Versicherungen

Unfallversicherung – was Sie wissen müssen

Zwei Drittel aller Unfälle passieren in der Freizeit. Die gesetzliche Unfallversicherung leistet aber nur bei Arbeitsunfällen und Unfällen auf dem direkten Weg zur und von der Arbeit. Bei Kindern sind die Schul- und Kindergartenzeiten sowie die direkten Wege mitversichert.

Sinnvoll ist die Absicherung fuer die Uebernahme von Bergungskosten durch die Unfallversicherung. © Marcus Meissner/flickr

Eine private Unfallversicherung kann den Versicherungsschutz ergänzen. Sie leistet aber nur, wenn nach einem Unfall bleibende Schäden zurückbleiben. Bei einem Bein- oder Armbruch leistet die Unfallversicherung in der Regel nicht, da die Verletzung folgenlos verheilt.

Ob eine zusätzliche Unfallversicherung sinnvoll ist, hängt vor allem vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. Nur bei einer geringen Zahl von Unfällen bleiben Behinderungen bestehen, beim überwiegenden Teil verheilen alle Verletzungen ohne bleibende Folgeschäden. Laut statistischem Bundesamt werden nur 2 % aller Schwerbehinderungen durch Unfälle verursacht, viel häufiger sind Krankheiten für eine schwere Invalidität verantwortlich. Für Arbeitnehmer sollte daher der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung Priorität haben; die private Unfallversicherung ergänzt den Versicherungsschutz der Berufsunfähigkeitsversicherung, kann ihn aber niemals ersetzen.

Berechnung des Invaliditätsgrades – die Gliedertaxe

Jeder Versicherer definiert in seinen Versicherungsbedingungen eine Gliedertaxe, aus der hervorgeht, welche Leistungen der Versicherungsnehmer bei Einschränkungen an bestimmten Körperteilen erwarten kann. Während der Verlust eines Fingers mit einem geringen Grad eingestuft wird, kann je nach Gesellschaft der Verlust eines Beins mit 100 % Invalidität bewertet werden. Grundsätzlich gilt: Je besser die Gliedertaxe ist, desto teurer wird auch der Tarif. Versicherungsnehmer können aber auch Leistungen erwarten, wenn die bleibenden Schäden nicht in der Gliedertaxe aufgeführt sind. Der Versicherer nimmt dann eine individuelle Berechnung des Invaliditätsgrades vor.

Versicherungssumme und Progression – was brauche ich?

Sämtliche Leistungen bei der Unfallversicherung berechnen sich nach der Versicherungssumme. Diese wird vertraglich festgelegt und kann optional mit einer Progression erhöht werden. Die Spanne bei Progressionsvereinbarungen reicht von 225 % bis zu 1.000 %. Durch die Progression erhöht sich die Leistung des Versicherers bei hohen Invaliditätsgraden. So gibt es bei 225 % Progression im Falle einer vollständigen Invalidität zum Beispiel 225 % der Versicherungssumme als einmalige Kapitalleistung. Bei nur 20 % Invalidität werden aber auch nur 20 % der vereinbarten Summe ausgezahlt. Je höher die Progression eines Tarifs angelegt ist, desto geringer ist auch die Höchstversicherungssumme.

Da die meisten Unfälle mit bleibenden Schäden niedrige Invaliditätsgrade verursachen, sind hohe Progressionen nur selten sinnvoll. Wichtig ist vor allem eine ausreichend hoch bemessene Grundversicherungssumme. Je nach Einkommen und anderen Absicherungen sollte sie mindestens so hoch wie drei Nettojahresgehälter sein, damit der Einkommensausfall und einmalige Zusatzkosten abgedeckt werden.

Zusatzleistungen in der Unfallversicherung

Neben der einmaligen Leistung bei bleibenden Schäden gibt es bei den meisten Versicherungsgesellschaften verschiedene Zusatzleistungen, mit denen der Versicherungsschutz verbessert werden kann. Nicht alle davon sind wirklich sinnvoll.

