
  • Abzüglich 154, – € Grundzulage
  • Abzüglich 185, – € für Kind 1
  • Abzüglich 300, – € für Kind 2
  • Bleiben: 961, – € Eigenbeitrag

Frau Musterfrau muss also jährlich 961 € in den Riestervertrag einzahlen, damit der Staat die komplette Förderung auszahlt. Zahlt sie weniger ein, wird die Zulage im Verhältnis gekürzt.

Günstigerprüfung beim Finanzamt

Zusätzlich zur Förderung über den direkten Zuschuss ist unter Umständen eine Berücksichtigung der geleisteten Beiträge inklusive der Zulage bei der Einkommenssteuererklärung möglich. Das Finanzamt führt vollkommen automatisch eine Günstigerprüfung durch. Wenn die Beiträge im Rahmen des Sonderausgabenabzugs berücksichtigt werden und sich dadurch eine höhere Ersparnis ergibt, als bei reiner Gewährung der Zulagen, wird die zu zahlende Einkommenssteuer des Riester-Sparers um die gewährte Zulage erhöht und der Sonderausgabenabzug voll berücksichtigt. Ist die Ersparnis geringer, bleibt der Sonderausgabenabzug für Riester-Beiträge unberücksichtigt. Die Günstigerprüfung findet auch bei Ehepaaren statt, die gemeinsam veranlagt werden. Die Berechnung erfolgt ebenfalls automatisch.

Wer erhält die Förderung?

Die staatliche Förderung für die Riester-Rente erhalten nur bestimmte Personengruppen:

  • Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind
  • Minijobber, die sich nicht von der Versicherungspflicht haben befreien lassen
  • Wehr- und Zivildienstleistende
  • Bezieher von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II (Hartz IV)
  • rentenversicherungspflichtige Selbstständige (zum Beispiel Journalisten)
  • pflichtversicherte Landwirte
  • Beamte, Soldaten und Richter, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei sind, weil eine beamtenrechtliche Versorgung erfolgt

Zusätzlich können Ehepartner einer unmittelbar förderberechtigten Person ebenfalls Zulagen erhalten, auch wenn sie eigentlich nicht förderberechtigt wären. Voraussetzung ist, dass die Partner nicht dauernd getrennt voneinander leben. Die mittelbar förderberechtigte Person muss für die Förderung lediglich den Sockelbeitrag von 60, – € pro Jahr in den Riestervertrag einzahlen, damit die Zulage ausgezahlt wird.

Folgende Personengruppen können keine Riesterförderung erhalten:

Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherungspflicht
Selbstständige mit Pflichtversicherungen in Kammerberufen (Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte)
nicht rentenversicherungspflichtige Studenten

Auszahlung im Alter – was ist zu beachten?

Verträge, die bis zum 31.12.2011 abgeschlossen wurden, können frühestens mit Beginn des 60. Lebensjahres in eine Rente umgewandelt werden, ohne dass die Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen. Verträge, die ab 2012 abgeschlossen wurden, können frühestens mit dem 62. Lebensjahr förderunschädlich in Anspruch genommen werden. Ausnahmen gibt es nur, wenn das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter bei bestimmten Berufen unter diesen Altersgrenzen liegt, dann kann der Vertrag mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters ausgezahlt werden. Betroffen von dieser Regelung sind zum Beispiel Bergleute und Piloten.

Die Riester-Rente muss im Alter voll versteuert werden, die gesamte Rente wird zum Einkommen des Rentners hinzugerechnet. Bei freiwillig gesetzlich krankenversicherten Personen sind zudem Krankenversicherungsbeiträge aus der Rente zu zahlen. Die Riester-Rente wird lebenslang bezahlt, eine vorzeitige Auszahlung des angesparten Kapitals ist nicht komplett möglich. Zu Beginn des Rentenbezugs können aber einmalig bis zu 30 % des Kapitals entnommen werden, ohne dass die Zulagen an den Staat zurückgezahlt werden müssen. Aus dem restlichen Kapital wird dann eine entsprechend reduzierte Rente gebildet.

