Versicherungen

Berufsunfähigkeitsversicherung, jeder Fünfte wird es brauchen

Der Leistungsdruck, die Unstetigkeit und die enormen Anforderungen an Flexibilität, Leistungsbereitschaft und ständige Erreichbarkeit machen den Deutschen schwer zu schaffen und fordern ihren Tribut. Experten vermuten, dass Stress und Überlastung am Arbeitsplatz der Hauptgrund für chronische Krankheiten der Psyche und des Körpers sind.

Ob körperliche oder psychische Erkrankungen, Berufsunfähigkeit kann viele Ursachen haben. © Fuse/thinkstock

Nicht selten folgt dieser Belastung eine Berufsunfähigkeit, bei der Betroffene körperlich oder seelisch nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben. Auf finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite darf man in einem solchen Fall jedoch nicht hoffen.  Denn die staatliche Berufsunfähigkeitsversicherung, die Betroffenen monatlich zwischen 60 und 70 % ihres letzten Einkommens gezahlt hat, wurde 2009 eingestellt. Seitdem gilt die sogenannte Erwerbsminderungsrente, die mit 15 – 30 % des letzten Bruttogehalts Betroffenen deutlich weniger zahlt.

Zudem hat die Begriffsänderung von Berufsunfähigkeit zu Erwerbsunfähigkeit eine zusätzliche, weitreichende Folge in Bezug auf die Voraussetzung der gesetzlichen Leistungserbringung: Staatliche Unterstützung steht nun nur noch denjenigen zu, die keiner Beschäftigung mehr nachgehen können.

Der Unterschied zwischen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit

Während Berufsunfähigkeit vorliegt, wenn eine Person infolge einer Krankheit, Körperverletzung oder sonstigen Kräfteverfalls (wie psychischen Erkrankungen) über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten nicht mehr in der Lage ist, seinem Beruf nachzugehen, sieht das bei Erwerbsunfähig ganz anders aus. Denn eine Erwerbsunfähigkeit liegt erst dann vor, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, irgendeine berufliche Beschäftigung auszuüben – völlig unabhängig vom erlernten Beruf.

Teilweise und vollständige Erwerbsunfähigkeit

Zudem wird zwischen teilweiser und vollständiger Erwerbsunfähigkeit unterschieden. Wer vollständig erwerbsunfähig ist, kann aufgrund seiner körperlichen oder seelischen Erkrankung nicht länger als drei Stunden täglich einer Beschäftigung nachgehen; als finanzielle Unterstützung werden von staatlicher Seite in einem solchen Fall 30 % des letzten Bruttogehalts gezahlt. Wer hingegen in der Lage ist, drei bis sechs Stunden pro Tag zu arbeiten, wird als nur teilweise erwerbsunfähig eingestuft und hat lediglich Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung von 15 % seines letzten Bruttogehalts.

Staatliche Unterstützung nur bei Erwerbslosigkeit

Diese Begriffsänderung hat weitreichende Folgen. Denn als Folge auf ihre Berufsunfähigkeit müssen Betroffene nun eine Umschulung machen oder eine Tätigkeit annehmen, die weit unterhalb ihrer ursprünglichen Qualifikation liegt. Und erst wenn auch das nicht mehr möglich ist, besteht Anspruch auf unterstützende staatliche Leistungen in Form der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.

Lebensstandard, ade?

Abgesehen davon, dass sich viele einen solchen Beschäftigungswechsel nicht vorstellen können – nicht zuletzt auch, weil er meist einhergeht mit einem Herabsenken des bisherigen Lebensstandards und daher nicht selten auch einen sozialen Abstieg zur Folge hat – bieten die Leistungen der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente im Grunde keine Möglichkeit den bisherigen Lebensstandard zumindest annähernd aufrechtzuerhalten. So führt eine Berufsunfähigkeit meist unweigerlich zu massiven finanziellen Problemen.

Was folgt auf Berufsunfähigkeit?

Ob nun Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, leider hat beides allzu oft den sozialen Abstieg zur Folge. Dieser Konsequenzen sind sich nur wenige im Vorfeld bewusst. Das Risiko, das eine Berufsunfähigkeit mit sich bringt, wird allgemein erheblich unterschätzt. Doch der dauerhafte Wegfall eines regelmäßigen Einkommens kann ohne finanzielle Hilfe von außen kaum kompensiert werden. Laufende Kosten wie Miete, Auto und der allgemeine Lebensunterhalt können dann nicht mehr beglichen werden.

Vor allem, wer eine Familie zu versorgen hat, muss sich daher um eine private Absicherung kümmern. Neben der finanziellen Sicherheit, die eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bietet, bringen viele Angebote einen weiteren großen Vorteil mit sich: Betroffene werden nicht verpflichtet einen anderen Beruf anzunehmen, wenn sie ihre erlernte Tätigkeit nicht mehr ausführen können.

Wichtig ist für die private Berufsunfähigkeitsversicherung, dass der Abschluss der Versicherung rechtzeitig vorgenommen wird. Wer sich erst bei den ersten Anzeichen chronischer Krankheiten um eine Versicherung bemüht, hat in der Regel keine Chance mehr, in einer private Berufsunfähigkeitsversicherung aufgenommen zu werden.

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Autor
Susanne Herrenbrück
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