Empfehlenswerte weitere Absicherungen

Folgende zusätzliche Absicherungen zur Unfallversicherung sind empfehlenswert:

  • kosmetische Operationen
  • Bergungskosten
  • Todesfallsumme

Die Deckung für Bergungskosten und kosmetische Operationen ist in der Regel subsidiär, d. h. die Unfallversicherung leistet dann nur, wenn keine andere Versicherung (privat oder gesetzlich) die Kosten für die Bergung nach einem Unfall oder kosmetische Operationen zur Behandlung von Unfallfolgen übernimmt. In guten Tarifen sind diese beiden Punkte ohne zusätzliche Kosten enthalten, empfehlenswert sind Versicherungssummen ab 10.000 €. Ausgezahlt wird die Todesfallsumme an Hinterbliebene , wenn eine versicherte Person durch einen Unfall zu Tode kommt. Zusätzlich ist sie aber auch der Höchstbetrag, den die Unfallversicherung als Vorauszahlung auf eine zukünftige Invaliditätsleistung zahlt. Die eigentliche Summe zahlt der Versicherer erst aus, wenn die Invalidität feststeht und keine Verbesserung des Zustands mehr zu erwarten ist. Die Feststellung dauert bei den meisten Versicherern etwa zwölf Monate.

Absicherungen, die nicht empfehlenswert sind:

Weniger sinnvoll sind folgende Absicherungen:

  • Übergangsleistung
  • Unfallrente
  • Krankenhaustagegeld und Genesungsgeld
  • Mehrleistung bei hohen Invaliditätsgraden

Übergangsleistungen werden durch die Unfallversicherung etwa sechs Monate nach einem Unfall mit vermutlich bleibenden Schäden ausgezahlt. In der Praxis lässt sich dieser zusätzliche Kapitalbedarf aber besser durch eine Krankentagegeldversicherung absichern. Dasselbe gilt für Krankenhaustage- und Genesungsgeld. Die vereinbarten Tagessätze leistet der Versicherer für jeden Tag, der aufgrund eines Unfalls in einem Krankenhaus verbracht wird und bei vereinbartem Genesungsgeld noch einmal für dieselbe Anzahl Tage nach dem Aufenthalt in einer Klinik. Die Mehrleistung bei hohen Invaliditätsgraden soll die vereinbarte Progression ergänzen. So erhalten Versicherungsnehmer zum Beispiel schon bei 90 % Invalidität die vereinbarte Summe für 100 % Invalidität ausgezahlt. Da Unfälle mit sehr hohen Invaliditätsgraden aber ohnehin extrem selten sind, kann auf diese Absicherung verzichtet werden.

Eine Unfallrente wird durch den Versicherer gezahlt, wenn durch einen Unfall mindestens 50 % Invaliditätsgrad entstehen. Die Leistung wird lebenslang gezahlt, allerdings ist die Schwelle recht hoch angesetzt. Unter bestimmten Umständen kann die Vereinbarung einer Unfallrente aber sinnvoll sein, sie eignet sich zum Beispiel für die Absicherung von Kindern, die noch keine richtige Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können.

Die Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr – sinnlos und teuer

Noch immer bieten einige Versicherer eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr an. Wer keine Leistungen aus der Unfallversicherung benötigt, bekommt am Ende der Laufzeit mindestens einen Teil seiner Beiträge zurück. Bei diesen Tarifen wird die Unfallversicherung mit einer Lebensversicherung kombiniert. Zusätzlich zu den Beiträgen für die Unfallversicherung spart der Versicherungsnehmer also Kapital an, das später verzinst wieder ausgezahlt wird. Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr sind teuer und die erreichbare Rendite ist mager. Wer zusätzlich für das Alter vorsorgen will, entscheidet sich lieber für eine reine Rentenversicherung und eine Unfallversicherung ohne Beitragsrückgewähr.

Autor
Johanna Schödel
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