Kosten und Verzinsung während der Ansparphase

Bei Versicherungsverträgen, die in klassischer Form abgeschlossen werden, gibt es seit dem 01.01.2015 nur noch eine garantierte Verzinsung von 1,25 %. Die tatsächliche Verzinsung liegt allerdings noch immer bei durchschnittlich 3,5 %. Diese Gesamtverzinsung ist aber nicht garantiert und kann höher oder geringer ausfallen. Bei fondsgebundenen Versicherungen und Fondssparplänen von Banken gibt es gar keine garantierte Verzinsung; die Anbieter garantieren nur, dass zu Rentenbeginn das angesparte Kapital inklusive der Zulagen für die Verrentung genutzt werden kann. Banksparpläne und Bausparverträge sind mit variablen Zinsen ausgestattet, die derzeit im Schnitt bei 0,5 % – 1 % liegen.

Die Kosten, die für einen Riestervertrag anfallen, sind abhängig von der gewählten Vertragsform. Die günstigste Variante sind Banksparpläne, dort fallen in der Regel keine einmaligen Abschlusskosten an und auch die Verwaltungskosten sind gering. Einige Anbieter ermöglichen sogar eine komplett kostenlose Anlage in einem Riester-Banksparplan. Bei Riester-Fondssparplänen fallen meist auch keine einmaligen Abschlusskosten an. Dafür werden Ausgabeaufschläge von den Einzahlungen abgezogen, die für den Erwerb des jeweiligen Fonds anfallen. Zusätzlich erheben die Banken zum Teil eine Verwaltungsgebühr. Der Ausgabeaufschlag kann bis zu 5 % der Einzahlung ausmachen. Bei Bausparverträgen fällt eine Abschlussgebühr zwischen 1 – 2 % der Bausparsumme an. Die meisten Anbieter verlangen zusätzlich noch eine geringe Verwaltungsgebühr für die Führung des Bausparkontos.

Bei Versicherungsverträgen fallen sowohl Abschluss- als auch Verwaltungskosten an. Die Höhe ist von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Die Abschlusskosten werden auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt und dürfen seit dem 01.01.2015 mit maximal 25 % der Beitragssumme berücksichtigt werden. Die Beitragssumme ist die Summe, die Riestersparer über die gesamte Vertragslaufzeit in den Vertrag einzahlen. Beträgt die Summe zum Beispiel 10.000, – €, werden 250, – € Abschlusskosten fällig, die in den ersten fünf Jahren mit je 50, – € berücksichtigt werden. Dazu kommen noch Verwaltungskosten, die in der Regel auf einen festen Betrag pro Jahr begrenzt sind. Bei fondsgebundenen Riester-Renten werden dieselben Kosten berücksichtigt, zusätzlich zahlen Kunden aber gegebenenfalls noch Ausgabeaufschläge für die gewünschten Fonds. Tendenziell sind die Abschluss- und Verwaltungskosten bei Direktversicherern geringer als bei Serviceversicherern mit Filialnetz.

Riester-Rente kündigen – geht das überhaupt?

Ein Riestervertrag kann jederzeit gekündigt werden. Wird der Vertrag aufgelöst, werden die gewährten Zulagen und die eventuellen Steuervorteile jedoch vom Guthaben abgezogen, da die Voraussetzungen für die staatliche Förderung dann nicht mehr erfüllt sind. Es ist aber möglich, das Guthaben an einen anderen Anbieter zu übertragen und den Riestervertrag dort fortzuführen. In diesem Fall bleiben die Zulagen komplett erhalten. Wenn ein Riestervertrag zum Beispiel aus finanziellen Gründen nicht mehr weitergeführt werden soll, macht es Sinn, den Vertrag vorerst beitragsfrei zu stellen. Damit bleiben die Zulagen und Steuervorteile erhalten und der Vertrag kann zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiviert werden. Gerade bei alten Versicherungsverträgen mit höheren garantierten Zinsen ist eine Beitragsfreistellung lohnenswert.

 

Riester-Rente Häufige Fragen

 

Autor
Johanna Schödel
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