Vorsorge

Die Rürup-Rente - staatlich geförderter Vermögensaufbau

Die Rürup-Rente ist eine weitere Möglichkeit der privaten Altersvorsorgen. Besonders Menschen, die nicht zu den Förderberechtigten der Riester-Rente gehören, können auf diese Weise dennoch staatliche Förderung erhalten. Gleichzeitig ist es auch möglich, sich doppelt abzusichern, indem zusätzlich zur Riester-Rente einen Rürup-Vertrag abgeschlossen wird.

Die Ruerup-Rente bietet eine finanzielle Sicherheit im Alter. © AndrewLinscott/thinkstock

Die Rürup-Rente (korrekte Bezeichnung: Basisrente) existiert in Deutschland seit 2005. Sie ist eine besondere Form der Altersvorsorge mit einer staatlichen Förderung durch Steuervergünstigungen. Die Rürup-Rente wird bei einem privaten Versicherungsunternehmen abgeschlossen, abgesehen von dem kapitalgedeckten Aufbau entspricht die Grundform der Basisrente aber weitestgehend der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Rürup-Rente ist 2005 vor allem als Alternative für Selbstständige und Freiberufler geschaffen worden, die keine staatliche Riester-Förderung erhalten können. Theoretisch kann aber jeder eine Basisrente abschließen, die Förderung durch die Steuerbegünstigung lohnt sich aber nicht für jeden.

Wie wird die Rürup-Rente gefördert?

Die Rürup-Rente wird nachgelagert besteuert. Während der Ansparphase mindern die Einzahlungen in den Vertrag die Steuerlast, dafür muss die Rente in der Leistungsphase versteuert werden. Die Beiträge, die in den Vertrag eingezahlt werden, können bei Alleinstehenden bis zu 22.766,- € berücksichtigt werden, bei Verheirateten verdoppelt sich der Beitrag. Von dieser Höchstsumme dürfen 2016 allerdings nur 82 % als Sonderausgabenabzug angesetzt werden, das sind 18.668,12 €.

Die prozentuale Absetzbarkeit der Beiträge erhöht sich bis 2025 um 2 Prozentpunkte pro Jahr. Ab 2025 können dann alle Beiträge komplett abgesetzt werden.

Die Höhe des maximal steuerwirksamen Beitrags ist seit dem 01.01.2015 nicht mehr starr geregelt. Bis zum 31.12.2014 galt eine Höchstgrenze von 20.000, – Euro für Alleinstehende und 40.000, – Euro für Verheiratete. Nun orientiert sich der Höchstbeitrag an der Beitragsbemessungsgrenze der knappschaftlichen Rentenversicherung. 24,8 % der Summe können berücksichtigt werden. In diesem Jahr sind es 22.766 €. Der im nächsten Jahr gültige Höchstsatz ist noch nicht bekannt und richtet sich nach der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze.

Welche Voraussetzungen muss eine Rürup-Rente erfüllen?

Damit eine Basisrente förderfähig ist, muss sie verschiedene Voraussetzungen des Gesetzgebers erfüllen: Leistungen aus dem Vertrag dürfen nur in Rentenform ausgezahlt werden, eine Einmalzahlung ist generell ausgeschlossen. Die Verrentung gilt auch für eine eventuelle Hinterbliebenenversorgung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die sich in den Vertrag einschließen lässt. Wird die Verrentungspflicht nicht eingehalten, entfällt die staatliche Förderung komplett und sämtliche Steuervorteile sind zurückzuzahlen. Die Auszahlung muss in monatlichen Raten erfolgen. Die Auszahlung der Rentenleistungen darf erst ab dem 60. Lebensjahr erfolgen. Bei Verträgen, die 2012 oder später abgeschlossen worden sind, ist eine Auszahlung erst ab dem 62. Lebensjahr möglich.

Die Rürup-Rente ist grundsätzlich nicht beleihbar, nicht vererbbar, nicht verpfändbar und nicht veräußerbar. Zudem können einmal abgeschlossene Verträge nicht mehr gekündigt werden. Sie dürfen lediglich beitragsfrei gestellt werden, das eingezahlte Kapital bleibt aber im Vertrag bestehen und kann nicht ausgezahlt werden. Verstirbt der Versicherungsnehmer während der Ansparphase, ist das eingezahlte Kapital ohne Zusatzabsicherung verloren und kommt der Versichertengemeinschaft zugute, dasselbe gilt beim Todesfall im Rentenbezug.

