Das Bewerbungsgespräch als Telefoninterview
Ob als erste Runde im Bewerbungsmarathon, in der dem Bewerber zunächst einmal auf den Zahn gefühlt werden soll oder richtiges Bewerbungsgespräch: Unternehmen setzen während des Recruiting-Verfahrens zunehmend auf das Telefoninterview.
von Charlotte Ruzanski
© Hongqi Zhang/thinkstock

Tipps und Tricks für persönliche Bewerbungsgespräche gibt es zuhauf, wird ein Bewerber jedoch zu einem telefonischen Gespräch gebeten, macht sich oft Verunsicherung breit und es stellt sich die Frage, was dieses Angebot bedeutet.

Der erste Schritt in die richtige Richtung

Wer die Möglichkeit zu einem telefonischen Jobinterview bekommt, kann prinzipiell erst mal aufatmen, denn es signalisiert auf jeden Fall eines: Die erste Hürde ist genommen und man hat das Interesse seines potentiellen neuen Arbeitgebers geweckt.

Vorteile  Nachteile 
Keine Ablenkung durch optische Reize Fokus liegt ganz auf dem Gesagten und der Stimme
Weniger formelle Stimmung Wer viel mit Körpersprache und Gestik arbeitet, verliert u. U. am Telefon an Wirkung
Wer im persönlichen Gespräch schnell nervös wird, kann leichter entspannen Gefahr einer zu entspannten Haltung / Einstellung durch größere Distanz

Natürlich kann es auch sein, dass die Bitte um ein zunächst telefonisches Gespräch damit begründet ist, dass die schriftliche Bewerbung zwar bereits Interesse geweckt hat, aber noch nicht endgültig überzeugt; es kann immer vorkommen, dass die Bewerbung Fragen offengelassen hat, die zunächst noch geklärt werden sollen.

Telefoninterview nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ein Telefoninterview sollten Sie genauso ernst nehmen, wie ein persönliches Bewerbungsgespräch.

Ein Telefoninterview sollten Sie genauso ernst nehmen, wie ein persönliches Bewerbungsgespräch.

Bewerber sollten sich bewusst sein, dass auch für ein telefonisches Gespräch die Vorbereitung essentiell ist. Man sollte sich daher genauso vorbereiten, wie für ein persönliches Gespräch auch.

Zusätzlich sollten Mitbewohner über den bevorstehenden Anruf informiert werden und man sollte sicherstellen, dass die Verbindung während des Gesprächs hält. Das heißt: Der Akku sollte ausreichend geladen sein und man sollte sich in einem Bereich aufhalten, in dem man konstant guten Empfang hat. Idealerweise nutzt man für das Telefoninterview nicht das Smartphone, sondern besser ein Festnetztelefon, um das Risiko des fehlenden oder schlechten Netzes zu umgehen.

Es empfiehlt sich außerdem, in ein gutes Headset zu investieren. Damit ersparen Sie sich bei langen Gesprächen nicht nur eine Haltung, die auf Dauer extrem unbequem ist, sondern Sie haben auch beide Hände frei. Das ist nicht nur von Vorteil, wenn Sie sich etwas notieren wollen, oder in Unterlagen blättern müssen. Es hilft Ihnen auch, eine natürlichere Gesprächshaltung einzunehmen und zu gestikulieren. Selbst wenn Ihr Telefonpartner Sie nicht sehen kann, lässt Gestik ein Gespräch tatsächlich natürlicher wirken.

Expertentipp für das Telefoninterview

Auch beim Telefoninterview so kleiden, wie bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch, denn Kleidung beeinflusst die Körperhaltung und damit ganz allgemein die Haltung und Stimme.

Wichtig für Frauen: Keine großen Ohrringe tragen. Diese können unter Umständen störende Geräusche am Telefon verursachen.

Langes Reden und Nervosität führen oft zu einem trockenen Hals, daher unbedingt ein Glas stilles (!) Wasser bereitstellen.

Versuchen Sie auch während eines Telefoninterviews das Setting wie bei einem normalen Vorstellungsgespräch zu halten.

Versuchen Sie auch während eines Telefoninterviews das Setting wie bei einem normalen Vorstellungsgespräch zu halten.

