Gas

Gas – Deutschlands zweitwichtigster Energieträger

Auf dem deutschen Gasmarkt kommt weniger als ein Fünftel des verbrauchten Erdgases tatsächlich aus Deutschland. Nur 11 % wird aus heimischen Vorkommen gedeckt, die vor allem in Niedersachsen gefördert werden.

Gas wird durch Pipelines zu den ueberregionalen Verteilern transportiert. © Tomasz Wyszolmirski/thinkstock

Nach Erdöl ist Erdgas der zweitwichtigste Energieträger in Deutschland. Gefördert wird das Gas jedoch nur zu einem kleinen Teil in Deutschland, der wesentliche Anteil wird importiert. Die Hauptlieferanten sind Russland (32 %), Norwegen (29 %), die Niederlande (22 %) sowie Dänemark und Großbritannien (6 %).

Das Gas wird von den Förderstellen durch Pipelines zu überregionalen Verteilern gebracht (z. B. E.ON, RWE, Shell), die das Gas auf acht Verteiler auf Landesebene weiterleiten. Von hier aus werden wiederum mehr als 700 lokale Unternehmen beliefert.

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Einen relativ neuen Weg der Gaslieferung ermöglicht das flüssige Erdgas: Durch die Möglichkeit es mit Tankschiffen  zu transportieren, ist man unabhängig von den Pipelines. Momentan ist diese Förderung jedoch noch sehr teuer und rechnet sich erst ab einer Entfernung von mehr als 3.000 km.

Zusammensetzung des Gaspreises

Der Gaspreis setzt sich aus Erzeugerkosten, Steuern und Abgaben zusammen. Besonders der Faktor „Erzeugerkosten“ macht die Preispolitik von Gas recht intransparent: Auf dem Weg zum Endverbraucher nutzen die Händler Richtlinien und Berechnungen, die den Preis steigen lassen. Mehrwertsteuer und Gas-Steuer hingegen sind bundeseinheitlich gesetzlich geregelt. Die Abgaben wiederum unterliegen starken regionalen Schwankungen. Das liegt daran, dass die Abgaben u. a. Kosten der Konzessionsabgabe sind, die von den einzelnen Kommunen erhoben wird. Zusätzlich spielen auch Alter, Struktur und die allgemeine Beschaffenheit des Gasnetzes eine wichtige Rolle.

Statistik: Zusammensetzung des Gaspreises* für Haushaltskunden in Deutschland im Jahr 2014 | Statista
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Steigende Gaspreise werden meist mit einem steigenden Rohölpreis begründet. Allerdings gibt es keine gesetzliche Regelung, die eine Koppelung des Gaspreises an den Rohölpreis vorsieht, es handelt sich hier vielmehr um eine interne Vereinbarung. Anders als der Ölpreis ist der Gaspreis jedoch nicht von politischen Faktoren abhängig.

Wie auch beim Strom hat die Bundesnetzagentur beim Gaspreis die Kontrolle über die Nutzungsentgelte. Auf diese Weise soll eine allzu willkürliche Preispolitik der Netzbetreiber verhindert werden.

Die Bundesnetzagentur ist die oberste deutsche Regulierungsbehörde mit Sitz in Bonn. Sie ist zuständig für den Wettbewerb auf den fünf Netzmärkten Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnverkehr.

Regionale Unterschiede beim Gaspreis

Der durchschnittliche Gasverbrauch eines Vierpersonenhaushaltes liegt bei etwa 20.000 kWh. Jährlich fallen dafür im Bundesschnitt 1.293, – € an. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede beim Preis für Gas. Während im Saarland, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen die Preise deutlich über dem Schnitt liegen, fallen vor allem in den Stadtstaaten geringerer Kosten an, wie Verivox berichtet. Verantwortlich für diese Differenzen sind vor allem die Netzentgelte, die von den Netzbetreibern für Nutzung und Instandhaltung der Gasleitungen sowie der dazugehörigen Gaszählern erhoben wird. Dass diese so weit voneinander abweichen, liegt im Wesentlichen an der Bevölkerungsdichte. In bevölkerungsarmen Regionen lassen sich die Kosten nicht auf so viele Haushalte verteilen, wie in den Stadtstaaten, die eine verhältnismäßig hohe Bevölkerungsdichte aufweisen und damit einen günstigeren Gaspreis bieten können.

