Finanzen

Wie funktioniert die verkürzte Privatinsolvenz?

Immer mehr Haushalte in Deutschland sind überschuldet. Der einzige Ausweg ist oft die Privatinsolvenz. Diese dauert in der Regel sechs Jahre. Aber es gibt unter bestimmten Umständen auch die Option, sie auf nur drei Jahre zu verkürzen. Wie funktioniert das? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Wie funktioniert die verkürzte Privatinsolvenz?

©ginasanders / 123rf

Wenn man seine Schulden nicht mehr bezahlen kann und wenn sich die Gläubiger nicht auf einen Vergleich einlassen, findet man in der Privatinsolvenz die letzte Rettung. Üblicherweise dauert der Prozess sechs Jahre. In dieser Zeit muss der Schuldner einen großen Teil seiner Einkünfte abgeben. Unter Umständen kann es auch zu Pfändungen durch den Gerichtsvollzieher kommen. Der Schuldner steht in dieser Phase in der Pflicht, seine Verbindlichkeiten so gut es ihm möglich ist zu tilgen. Am Ende steht dann die Restschuldbefreiung. Alle noch offenen Schulden werden dann erlassen.

Restschuldbefreiung nach drei Jahren möglich

Dass diese sechs Jahre keine angenehme Zeit sind versteht sich von selbst. Aber es ist ein Mittel, die eigene wirtschaftliche Existenz zu retten und einen Neuanfang wagen zu können. Es besteht außerdem seit Mitte 2014 die Option, die so genannte Wohlverhaltensphase um die Hälfte zu kürzen. Sie dauert dann nur drei Jahre.

Dafür muss man sich aber richtig ins Zeug legen. Wer die Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren erhalten möchte, muss dafür die gesamten Kosten des laufenden Insolvenzverfahrens begleichen und darüber hinaus mehr als ein Drittel (35%) der offenen Verbindlichkeiten. Für Arbeitslose und Geringverdiener ist diese verkürzte Privatinsolvenz also so gut wie nie eine Option. Und natürlich spielt auch die Gesamthöhe der Schulden eine Rolle.

Auch Treuhänder und Anwälte verdienen mit

Hinzu kommt ein Problem, dass alle Privatinsolvenzler haben: Sie müssen eben nicht nur ihre Gläubiger bedienen, sondern tragen auch die Verfahrenskosten. Darin enthalten sind die Gerichtskosten, das Honorar des Insolvenzberaters (in der Regel ein Anwalt) und die Gebühren, die der Treuhänder erhebt. Die Zahlungen zur Schuldentilgung werden nämlich nicht an die Gläubiger direkt getätigt, sondern laufen über einen Treuhänder, der die Gelder verwaltet. Und die Treuhänder erhalten einen mitunter erheblichen Anteil. Sie sind diejenigen, die oft das beste Geschäft machen, denn im Gegensatz zu Schuldner und Gläubigern haben sie nicht das Risiko, am Ende Geld zu verlieren.

Der Vorteil bei der verkürzten Insolvenz liegt aber auch deshalb auf der Hand: Es müssen die Anwalts- und Treuhänder nur für drei, und nicht für sechs Jahre Arbeit bezahlt werden. Für Schuldner kann dies eine zusätzliche Motivation sein, sich in der Wohlverhaltensphase anzustrengen. Denn je mehr Geld man verdient, desto eher ist es möglich, dass auch wieder das volle Gehalt auf dem eigenen Konto landet. Und nicht mehr auf dem des Treuhänders.

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