Vorsorge

Wohn-Riester: Die staatliche Förderung fürs Eigenheim

In Zeiten, in denen nicht mehr behauptet werden kann, dass die Rente sicher ist, müssen Alternativen geschaffen werden, die den jetzigen Arbeitenden private Altersvorsorge-Maßnahmen schmackhaft machen. Das funktioniert meist nur mit Hilfe von staatlichen Förderungen. Dies ist bereits mit Hilfe der Riester-Rente als eine Möglichkeit privater Altersvorsorge geschehen.

Wohn-Riester Eigenheimrente © vitocork/Thinkstock

Die sogenannte Eigenheimrente ist eine Erweiterung der Förderungsmöglichkeiten der Riester-Rente. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde 2008 geschaffen. Seitdem fördert der Staat auch den Aufbau einer Altersvorsorge durch den Erwerb einer eigenen Immobilie, die im Alter mietfrei bewohnt werden kann. Die Förderung von speziellen Wohn-Riester-Produkten ist an dieselben Voraussetzungen geknüpft wie die Förderung eines normalen Rentenvertrags. Gefördert werden derzeit drei mögliche Formen:

 

  • direkt geförderte Annuitätendarlehen, bei denen die staatlichen Zuschüsse direkt in die Tilgung des Kredits fließen
  • Sparverträge mit Darlehensoption (praktisch immer Bausparverträge)
  • Vorfinanzierungsdarlehen, i. .d R. Bausparverträge in Verbindung mit einem Darlehen, für das keine Tilgung gezahlt werden muss
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In der ersten Phase zahlen Darlehensnehmer nur die Zinsen für das Darlehen und sparen gleichzeitig einen Bausparvertrag an. Ist dieser zuteilungsreif, wird das Darlehen mit dem Bausparvertrag abgelöst und die Tilgungsleistungen fließen in den Bausparvertrag.

Welche speziellen Voraussetzungen müssen für die Förderung erfüllt werden?

Das geförderte Wohneigentum muss selbst genutzt werden. Gefördert wird der Erwerb von Einfamilienhäusern, eigenen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, Genossenschaftswohnungen oder lebenslangen oder eigentumsähnlichen Dauerwohnrechten. Die geförderte Immobilie muss in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder einem Staat, der zum EWR-Abkommen gehört, liegen. Wochenend- und Ferienwohnungen können nicht gefördert werden.

Wenn das Haus verkauft oder vermietet wird, entfällt die Förderung und eventuelle Steuervorteile und Zuschüsse müssen zurückgezahlt werden. Die Rückzahlung kann unter bestimmten Voraussetzungen entfallen und die Förderung bleibt bestehen, wenn:

• die vorher selbst genutzte Immobilie aufgrund einer beruflich bedingten Abwesenheit vorübergehend nicht genutzt werden kann.
• die Selbstnutzung der Wohnung vor der Vollendung des 67. Lebensjahres wieder aufgenommen werden soll
• die bisher geförderten Beiträge innerhalb von fünf Jahren nach dem Verkauf oder der Vermietung erneut in selbst genutztes Wohneigentum investiert werden
• die bisher geförderten Beiträge maximal zwei Jahre vor dem Verkauf oder der Vermietung der bisherigen Immobilie wieder in selbst genutztes Wohneigentum investiert wurden

Kann ich die Förderung retten, wenn ich keine neue Immobilie kaufen will?

Da die Eigenheimrente nur eine Erweiterung der Riester-Rente ist und dieselben Grundlagen gelten, können die geförderten Beiträge auch erhalten bleiben, wenn das Geld nicht wieder in eine Immobilie fließt. Dafür muss das geförderte Kapital in einen normalen Riester-Rentenvertrag eingezahlt werden. Geschieht dies innerhalb der Fristen, bleibt die staatliche Förderung erhalten und es kommt nicht zu Rückforderungen. Da diese Art von Umschichtung recht selten ist, sollte sie am besten mit professioneller Hilfe erfolgen, damit die staatliche Zulagenstelle nicht fälschlicherweise Zulagen zurückfordert.

Werden auch bereits abgeschlossene Riester-Renten berücksichtigt?

Bestehende Rentenverträge können auch zur Förderung herangezogen werden. Der Versicherungsnehmer darf das gesamte zur Verfügung stehende Kapital inklusive aller Zulagen aus dem bestehenden Vertrag entweder als Eigenkapital für den Kauf einer Immobilie oder zur Tilgung einer bestehenden Finanzierung verwenden. Seit der letzten Erweiterung des Gesetzes ist ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Entnahme des Kapitals und dem Erwerb einer Immobilie nicht mehr notwendig. Das bedeutet, dass auch Jahre nach dem Erwerb einer Wohnung das Kapital aus einem Riestervertrag zur Sondertilgung eingesetzt werden darf. Ebenso kann es im Zuge einer Anschlussfinanzierung verwendet werden. Das entnommene Kapital muss nicht zurückgezahlt werden, der Vertrag läuft danach mit den normalen Sparraten weiter oder kann alternativ auch beitragsfrei gestellt werden.

Wie wird die Eigenheimrente besteuert?

Auch bei der Eigenheimrente findet eine nachgelagerte Besteuerung statt. Da aber keine Verrentung erfolgt, wird zur Berechnung der Steuer ein fiktives „Wohnförderkonto“ geführt. Auf diesem werden alle Tilgungsleistungen oder Entnahmebeträge und die staatliche Förderung gutgeschrieben und in jedem Jahr mit 2 % verzinst.
Mit Beginn der eigentlichen Auszahlungsphase wird der Stand des Kontos ermittelt. Der Steuerpflichtige hat dann zwei Optionen:

  • ratierliche Versteuerung
  • Einmalversteuerung

Bei der ratierlichen Versteuerung wird der Gesamtbetrag durch die Anzahl der Lebensjahre bis zum 85. Lebensjahr geteilt und dieser Betrag jährlich dem zu versteuernden Einkommen zugerechnet.
Bei der einmaligen Versteuerung werden 70 % der Gesamtsumme den Einkommen im aktuellen Jahr zugerechnet, der Gesetzgeber gewährt also einen Rabatt von 30 % auf die eigentliche Steuerschuld. Der Wechsel von ratierlicher Versteuerung zur einmaligen Versteuerung ist praktisch jederzeit möglich, der Rabatt bleibt bestehen.

Die Eigenheimrente kann ein Baustein zu einer besseren Altersvorsorge sein. Es muss aber beachtet werden, dass selbst genutzte Immobilien im Alter keinen Ertrag abwerfen und deswegen keine zusätzlichen Geldmittel zur Verfügung stehen. Wer ohnehin eine eher geringe Rente zu erwarten hat, tut sich mit der Eigenheimrente keinen Gefallen. Das Kapital, das eigentlich in den Aufbau der zusätzlichen Altersvorsorge geflossen wäre, steckt nun in einer Immobilie. In den meisten Fällen wird die Immobilie zudem älter sein, sodass höhere Instandhaltungskosten anfallen. Das muss ebenfalls berücksichtigt werden. Das mietfreie Wohnen im Alter spart zwar die Kosten für die Miete ein, dafür entstehen aber Kosten für die Instandhaltung, die bei einer Mietwohnung komplett entfallen. Die Eigenheimrente ist eine sinnvolle Ergänzung der Riester-Rente, sie ist aber nicht in jedem Fall einem normalen Vermögensaufbau mit einem konventionellen Riestervertrag vorzuziehen.

Autor
Charlotte Bodinek
Erste Veröffentlichung
Letzte Aktualisierung