Welche Zusatzabsicherungen gibt es bei der Rürup-Rente?

Das Grundprodukt der Basisrente ist sehr unflexibel und im Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung nachempfunden. Versicherungsnehmer dürfen aber einige Zusatzabsicherungen abschließen, die den Versicherungsschutz erweitern. Alle zusätzlichen Deckungen gehen zulasten der Rendite des Vertrags.

Hinterbliebenenrente und Risikolebensversicherung

Üblich ist die Mitversicherung einer Hinterbliebenenrente. Diese kann für Ehepartner und Kinder eingeschlossen werden. Eingetragene Lebenspartner sind nicht von der Absicherung umfasst. Bei Kindern ist der Bezug der Hinterbliebenenrente an den Bezug von Kindergeldleistungen gekoppelt. Entfallen die Voraussetzungen für den Kindergeldbezug, wird auch keine Hinterbliebenenrente mehr ausgezahlt.

Stirbt der Versicherungsnehmer in der Ansparphase, ist das eingezahlte Kapital im Normalfall verloren. Einige Versicherungsunternehmen bieten zur Absicherung des Kapitals eine spezielle Risikolebensversicherung mit steigender Versicherungssumme an. Die versicherte Summe entspricht dann immer dem vorhandenen Kapital in der Basisrente. Die Risikolebensversicherung wird als separater Vertrag geführt und kann steuerlich nicht gefördert werden.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung lässt sich ebenfalls in die Rürup-Rente einschließen. Damit die Förderfähigkeit des Vertrags bestehen bleiben kann, müssen mehr als 50 % des Beitrags in den Aufbau der Altersvorsorge fließen. Eine eventuelle Zusatzdeckung für die Beitragsfreistellung bei Berufsunfähigkeit wird dabei zu den Beiträgen für die Altersvorsorge gerechnet.

Ist der Einschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Unter steuerlichen Gesichtspunkten ergeben sich bei dem Einschluss des Berufsunfähigkeitsrisikos in der Rürup-Rente Vorteile. Der Beitrag lässt sich so komplett von der Steuer absetzen. Eine separate private Berufsunfähigkeitsversicherung kann zwar auch als Vorsorgeaufwendung von der Steuer abgesetzt werden, unterliegt aber dem Höchstsatz für sonstige Vorsorgeaufwendungen (1.900, – €). Da in diesem Bereich auch Krankenversicherungsbeiträge berücksichtigt werden, ist der Höchstsatz in der Regel bereits erreicht und eine zusätzliche Berücksichtigung kann nicht erfolgen.

Kommt es zum Leistungsfall, muss die Berufsunfähigkeitsrente mit dem derzeit gültigen Anteilssatz voll versteuert werden. 2016 müssen dann 72 % der Rentenleistung versteuert werden. Dieser Satz steigt bis 2020 um 2 Prozentpunkte pro Jahr und danach noch bis 2040 um einen Prozentpunkt pro Jahr. Je später die Rentenleistung beginnt, desto höher wird die steuerliche Belastung der Berufsunfähigkeitsrente.

Muss der Rürup-Vertrag bei Zahlungsschwierigkeiten beitragsfrei gestellt werden, entfällt in der Regel auch der Schutz durch die Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Weiterführung ist nicht möglich. Insofern ist es oft besser, einen separaten Vertrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Dieser kann bei Zahlungsproblemen eher weiter bedient werden, als ein vergleichsweise teurerer Basisrentenvertrag.

Pfändungsschutz & Arbeitslosengeld II – wie wird die Rürup-Rente behandelt?

In der Ansparphase ist ein Basisrentenvertrag generell pfändungsgeschützt und kann durch Gläubiger nicht verwertet werden. Dasselbe gilt beim Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz 4). Guthaben, das in einem Basisrentenvertrag liegt, wird nicht zum Vermögen hinzugerechnet. Im Rentenbezug werden die ausgezahlten monatlichen Leistungen aber bei der Berechnung von eventuellen Hartz-IV-Leistungen berücksichtigt. Leistungen aus dem Vertrag sind außerdem nur noch bis zu den jeweiligen Höchstgrenzen pfändungsgeschützt, alle über dem Freibetrag liegenden Beträge dürfen gepfändet werden.

