Rechte während der Ausbildung
Bundesweit haben am 1. September wieder viele junge Menschen ihre Berufsausbildung begonnen. Besonders in der ersten Zeit, die geprägt ist von einer Vielzahl neuer Eindrücke und dem Kennenlernen von Arbeitsplatz, Kollegen und Berufsschule, gehen Regelungen zum Arbeitsrecht von Auszubildenden schnell mal unter.
von Charlotte Ruzanski
© Goodluz/thinkstock

Aber natürlich ist es bereits für Auszubildende elementar, dass sie über nicht nur über ihre Pflichten, sondern auch über ihre Rechte ausreichend aufgeklärt wurden.

Auszubildende in der Probezeit – kein Freiwild

In der ersten Zeit nach dem Beginn der Ausbildung ist die erste große Hürde, die sich den Berufseinsteigern stellt, die Probezeit. Diese Zeit dient dem richtigen Kennenlernen von Lehrling und Ausbildern. Anders als im späteren Berufsleben beträgt die Probezeit in der Ausbildung einen bis maximal vier Monate. Immer wieder versuchen Betriebe auch die Probezeit über diese vier Monate hinaus zu verlängern. Solche Versuche bestraft der Gesetzgeber strikt und Auszubildende sollten wissen, dass Vereinbarungen einer längeren Probezeit dazu führt, dass die Probezeit von vornherein gänzlich entfällt.

Was bedeutet Probezeit?

In der Phase der Probezeit haben Arbeitgeber das Recht das Ausbildungsverhältnis vorzeitig und mit sofortiger Gültigkeit zu beenden. Eine solche Kündigung muss schriftlich erfolgen, die Benennung von Gründen erfordert sie jedoch nicht.

Nach Ablauf der Probezeit ist der Azubi berechtigt mit einer Frist von vier Wochen ohne Angabe wichtiger Gründe zu kündigen. Auszubildende, die noch nicht volljährig sind, dürfen jedoch nur mit Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter (in der Regel die Eltern) den Ausbildungsvertrag beenden.

Ein besonderes Kündigungsrecht gilt für Schwangere und Schwerbehinderte Auszubildende sowie für Mitglieder der Auszubildendenvertretung. Diese haben bereits während der Probezeit einen Kündigungsschutz. Eine Schwangerschaft muss dem Betrieb jedoch spätestens zwei Wochen nach der Kündigung mitgeteilt werden, andernfalls wird die Kündigung dennoch wirksam.

Kein grundsätzlicher Kündigungsschutz

Hat man die Probezeit hinter sich gebracht, ist das jedoch mitnichten ein Freifahrtschein, um sich gehen zu lassen. Lehrlingen, die regelmäßig zu spät kommen oder ihre Ausgaben in einer anderen Weise vernachlässigen, droht auch weiterhin eine fristlose Kündigung. Denn die Pflichten der Auszubildenden gelten selbstredend gleichermaßen wie ihre Rechte.

Arbeitszeiten

Arbeitszeitgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz regeln eindeutig, wie lange während der Ausbildung gearbeitet werden muss bzw. darf.

Jugendarbeitsschutzgesetz (Azubis unter 18 Jahren)  Arbeitszeitgesetz (Azubis ab 18 Jahren) 
  • max. 8 Std.
  • Ausnahme: 8,5 Std.
  • Arbeit zwischen 20 – 6 Uhr nur in Ausnahmefällen zulässig
täglich
  • max. 8 Std.
  • Ausnhame: 10 Std. (Voraussetzung: Über einen Zeitraum von 6 Monaten wurde durchschnittlich nicht mehr als 8 Std./Tag gearbeitet)
  • max. 40 Std. (d. h. es gilt eine 5-Tage-Woche)
wöchentlich
  • max. 48 Std. (d. h. eine 6-Tage-Woche ist möglich)
  • spätestens nach 4,5 Std.
Pausen
  • müssen festgelegt sein
  • spätestens nach 6 Arbeitsstunden
  • mind. 30 Min.
  • ab 6 Std. Arbeitszeit mind. 60 Min./Tag
Pausendauer
  • mind. 30 Min./Tag
  • mind. 15 Min. pro Pause
  • ab 9 Std. Arbeitszeit mind. 45 Min./Tag
  • Arbeitzeit muss um 23 Uhr beendet sein
Schichtarbeit
  • zwischen den Schichten mind. 11 Std. Pause
  • nur in Ausnahmefällen möglich. In solchen Fällen muss es in derselben Woche einen Ausgleichstag geben
Arbeit an Wochenenden/Feiertagen
  • Anspruch auf einen freien Ersatztag
  • nur in absoluten Ausnahmefällen (darf keinesfalls die Regel sein)
  • müssen durch Freizeit oder entsprechend mehr Vergütung ausgeglichen werden
Überstunden
  • nur in absoluten Ausnahmefällen (darf keinesfalls die Regel sein)
  • müssen durch Freizeit oder entsprechende Vergütung ausgeglichen werden