Öffnung des Gasmarktes

Zwar ist in einigen Regionen Deutschlands die Auswahlmöglichkeit an Gasanbietern noch eingeschränkt, doch es kommt zunehmend zu einer Öffnung des Gasmarktes und einer Auflösung der Quasimonopole. In einigen Gegenden haben Verbraucher mittlerweile bereits die Auswahl zwischen bis zu 20 Gasanbietern, damit ist auch eine Belebung des Gaswettbewerbs zu erwarten. Diese Bewegung im Gasmarkt ermöglicht es dem Verbraucher endlich, durch einen Anbieterwechsel steigenden Gaspreisen entgegenzutreten. Allerdings ist der Preisvergleich aufgrund der fehlenden Transparenz in der Preispolitik der Gasanbieter noch immer nicht ganz einfach.

Ökogas – die energiefreundliche Alternative

Auch wenn Ökogas derzeit noch eine Art Nischenprodukt darstellt, steigt beim Gas für den Privathaushalt das Angebot an Alternativen zum herkömmlichen Erdgas. Auf welche Weise das Gas bei solchen Angeboten der Bezeichnung Ökogas gerecht zu werden versucht, ist unterschiedlich.

Zum einen gibt kann Gas als Ökogas deklariert werden, obwohl es sich um normales, importiertes Erdgas handelt. Anders als bei den normalen Angeboten garantiert der Versorger allerdings eine Investition in ein Umweltprojekt, durch das das bei der Verbrennung ausgestoßene Kohlendioxid ausgeglichen werden kann. Üblich sind hier Investitionen in die Wiederaufforstung von Wäldern.

Zum anderen bieten manche Versorger Biogas an. Dieses entsteht bei der Vergärung organischer Stoffe, es handelt sich dabei also um Methan, das chemisch der gleiche Stoff wie Erdgas ist. Das in Deutschland angebotene Biogas besteht in der Regel zu zwei Dritteln aus Abgas und Gülle, das fehlende Drittel wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Hier liegt auch der Ansatzpunkt vieler Kritiker, denn als nachwachsender Rohstoff für das Gas wird am häufigsten Mais verwendet, wodurch sich eine starke Monokultur gebildet hat.

Als weitere Möglichkeit können sich Verbraucher für Ökobiogas entscheiden. Bei diesem werden ausschließlich Rohstoffe aus dem Ökolandbau verwendet.

Deutliche Unterschiede beim Ökogas

Gruenes Gas Label

Das Grünes Gas-Label steht für umweltverträgliches Biogas.

Ökogas ist also nicht gleich Ökogas. Als Orientierungshilfe beim Wechsel zu alternativem Gas kann das „Grüne Label“ dienen. Vergeben von sieben gemeinnützigen Umwelt- und Verbraucherverbänden, zieht es strenge Kriterien zu Rate was die Herkunft der Rohstoffe und die Vermeidung von Monokulturen betrifft. Darüber hinaus wird Wert gelegt auf eine geringe Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, kurze Transportwege und den Ausschluss von Gentechnik.

Was den Preis anbelangt ist Ökogas nicht zwingend teurer als normales Gas. In manchen Fällen gibt es sogar günstigere Angebote, da die Anbieter versuchen, neue Kunden über den Umweltschutz zu gewinnen.

Ebenfalls ausschlaggebend ist auch die Menge der Biogas-Beimischung. Oft gibt es die Möglichkeit zwischen Abstufungen von 5, 10, 20 oder 30 Prozent Biogas-Beimischung zum normalen Gas zu wählen. Auch reines Biogas wird von manchen Anbietern geliefert, in einem solchen Fall liegen die Kosten dann jedoch in der Regel über dem Tarif für herkömmliches Erdgas.

Autor
Charlotte Bodinek
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