Finanzen

Arbeitslosengeld I und II – Wo liegt der Unterschied?

Wer in Deutschland seinen Job verliert, kann in der Zeit der Arbeitslosigkeit finanzielle Unterstützung beantragen, das sogenannte Arbeitslosengeld (ALG). Doch davon gibt es zwei Versionen ALG I und ALG II. BBX erklärt, wie sich die beiden Leistungen unterscheiden.

Anlaufstelle fuer den Antrag auf ALG I oder ALG II ist die Agentur fuer Arbeit.

Der Name täuscht darüber hinweg, dass diese beiden Modelle der finanziellen Unterstützung für Arbeitssuchende grundverschieden sind. Während es sich bei ALG I um eine Versicherungsleistung handelt, ist ALG II eine staatliche Leistung für Bedürftige.

Arbeitslosengeld I

Wer über einen bestimmten Zeitraum gearbeitet und dabei in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, der hat sich einen Anspruch auf die Versicherungsleistung ALG I sozusagen erwirtschaftet.

Die Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung sind unabhängig vom Vermögen des Empfängers. Eine Kürzung aufgrund bestehender Ersparnisse ist nicht möglich.

Empfänger von ALG I müssen jedoch berücksichtigen, dass Einkünfte aus Nebentätigkeiten auf das Arbeitslosengeld angerechnet werden. Die Nebentätigkeit darf außerdem den zeitlichen Rahmen von 15 Wochenstunden nicht überschreiten, ansonsten liegt keine Arbeitslosigkeit mehr vor, womit auch der  Anspruch auf ALG I entfällt.

Höhe der Leistungen

Die Höhe des ALG I ist keine fixe Summe, sondern richtet sich nach dem bisherigen Verdienst des Antragstellers. Wer keine Kinder hat, dem stehen 60 % seines letzten Nettogehalts zu. Wer Kinder hat, der bekommt 67 % aus der Arbeitslosenversicherung.

Zusätzlich zu diesen Zahlungen werden auch die Beiträge für Krankenkasse, Pflegeversicherung und Rentenversicherung übernommen. Sogar die Kosten für eine private Krankenversicherung werden unter bestimmten Voraussetzungen übernommen. Das ist der Fall bei ALG I-Empfängern, die schon fünf Jahre in der Versicherung Mitglied sind. Allerdings werden die Beiträge zur privaten Krankenversicherung maximal bis zur Höhe der Beiträge einer gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Für die Rentenversicherung gilt: Es finden zwar weiterhin Einzahlungen statt, doch entsprechend des verringerten Einkommens fallen auch die Beiträge hier niedriger aus, was sich wiederum später auf den Rentenanspruch auswirkt.

Wie lange besteht ein Anspruch?

Einen Anspruch auf ALG I hat ein Arbeitnehmer erst, wenn er innerhalb von zwei Jahren mindesten 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Und auch der Anspruchszeitraum ist abhängig von der Dauer der Einzahlung.

Für Arbeitslose über 50 Jahre greift eine Sonderregelung, sie haben Anspruch auf eine verlängerte Bezugsdauer:

Alter

Einzahlung (in Monaten)

Bezug (in Monaten)

bis 50 12
16
20
24
6
8
10
12
50 – 55 30 15
55 – 58 36 18
ab 58 48 24

Arbeitslosengeld II

ALG II  (im Volksmund besser bekannt als Hartz IV) ist eine staatlich finanzierte Grundsicherung für Arbeitssuchende. Es soll den Lebensunterhalt all derer sichern, die keine oder nur wenig Leistung aus der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung bekommen. So haben auch Arbeitnehmer einen Anspruch auf ALG II, wenn ihr Gehalt nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

2005 wurde das ALG II als eine Verbindung der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe eingeführt. Da es sich um eine staatliche Leistung handelt, wird vor der Zahlung zunächst geprüft, ob tatsächlich ein Anspruch besteht bzw. Hilfebedürftigkeit vorliegt. Hierfür wird das gesamte Einkommen und Vermögen der Bedarfsgemeinschaft ermittelt.

Zu einer Bedarfsgemeinschaft gehören Ehepartner, Kinder, Verwandte und alle, die in einer wirtschaftlichen oder eheähnlichen Gemeinschaft mit dem Antragsteller leben.

Während so auch das Kindergeld als Einkommen angerechnet wird, gibt es einige finanzielle Rücklagen, die bei der Ermittlung des Vermögens unangetastet bleiben müssen. Dazu zählen Formen der privaten Altersvorsorge wie Riester- oder Rürup-Rente.