Schul- und Prüfungszeit

Für den Unterricht und die Prüfungen müssen die Betriebe ihren Lehrlingen frei geben – das gilt unabhängig vom Alter.

Auch die Führung des Berichtshefts gilt als Arbeitszeit und der Ausbilder muss hierfür genügend Freiraum schaffen.

Die Erholung darf nicht zu kurz kommen

Die Regelung von Urlaubszeiten ist bei der Ausbildung vom Alter des Azubis abhängig:

Alter zu Beginn des Kalenderjahres Anzahl der Urlaubstage 
unter 16 Jahren
  • mind. 30 Werktage
unter 17 Jahren
  • mind. 27 Werktage
unter 18 Jahren
  • mind. 25 Werktage
ab 18 Jahren
  • mind. 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche
  • mind. 20 Werktage bei einer 5-Tage-Woche

Wird die Ausbildung im Abschlussjahr erst nach dem 30. Juni abgeschlossen, besteht der volle Urlaubsanspruch. Nur bei Lehrlingen, die vor diesem Datum fertig werden, wird der Urlaubsanspruch entsprechend der Zeit berechnet, die sie noch im Betrieb gearbeitet haben.

Angemessene Bezahlung

Mit dem Gehalt während der Ausbildung lassen sich keine großen Sprünge machen. Tatsächlich sind viele Auszubildende meist recht knapp bei Kasse. Auch vom Mindestlohn ab 2015 profitieren Auszubildende nicht. Doch zumindest gibt es eine Regelung, nach der die Vergütung während der Ausbildungszeit in jedem Jahr ansteigen muss (§ 17 Berufsbildungsgesetz).

In manchen Branchen ist die Bezahlung so gering, dass die Geringverdienergrenze (325, – €) unterschritten wird. In einem solchen Fall muss der Arbeitgeber alle Beiträge zur Sozialversicherung übernehmen. Mögliche Zusatzbeiträge für die Krankenkasse entfallen für gering verdienende Auszubildende.

Vorsicht ist jedoch geboten, wenn das Gehalt mal die Grenze von 325, – € übersteigt. Denn dann muss der Auszubildende diese Beiträge selbst leisten. Handelt es sich einmalig um eine höhere Zahlung, gilt: Die Hälfte des Betrags oberhalb der 325, – € fließt in Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung. Bei der Krankenversicherung müssen Auszubildende derzeit knapp ein Prozent mehr als der Arbeitgeber übernehmen. Andere Regelungen gelten, wenn die Geringverdienergrenze dauerhaft überschritten wird. In einem solchen Fall tragen Lehrling und Ausbildungsbetrieb jeweils die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge.

Ende der Lehrlingszeit

Der Abschluss der Ausbildung ist im Vertrag festgehalten und natürlich gehört auch das Bestehen der Abschlussprüfung dazu. Wer durch die Prüfung fällt, hat Anspruch auf eine Wiederholung. Der Ausbildungsbetrieb ist in einem solchen Fall dazu verpflichtet, seinen Lehrling für maximal ein Jahr weiter zu beschäftigen.

Zu einer Übernahme nach einem erfolgreichen Abschluss ist kein Betrieb verpflichtet. Auszubildende sollten jedoch wissen, dass eine Weiterbeschäftigung nach dem Abschluss der Ausbildung in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mündet. Das gilt auch, wenn kein Vertrag vorliegt, denn gesetzlich ist ein schriftlicher Vertrag nicht vorgeschrieben.

 

von Charlotte Ruzanski
Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.
Genießen Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Mit der BBX erfahren Sie jede Woche das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – kritisch und tiefgründig.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.
facebook facebook twitter twitter linkedin linkedin xing xing mail mail print print search search arrow arrow calc calc light light arrow-up-right arrow-up-right pro pro con con