Manche Personaler nutzen auch gerne Überraschungsanrufe, um einen Eindruck vom Bewerber zu bekommen. Das ist dann in Ordnung, wenn man bereits informiert wurde, dass ein Telefoninterview ansteht. Ansonsten muss man spontane Interviews nicht akzeptieren. Wer dennoch überrascht wird, sagt am besten, dass er gerade keine Zeit hat, bittet aber gleichzeitig um einen neuen Termin innerhalb der nächsten Zeit. Zudem sollte man sich erkundigen, wie lange das Gespräch voraussichtlich dauern wird, um sich den passenden Zeitrahmen freizuhalten.

Angaben zur Dauer des Gesprächs sagen außerdem bereits einiges darüber aus, was einen erwartet. Ein kurzes Interview (ca. 20 Minuten) soll meist nur Basisinformationen liefern und dient ggf. schlichtweg zur Klärung offener Fragen, die durch die Bewerbung aufgekommen sind.

Ein längeres Gespräch hingegen hat den gleichen Anspruch wie ein persönliches Vorstellungsgespräch. Bewerber sollten sich hier auf tiefergehende Fragen zur Persönlichkeit, zu Lebenslauf, Plänen, Zielen, etc. einstellen und entsprechend vorbereiten.

Souverän durch das Gespräch

Mit der richtigen Vorbereitung meistern Sie ein Telefoninterview am besten.

Mit der richtigen Vorbereitung meistern Sie ein Telefoninterview am besten.

Während des Gesprächs sollte Hintergrundlärm unbedingt vermieden werden. Zum einen hilft das natürlich, um selbst nicht abgelenkt zu werden, noch wichtiger ist aber, dass ein unruhiger Hintergrund dem Gesprächspartner vermitteln kann, dass das Gespräch nicht absolute Priorität hat.

Durch den fehlenden visuellen Kontakt beim Telefoninterview, steht die Stimme ganz im Fokus der Aufmerksamkeit. Daher sollte man ganz bewusst auf eine ruhige Atmung und ein normales Sprechtempo achten. Auch Lückenfüller wie „ähm“ fallen im telefonischen Gespräch deutlicher auf als im persönlichen Dialog und sollten möglichst vermieden werden.

Wer am Ende des Telefoninterviews noch mal mit einem guten Eindruck aufwarten will, verabschiedet den Gesprächspartner persönlich mit Namen. Und ganz egal, wie es gelaufen ist, natürlich sollte man nicht vergessen, sich für das nette Gespräch zu bedanken.

Das Bewerbungsgespräch per Video meistern

Neben der Möglichkeit eines Telefoninterviews gibt es zu Zeiten von Skype und Co. immer öfter auch Vorstellungsgespräche per Video. Zusätzlich zu den Vorbereitungen, die man vor einem Telefoninterview treffen muss, gilt es hier zu bedenken, dass zwar weiterhin eine räumliche Distanz zwischen Personaler und Bewerber besteht, sie sich aber in diesem Setting sehen. Das heißt: Ihr Auftreten, Ihre Gestik und Mimik spielen hier eine wichtige Rolle.

Achten Sie beim Telefoninterview auf die passende Umgebung.

Achten Sie beim Telefoninterview auf die passende Umgebung.

Während beim Telefoninterview nur empfohlen wird, sich wie bei einem normalen Vorstellungsgespräch zu kleiden und auf ein gepflegtes Äußeres zu achten, ist das bei einem Vorstellungsgespräch per Video unumgänglich.

Außerdem sollten Sie auf die Umgebung achten, die im Blickwinkel der Kamera ist. Sorgen Sie für einen schlichten, aufgeräumten Raum. Allzu persönliche Gegenstände und Fotos sollten Sie für die Dauer des Gesprächs außer Sichtweite räumen.

Rücken Sie sich ins rechte Licht …

Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie auch der Beleuchtung schenken. Schlechtes Licht lässt sie schnell blass und ungesund wirken. Vor allem Deckenstrahler lassen Sie in keinem guten Licht erscheinen, da Sie dadurch Schatten unter den Augen bekommen.

Versuchen Sie daher am besten Lampen so zu positionieren, dass Sie von Vorne und leicht von unten angeleuchtet werden. Probieren Sie diese Beleuchtung auch in Kombination mit der Kamera aus, die Sie nutzen wollen und Fragen Sie Familie und Freunde nach deren Eindruck.

von Charlotte Ruzanski
Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.
Genießen Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Mit der BBX erfahren Sie jede Woche das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – kritisch und tiefgründig.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.
facebook facebook twitter twitter linkedin linkedin xing xing mail mail print print search search arrow arrow calc calc light light arrow-up-right arrow-up-right pro pro con con