Höhe der Leistungen

Für die Zahlungen des ALG II gibt es feste Regelsätze. Für Kinder werden – je nach Alter – unterschiedliche Beträge gezahlt. Die Höhe der Leistungen ist daher abhängig von der Bedarfsgemeinschaft.

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit einen Antrag auf Mehrbedarf zu stellen. Ist ein Antragsteller alleinerziehen oder muss ein behindertes Kind versorgt werden, wirkt sich das auf die Höhe der Leistungen aus, ebenso wie die Schwangerschaft einer Antragstellerin.

Zusätzlich werden auch die Kosten für Unterkunft oder Heizung übernommen – immer vorausgesetzt, dass sie sich in einem angemessenen Rahmen bewegen.

Wie lange besteht Anspruch?

Der Anspruch auf ALG II besteht, solange der Empfänger arbeitslos gemeldet ist und Hilfebedürftigkeit besteht. Allerdings gelten strenge Auflagen. Wer Meldefristen versäumt oder bei der Suche nach einer Anstellung nicht genügend Eigenbemühungen an den Tag legt, läuft Gefahr, dass seine Leistungen gekürzt werden.

Übersicht ALG I und ALG II

ALG I ALG II
Voraussetzungen für Anspruch auf  die Leistung
  • Arbeitslosigkeit- Meldung bei der Agentur für Arbeit
  • Mind. 12 Monate Einzahlung in die gesetzliche Renten-versicherung
  • Hilfebedürftigkeit, d. h. nach § 9 SGB II wenn dem Antragsteller / der Bedarfsgemeinschaft nicht genug  Geld zur Deckung des alltäglichen Bedarfs zur Verfügung steht
Bezugshöhe
  • 60 % des letzten Nettolohns- 67 % des letzten Nettolohns für Empfänger mit Kindern
  • Zahlung variiert in Abhängigkeit der Bedarfsgemeinschaft (Regelsatz alleinstehender Erwachsener: 404, – € – Stand 01.01.2016)
Bezugsdauer
  • Abhängig von Alter und Einzahlungszeitraum 6 bis maximal  24 Monate
  • Solange Hilfebedürftigkeit vorliegt
Kürzungen Nein Ja
Ansprechpartner Arbeitsagenturen Arbeitsagenturen
17 Kommentieren
Leserkommentare
16. April 2015 16:46 Uhr
peter

zu wenig

2. Juli 2015 11:52 Uhr
van freeden

warum kriegen die Ausländer mehr wie wir deutschen

4. August 2015 16:09 Uhr
Heiner

@ van freeden:

es wäre schön, wenn es so wäre, weil:

1. sie häufig besser deutsch sprechen a l s wir Deutschen
2. die Illusion unseres Wohlstandes auf den Schultern anderer Völker ausgetragen wird
3. es dann wenigstens Sinn machen würde, Ihre Frage zu stellen

12. Januar 2016 16:08 Uhr
Lady in Pink

@ Heiner:

Ganz Ihrer Meinung! Gut gekontert!

14. Januar 2016 13:10 Uhr
Nima

Ja find ich auch, musste auch lachen

26. Januar 2016 21:59 Uhr
Nils

Asylbewerber bekommen einen festsatz von 5 euro am Tag, das sind auf 31 tage hochgerechnet 155 euro,..bitte informiere dich zuerst bevor du dumme lügen verbreitest

23. Februar 2016 11:54 Uhr
Dessi

Auch falsch! Asylbewerber, die in einem Asylheim wohnen bekommen 155,- €. Syrische Kriegsflüchtlinge (auch diese,die ohne Ausweispapiere nach DE gekommen sind und daher ihre Identität nicht nachzuweisen ist) bekommen den vollen ALG II Satz + Unterkunft + (in NRW) AOK Krankenpflicht-u. Pflegeversicherung. Hinzu kommt ev. Mehrbedarf 30,-€ /Kind für Schulbedarf, o. wenn Kinder behindert sind, + ab 3000,-€/Person für 660/960 Unterrichtsstunden Deutschkurs, bzw. Integrationskurs…
Nicht zu vergessen, das Kindergeld kommt noch hinzu.

7. März 2016 12:13 Uhr
Lady in Black

@Nils

Allerdings sind diese 5€ am Tag definitiv nicht ausreichend zum normalen Leben, und die sprechen über integration?!

