Finanzen

Girokonto – das Konto für jedermann

Der Ausdruck „Girokonto“ kommt von Italienischen „giro“ – Drehung. Gemeint ist damit, dass das Geld auf einem Girokonto nicht langfristig angelegt, sondern immer in Bewegung ist.

Kein Ort für große Anlagen, das Guthaben auf einem Girokonto ist immer in Bewegung. © minja123/thinkstock

Aus dem Alltag ist das Girokonto nicht mehr wegzudenken und wird gewöhnlich von jeder Bank angeboten. Als eines der Basisprodukte im Finanzwesen ist es Voraussetzung, um am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Es dient der Abwicklung des Zahlungsverkehrs, indem der Kontoinhaber verschiedene Transaktionen ausführen kann. Transaktionen sind regelmäßige Buchungen wie Mietzahlung oder der monatliche Gehaltseingang ebenso wie einmalige Überweisungen. Girokonten können daher als eine Möglichkeit des Bargeldersatzes verstanden werden, durch die ein großer Teil finanzieller Geschäfte  elektronisch stattfindet.

Jederzeit Zugriff auf das Geld

Ein Girokonto zeichnet sich dadurch aus, dass das Geld jederzeit verfügbar ist. Anderes als bei Anlageprodukten wie Festgeldkonten kann auf das Guthaben eines Girokontos zu jedem Zeitpunkt zugegriffen werden. In der Regel gehört zum Konto auch eine EC-Karte, mit der Geld vom Automaten abgehoben werden kann und bargeldlose Zahlungen möglich sind.

Bank Konto- gebühren Dispo- zinsen Guthaben- zinsen EC-Karte Kredit- karte  
Norisbank 0,- € 11,05 % 0,5 % 0,- € 0,- € Zum Vergleich
Consorsbank 0,- € 8,03 % 0,- € 0,- € Zum Vergleich
ComDirekt 0,- € 8,95 % 0,6 % 0,- € 0,- € Zum Vergleich
1822direkt 0,- € 7,74 € 0,- € 25.- € Zum Vergleich
DKB 0,- € 7,5 % 0,9 % 0,- € 0,- € Zum Vergleich

In der Filiale oder online?

Die privaten Geldgeschäfte kann der Kontoinhaber zunächst natürlich in der jeweiligen Filiale der Bank vornehmen, bei der das Konto besteht. Immer häufiger entscheiden sich die Deutschen jedoch für die Möglichkeit des Online-Bankings, bei dem sie – ungebunden an die Öffnungszeiten oder Lage der Filiale – jederzeit Überweisungen tätigen können. Die Option des Online-Bankings wird inzwischen von allen Banken angeboten, oft entfallen dann sogar Gebühren, die am Schalter berechnet werden.

Das Girokonto bei einer Direktbank?

Mittlerweile haben sich immer mehr Direktbanken etabliert, die auf eigene Filialen verzichten und bei denen das Finanzgeschäft (ausschließlich) über das Internet läuft. Durch den Verzicht auf ein eigenes Filialnetz sind Direktbanken meist die günstigere Alternative zu Filialbanken. Daher entfallen bei ihnen Zusatzkosten wie Kontoführungsgebühren häufig. Oft werden sogar zusätzliche Leistungen geboten, wie kostenlose Kreditkarten oder ein Aktiendepot.

Dennoch dürfen auch die Nachteile nicht von der Hand gewiesen werden, die Direktbanken mit sich bringen: Durch fehlende Filialen haben Kunden keinen direkten Ansprechpartner vor Ort und sind fast ausschließlich auf sich allein gestellt. Es besteht in der Regel zwar die Möglichkeit, sich für Beratung oder Hilfe telefonisch an einen Mitarbeiter der Bank zu wenden, allerdings ist dies ein Service, für den in den meisten Fällen Gebühren berechnet werden.

Mehr Flexibilität durch Dispo

Inhaber eines Girokontos haben im Allgemeinen die Möglichkeit, sich einen Dispokredit einrichten zu lassen. Hierbei wird dem Kontoinhaber ein finanzieller Spielraum eingeräumt, so dass er in Zeiten finanzieller Engpässe die Möglichkeit hat, kurzfristig und unbürokratisch auf einen kleinen Kredit zuzugreifen.

Bei den meisten Banken kann ein Dispo maximal für einen Zeitraum von zwölf Monaten in Anspruch genommen werden, spätestens dann sollte das Konto wieder ausgeglichen werden. Jedoch ist es (ganz abgesehen von dieser zeitlichen Beschränkung) ohnehin nicht zu empfehlen einen Dispokredit länger als nötig in Anspruch zu nehmen, denn die Zinsen sind hier wesentlich höher als bei einem regulären Ratenkredit.