Welche Vertragsarten gibt es bei der Rürup-Rente?

Derzeit gibt es drei verschiedene Vertragsarten, die förderfähig sind

Am besten lassen sich die zu erwartenden Leistungen bei der klassischen Rentenversicherung berechnen, da die garantierte Leistung zum Rentenbeginn bereits feststeht. Das Kapital im Vertrag wird mit dem Garantiezins von aktuell 1,25 % verzinst. In der Praxis ist die tatsächliche Verzinsung aber nach wie vor höher und liegt je nach Versicherungsgesellschaft zwischen 3 % und 4,5 %. Die höhere Verzinsung ist aber nicht garantiert und kann je nach Entwicklung des Zinsniveaus stark schwanken.

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen gibt es gar keine garantierten Leistungen, da die Leistungen abhängig von der Entwicklung der gewählten Fonds sind. Die Verwaltungskosten, die von den Sparbeiträgen abgehen, sind bei fondsgebundenen Varianten höher, weil neben den Kosten bei der Versicherungsgesellschaft auch noch Kosten für den Erwerb und die Verwaltung der gewählten Fonds anfallen.

Fondssparpläne sind noch relativ neu auf dem Markt. Rürup-Fondssparpläne sind keine reinen Fondssparpläne, weil der Gesetzgeber für die Förderung der Beiträge eine lebenslange Verrentung der Leistungen nach Art der Lebensversicherer vorsieht. Die Fondssparpläne werden ab Beginn des Rentenbezugs in eine Rentenversicherung umgewandelt. Dadurch entstehen noch ein zweites Mal Kosten, sodass sich die Verträge im Vergleich zu fondsgebundenen Rentenversicherungen nicht unbedingt mehr lohnen. Bei Interesse an Fondssparplänen ist es sinnvoll, zum Vergleich auch Angebote von fondsgebundenen Rentenversicherungen einzuholen. Für die Rendite ist bei beiden Versicherungsformen die Auswahl der richtigen Fonds entscheidend. Interessenten sollten außerdem prüfen, ob ein Wechsel von einem oder mehreren Fonds kostenfrei möglich ist oder ob immer Zusatzkosten dafür anfallen.

Rürup-Rente kündigen – geht das überhaupt?

Ein Basisrentenvertrag kann nicht gekündigt werden. Eine Kündigung führt lediglich zu einer Beitragsfreistellung des Vertrags. Bei einigen Anbietern ist aber möglich, das angesparte Kapital zu einem anderen Anbieter zu übertragen. Besteht diese Möglichkeit nicht, ist ein Wechsel des Anbieters nur durch den Abschluss eines Neuvertrags und der Beitragsfreistellung des alten Vertrags möglich.

Lohnt sich eine Rürup-Rente?

Die steuerlichen Vorteile durch den Abschluss eines Basisrentenvertrags sind auf den ersten Blick sehr attraktiv. Am meisten profitieren Selbstständige und Freiberufler, die nicht in ein berufsständisches Versorgungswerk oder die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für die Steuervorteile in der Ansparphase muss die Rentenleistung voll versteuert werden. Im Idealfall ist der individuelle Steuersatz im Alter niedriger, sodass die Besteuerung der Rentenleistungen niedriger ausfällt als die vorherige Steuerersparnis. Das trifft jedoch meisten nur bei sehr gut verdienenden Personen zu. Vor dem Abschluss einer Rürup-Rente sollte in jedem Fall ein Steuerberater zu den möglichen Optionen befragt werden, dieser kann bei konkreten Fällen am ehesten berechnen, ob sich der Abschluss individuell lohnt.

Die Vererbung von Leistungen aus Basisrentenverträgen ist kaum möglich. Für eine Hinterbliebenenrente kommen nur Ehepartner und Kinder, bei denen noch ein Anspruch auf Kindergeld besteht, infrage. Bei unverheirateten Paaren ist das Kapital, das in eine Rürup-Rente investiert wird, ohne eine separate ungeförderte Zusatzabsicherung verloren.

Autor
Charlotte Bodinek
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