3. April 2016 00:44 Uhr
Realo

Arbeitslos 35 Arbeitsjahre,
kein Geld für neueste Handys, kein Taschengeld, kein Wohnungszuschuss, keine Integrationskosten, kein Sprachkurs, usw. keine Leistung……EhepartnerIn muss zahlen (gerecht?)!
Kindergeld für im Ausland lebende Kinder so hoch wie in Deutschland obwoh dort ein Euro viel mehr wert ist.
Wie wird wirklich armen, in Kriegsgebieten geholfen, die kein Geld für Flucht haben?
„Vernachlässige nicht dein eigenes Feld, um das eines anderen zu jäten.“

3. April 2016 00:47 Uhr
Realo

Und was Alles bekommen anerkannte Asylanten?

“ 26. Januar 2016 21:59 Uhr
Nils

Asylbewerber bekommen einen festsatz von 5 euro am Tag, das sind auf 31 tage hochgerechnet 155 euro,..bitte informiere dich zuerst bevor du dumme lügen verbreitest“

18. April 2016 00:16 Uhr
REALO

„bitte informiere dich zuerst bevor du dumme lügen verbreitest“

Grüß Gott Nils,

Was für dumme Lügen ?

18. April 2016 22:53 Uhr
REALO

„Asylbewerber bekommen einen festsatz von 5 euro am Tag, das sind auf 31 tage hochgerechnet 155 euro“………………(hab ich nicht)

Wie viel Geld ein Asylbewerber erhält, hängt zum einen davon ab, in welchem Lebensverhältnis er steht und wie alt er ist. Zum anderen sind die Sätze höher, wenn ein Asylbewerber sich selbst in einer Wohnung versorgt, da dann die Verpflegung in der Sammelunterkunft wegfällt. In der Erstaufnahmeeinrichtung erhält ein erwachsener alleinstehender Flüchtling lediglich 143 Euro zur Deckung persönlicher Bedürfnisse – das sogenannte Taschengeld. Zusammenlebende Partner erhalten je 129 Euro. Für ein Kind bis zu sechs Jahren gibt es im Monat 84 Euro, im Alter von 6 bis 13 Jahren sind es 92 Euro. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren bekommen 85 Euro. Leben Asylbewerber später außerhalb einer solchen Einrichtung und müssen Dinge wie Strom oder Kleidung selbst abdecken, dann erhalten Alleinstehende zusätzlich 216 Euro, Partner je 194 Euro, und ein Kind bis zu sechs Jahren 133 Euro. Für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren gibt es 157 Euro zusätzlich. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren erhalten 198 Euro monatlich obendrauf. Der Bedarf für eine Unterkunft, Heizung und Hausrat wird zusätzlich gedeckt. Ist ein Flüchtling länger als 15 Monate im Land, stehen ihm bei Bedürftigkeit Leistungen auf Sozialhilfe-Niveau zu. Damit erhält ein alleinstehender Asylbewerber dann etwa 392 Euro. Außerdem werden – wie bei Hartz-IV-Empfängern – Wohnkosten erstattet.

19. April 2016 10:26 Uhr
Basti Z.

Guter Artikel

7. Februar 2017 15:26 Uhr
Jezzi

Fehler in der TABELLE !!!
Man muss mindestens 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eigezahlt haben, im Text wird NICHT erwähnt, dass man 12 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben muss !! Bitte ändern, führt zur Irritierung.

28. Februar 2017 16:28 Uhr
Foxy

tja….. so ist das Leben.
Kapiere nicht ganz was ist richtig dann. Ich habe gearbeitet, dann studiert…. jetzt suche Job. Laut Gesetz ich habe Anspruch auf ALG1 (67% von Nettolohn mit Kind); aber es ist viel tiefer als ALG2…. Kann mir jemand sagen warum arbeitet man? Lieber ALG2 beantragen und gut leben….

27. April 2017 19:53 Uhr
DONA

@FOXY wenn du keine 12 monate gearbeitet hast bekommst du auch kein anspruch auf AlG1

16. Juni 2017 13:34 Uhr
DASH

Ich frage mich warum hier so viele über Flüchtlinge reden. Es hat sich davor keiner beschwert als die Bänker, Politiker usw. uns das Geld aus der Tasche gezogen haben. Aber jetzt wo der Sündenbock ärmer dran ist als wir selbst können wir plötzlich drauf einprügeln?

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