Ein Girokonto bringt nur mäßige Zinsen

Da die Idee bei einem Girokonto darin liegt, dass das Geld immer zirkuliert und keine höheren Summen „geparkt“ werden, spielen auch die Zinsen eine untergeordnete Rolle und fallen sehr niedrig aus. Geldanlage sollte daher auf einem Konto mit besseren Zinskonditionen stattfinden.

Dennoch sollte der Blick auf die Zinsen nicht völlig außenvorgelassen werden. Denn wer bei seinem Girokonto in die Miesen rutscht und von seinem Dispokredit Gebrauch machen muss, zahlt für diesen Minikredit unverhältnismäßig hohe Gebühren.

Girokonto für Jedermann?

Grundsätzlich hat jeder Anspruch auf ein Girokonto. Nicht zuletzt, da es in einigen Bereichen des Alltags inzwischen Voraussetzung ist, ein (Giro-)Konto zu haben, beispielsweise wenn es um den Erhalt eines Mietvertrags geht, etc.

Kein Konto bei schlechter Schufa-Bonität

Einige Banken behalten sich jedoch vor, einen Kunden anzunehmen oder nicht. Grund für die Ablehnung durch eine Bank ist meist ein negativer Schufa-Eintrag und der Verdacht auf fehlende Liquidität des Kunden. Sparkassen hingegen sind verpflichtet einem Antrag auf die Eröffnung eines Girokontos nachzukommen. Sehen sie die Zahlungsfähigkeit eines Kunden allerdings gefährdet, bleibt ihnen die Möglichkeit, das Girokonto nur in Form eines Guthabenkontos anzubieten. Überziehungen im Rahmen eines Dispokredits sind bei einem solchen Konto dann nicht mehr möglich.

Girokonto für die Kleinen

Theoretisch können bereits Kinder ab sieben Jahren ein eigenes Girokonto bekommen und dieses in Form eines Taschengeld- oder Schülerkontos führen. Generell haben Banken aber das Recht selbst zu entscheiden, aber wann Kinder bei ihnen ein Konto eröffnen können. Bei Kinder unter 18 Jahren gilt ohnehin: Ein Konto kann nur mit der Unterschrift der Eltern eröffnet werden.

Gemeinschaftskonten

Ein Girokonto kann auch als Gemeinschaftskonto geführt werden. Paare, Gruppen oder Vereine haben die Möglichkeit gemeinsam ein Konto zu eröffnen, auf das alle autorisierten Personen gleichermaßen Zugriff haben.

Was kostet ein Girokonto?

Immer mehr Banken – vornehmlich Direktbanken – bieten ein kostenloses Girokonto an. Allerdings sollten Verbraucher aufpassen, dass sie nicht das Bauernopfer einer Marketingstrategie werden. Denn nur weil eine Bank mit einem kostenlosen Girokonto wirbt, heißt das noch lange nicht, dass de facto keine Kosten anfallen. Oft beinhalte erst das Kleinedruckte die tatsächlichen Konditionen. So ist bei vielen Instituten eine kostenfreie Nutzung des Kontos nur ein regelmäßiger Eingang eines bestimmten Geldbetrags möglich, die Anzahl der gebührenfreien Überweisungen ist beschränkt oder das Geldabheben im Ausland schlägt mit hohen Kosten zu Buche.

Für bestimmte Gruppen wie Schüler, Auszubildende oder Studenten gibt es aber eine große Auswahl guter und faktisch auch kostenfreier Girokonten. Dieses Angebot ist dabei an ein bestimmtes Alter gebunden, danach werden in vielen Fällen Kontoführungsgebühren erhoben. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig nach einer günstigen Alternative umzusehen.

Wechsel des Girokontos

Die Konditionen, zu denen Banken Girokoten anbieten variieren stark. Insbesondere in Hinblick auf Gebühren und Zinsen lohnt es sich, mehrere Anbieter miteinander zu vergleichen. Wer sich nicht selbst die Mühe machen will und von unterschiedlichen Banken Informationen sammeln möchte, kann im Internet auf vielen Seiten Vergleichsservice in Anspruch nehmen. Dabei ist allerdings darauf hinzuweisen, dass nicht alle Vergleichsseiten gleichermaßen seriös sind, um ein wenig eigene Recherche kommt daher niemand herum.

Für den Kontowechsel selbst ist es wichtig, zunächst das neue Konto zu eröffnen und erst nach Erledigung aller Formalitäten, d. h. auch die Mitteilung der neuen Kontoverbindung, das alte Konto zu kündigen. Viele Banken bieten hier den Service an, die Kündigung für den Kunden zu übernehmen.

Statistik: Bei wie vielen Banken haben Sie ein Girokonto? | Statista
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Autor
Charlotte Bodinek
Erste Veröffentlichung
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