Die Immobilie als Kostenfalle
Die Zinsen sind niedrig und Immobilien gelten als sichere Kapitalanlage – da sollte man am besten nicht lange hadern und dem Traum vom Eigenheim so schnell wie möglich verwirklichen. Doch leider wird dieser Traum für einige Käufer zum finanziellen Genickschuss …
von Charlotte Ruzanski
© thinkstock

Sicherlich: Hauseigentümer haben den großen Vorteil, dass sie keine Miete mehr zahlen müssen. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass man dadurch auch mehr Geld in der Tasche hat. Immobilien produzieren laufende Kosten, für die der Besitzer aufkommen muss.

Zu den Grundgebühren zählen natürlich die Kosten für Heizung, Strom, Wasser … Aber auch die Grundsteuer, die die Gemeinde erhebt, kann die laufenden Kosten ordentlich in die Höhe schnellen lassen. Wie hoch diese ausfällt, variiert allerdings stark.

Wer sich durch die Vermietung seiner Immobilie eine feste Einnahmequelle erhofft, muss auch die Risiken einkalkulieren, die eine Vermietung mit sich bringt. Schon alleine, wenn die Wohnung bei einem Mieterwechsel über einen bestimmten Zeitraum leer steht, macht sich das am eigenen Geldbeutel bemerkbar. Und immer wieder gibt es leider auch Mieter, die mit der Miete im Rückstand sind oder gar überhaupt keine Miete zahlen. Diese Dinge sollte man im Kopf behalten, wenn man mit der Vermietung Geld verdienen möchte.

Teure Anschlussfinanzierung

Die niedrigen Zinsen verleiten viele Leute derzeit dazu ein Haus zu bauen oder zu kaufen, denn Baugeld ist so günstig wie nie. Doch hier ist Vorsicht geboten. Auch wenn die Zinskonditionen dieser Tage besonders gut sind, kann es passieren, dass nach Ablauf der ersten Zinsbindung eine Anpassung stattfindet. Das ist dann der Fall, wenn die Zinsen in der Zwischenzeit gestiegen sind – ein Szenario, das mehr als wahrscheinlich ist. Somit werden die Konditionen der Anschlussfinanzierung für die Restschulden sehr viel schlechter. Doch es ist nicht unmöglich, dieser Preissteigerung zu entgehen. Wichtig ist dafür, bei Kreditabschluss auf eine möglichst lange Zinsbindung zu achten.

Die erste hohe Rechnung schon mit Vertragsabschluss

Schon allein für den Erwerb einer Immobilie fallen beachtliche Kosten an, die oft übersehen werden. Das beginnt mit den Maklergebühren und geht weiter mit der Grunderwerbssteuer und den Notar- und Grundbuchkosten.

Die Tabelle zeigt; wie viel Prozent des Kaufpreises in einzelnen Bundesländern durchschnittlich noch zusätzlich als Kaufnebenkosten anfallen. Berücksichtigt wurden dabei die Notar- und Grundbuchamtgebühren, die Grunderwerbssteuer und die Kosten für den Makler (Quelle: Statista/Süddeutsche Zeitung)

Brandenburg 13,64 %
Berlin 13,14 %
Hamburg 12,25 %
Niedersachsen 11,95 %
Bremen 11,95 %
Nordrhein-Westfalen 11,26 %
Rheinland-Pfalz 11,26 %
Mecklenburg-Vorpommern 10,95 %
Hessen 10,95 %
Thüringen 10,07 %

Bauherren sollten berücksichtigen, dass für sie durch Erschließungskosten sowie Ausgaben für Strom und Wasser während der Bauphase zusätzliche Kosten entstehen. Auch sind die Prämien für die Bauherrenpflicht- und die Bauwesenversicherung nicht zu vernachlässigen.

Zinsen für Bauherren

Anders als Käufer zahlen Bauherren nicht den Gesamtpreis nach Übergabe des fertigen Hauses, sondern rufen ihr Darlehen ratenweise ab. Wann die Raten benötigt werden, ist abhängig vom Baufortschritt. Das Problem ist: Verzögert sich der Bau, so verschiebt sich auch die Zahlung des Teildarlehens. In solchen Fällen erheben die Banken sogenannte Bereitstellungszinsen. Um sich vor solchen Ausgaben zu wappnen, sollte ein Kreditgeber gewählt werden, der Teildarlehen über einen möglichst langen Zeitraum „bereitstellungszinsfrei“ anbietet. Manche Anbieter ermöglichen das bis zu 24 Monate.

Bereitstellungszinsen: Fallen für zur Verfügung gestellte aber noch nicht in Anspruch genommene Darlehensbeträge an. Wartet ein Darlehensnehmer zu lange mit der Auszahlung seines Darlehens, entstehen für die Bank Kosten, da sich damit auch die Laufzeit des Darlehens verlängert. Diese Kosten werden durch den Bereitstellungszins auf den Kunden übertragen.

An der falschen Stelle spart, wer bei der Bezahlung für Bauarbeiter und Handwerker spart. Hier ist es empfehlenswert sich von einem Architekten Beratung zu holen. Bauberater beaufsichtigen und kontrollieren den Bau von der Vertragsplanung bis zum Einzug. Allzu schnell kommt es sonst nämlich zu Pfusch am Bau und letztendlich hat man für die Reparatur alleine mehr ausgegeben als für gute Handwerker und eine sichere Beratung.

Am besten gleich ins gemachte Nest setzen …

Aber auch wer sich die Bauphase sparen will und ein bereits fertiggestelltes Haus bezieht, muss Folgekosten einberechnen. Nicht täuschen lassen sollten man sich vom Kauf einen „schlüsselfertigen“ Hauses – denn das heißt mitnichten, dass es auch bezugsfertig ist! Oft fehlen bei schlüsselfertigen Häusern noch die Anschlüsse an das öffentliche Netzt, d. h. die Anschlüsse für Wasser, Abwasser, Strom … Diese werden in der Regel von den Kommunen eingerichtet, allerdings hat das seinen Preis. Nicht selten erklimmen die Ausgaben hier einen fünfstelligen Bereich.

Bei älteren Häusern entstehen in der Regel für Renovierung und Sanierung der Immobilie beachtliche Kosten. Und je älter das Haus ist, das bezogen wird, umso höher sind in den meisten Fällen auch die Instandhaltungskosten. Grundsätzlich sollten Immobilieneigner pro Monat und Quadratmeter 2, – € für mögliche Sanierungskosten zurücklegen um im Notfall ein ausreichendes finanzielles Polster zur Verfügung zu haben.

von Charlotte Ruzanski
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