Finanzen

Verkürzte Privatinsolvenz: Acht Prozent schaffen es

Fast vier Jahre ist es inzwischen her, dass das Insolvenzrecht reformiert wurde. Betroffene haben seither unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, schon nach drei statt wie bislang sechs Jahren die Insolvenz abzuschließen. Wie aktuelle Zahlen zeigen, gelingt das aber nur wenigen.

Verkürzte Privatinsolvenz: Acht Prozent schaffen es

©jinga80 / iStock

Eine Privatinsolvenz dauert in der Regel sechs Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit steht, wenn der Betroffene alle Bedingungen erfüllt, die Restschuldbefreiung an. Im Jahr 2014 zog eine umfangreiche Reform eine neue Ebene ein: Wem es gelingt, 35 Prozent seiner Schulden zuzüglich der Verfahrenskosten zu bedienen, kann schon nach nur drei Jahren auf die Restschuldbefreiung hoffen. Im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien ist das noch immer ein recht langer Zeitraum. Bei den Briten ist die Restschuldbefreiung schon nach knapp einem Jahr möglich.

Verkürzte Privatinsolvenz gelingt 8,3 Prozent der Schuldner

Die Wirtschaftsauskunftei CrifBürgel hat nun untersucht, welchen Erfolg die Reform hat. Von fast 50.000 Personen, die in der zweiten Jahreshälfte 2014, also nach Inkrafttreten der Reform, in die Privatinsolvenz gingen, gelang etwas mehr als 4000 Personen, die Restschuldbefreiung nach drei Jahren zu erreichen. Das sind 8,3 Prozent. Auf den ersten Blick klingt das nach wenig. Tatsächlich aber kann die Reform als Erfolg gewertet werden. Denn sie motiviert offenbar viele Betroffene, schneller aus der Schuldenfalle herauszukommen. Auch für die Gläubiger scheint die Regelung annehmbar zu sein – denn viele gehen in Insolvenzverfahren ihrer Schuldner leer aus. Durch die 35-Prozent-Regel wird das nun in fast einem Zehntel der Fälle abgemildert.

Laut CrifBürgel sind es vor allem junge Menschen, denen die Verkürzung gelingt. Das mag daran liegen, dass die Schulden bei jungen Menschen vergleichsweise niedrig sind und diese auch eher Chancen haben, die Gläubiger mit eigenem Einkommen zu bedienen. „Über alle Altersgruppen hinweg liegt die Durchschnittsschuldenhöhe der Betroffenen bei rund 33.500 Euro. Bei unter 30-Jährigen ist der Wert jedoch weitaus geringer. Hier liegt die durchschnittliche Schuldensumme bei knapp unter 15.000 Euro. Mit steigendem Alter steigen auch die Schulden auf bis zu einem Durchschnitt von 43.000 Euro bei den Bundesbürgern in der Altersgruppe 61 Jahre und älter“, heißt es bei CrifBürgel.

Zahl der Privatinsolvenzen sinkt weiter

Die Hauptursachen für Überschuldung sind demnach „Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeit, Einkommensarmut, gescheiterte Selbstständigkeit, ein zum Einkommen unpassendes Konsumverhalten, Veränderungen in der familiären Situation wie Scheidung beziehungsweise Trennung und Krankheit.“

Insgesamt befinden sich derzeit rund 650.000 Menschen in Deutschland in einer Privatinsolvenz. Das klingt nach viel. Tatsächlich aber geht die Zahl der Privatinsolvenzen in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Während im Jahr 2010 noch rund 140.000 Privatinsolvenzen angemeldet wurden, sind es inzwischen deutlich unter 100.000. Für das laufende Jahr rechnen die Experten von CrifBürgel mit nur noch 88.000 neuen Privatinsolvenzen.

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