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Steuern und Abgaben in Deutschland zu hoch?
Alljährlich gibt es diese Aufmacher in den bunten Boulevardblättern, die vermitteln: Bis jetzt haben Sie nur für den Staat gearbeitet. Erst ab jetzt arbeiten Sie für sich und Ihre Familie. Gemeint sind die Steuern und Abgaben, die einen beträchtlichen Teil des Einkommens ausmachen. Und immer heißt es, sie seien in Deutschland zu hoch. Aber stimmt das?
von Gerrit Wustmann
Steuern und Abgaben in Deutschland zu hoch?. Arbeiten wir wirklich die Haelfte des Jahres fuer den Staat?
© Digital Vision/thinkstock

Laut OECD ist Deutschland im internationalen Vergleich einer der Spitzenreiter in Bezug auf Steuern und Abgaben. Dabei werden einige zentrale Posten im Jahr 2015 sinken. Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung fällt ab Januar um 0,2 Prozentpunkte von derzeit 18,9 % des Bruttoeinkommens auf 18,7 %; der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung fällt um ganze 0,9 Prozentpunkte von noch 15,5 auf 14,6 %. Allerdings wird der Arbeitgeberbeitrag eingefroren und die Krankenkassen dürfen von den Versicherten Zusatzbeiträge erheben. Diese sind zwar steuerlich absetzbar, insgesamt kann man aber davon ausgehen, dass hier die Belastung eher steigen als sinken wird.

Ungerechte Abgabenverteilung?

Zusammen machen diese beiden Posten bereits 33,3 % des Bruttolohnes aus, aufgeteilt in Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag. Selbständige zahlen die kompletten Sätze selbst, freie Künstler profitieren via Künstlersozialkasse von Beiträgen, die denen der Arbeitnehmer gleichkommen. Hinzu kommen kleinere Posten wie die Pflegeversicherung, der Soli und die (optionale) Kirchensteuer. Dazu kommen Lohn- und Einkommenssteuern, deren Höhe von der Steuerklasse und dem Einkommen abhängen.

Der Steuerfreibetrag liegt bei 8.354, – € im Jahr. Von 8.354, – bis 13.470, – € fallen 14 % Steuern an; von 13.470, – bis 52.881, – € zahlt man knapp 24 % Steuern und über 52.882, – € fällt der Spitzensteuersatz von derzeit 42 % an, der allerdings vor einigen Jahren noch deutlich höher lag. Hohe Einkommen wurden zuletzt von der Politik entlastet. Genau das kritisiert auch die OECD. Durch die Beitragsbemessungsgrenze zahlen Gutverdiener prozentual einen deutlich kleineren Teil ihres Bruttoeinkommens in die Sozialkassen ein, als Gering- oder Mittelverdiener. Das heißt im Klartext: Je ärmer man ist, desto schlechter steht man auch in Bezug auf Steuern und Abgaben da. Und da ist die Mehrwertsteuer (7 – 19 %), die in jeder Konsumausgabe enthalten ist, noch gar nicht eingerechnet, ebenso zahllose Steuern und Abgaben, die die Preise für Energie, Benzin, Tabak und vieles weitere zusätzlich in die Höhe treiben.

Deutschland liegt im Mittelfeld

Steuerlich liegt Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Die Steuerlast des Einzelnen ist weder besonders niedrig noch außerordentlich hoch. Der eigentliche Kostentreiber sind die Sozialabgaben, die deutlich höher sind als in den meisten anderen Ländern. Zugleich gehen aber die Sozialleistungen immer weiter zurück. Immer mehr Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen muss der Patient ganz oder teilweise selbst zahlen (Medikamente; Zahnersatz; bestimmte Untersuchungen) oder sich mit einer privaten Zusatzversicherung extra absichern. Und auch die gesetzliche Rente wurde immer weiter gekürzt und die Bürger animiert, stattdessen in (teils staatlich geförderte) Vorsorgeprodukte der privaten Versicherungsindustrie zu investieren, von denen viele in der Kritik stehen.

Um es salopp auszudrücken: In der deutschen Sozialversicherung stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr. Das kriegen andere Länder besser hin, bei geringeren Beiträge und mehr Leistung. Andererseits darf man nicht unerwähnt lasse, dass es in vielen Ländern der Welt staatliche Kranken- und Rentenversicherungen gar nicht oder nur rudimentär gibt.

Arbeiten wir für den Staat?

Aber stimmt es wirklich, dass wir die Hälfte des Jahres nur „für den Staat“ arbeiten. Nein, eindeutig nicht und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Richtig ist, dass die durchschnittliche Abgabenlast eines kleinen oder mittleren Angestellten bei knapp unter 50 % des Bruttoeinkommens liegt, wenn man den Arbeitgeberanteil mitzählt. Rechnet man ihn raus, liegt der Anteil schon nur noch bei rund 35 %. Je höher das Einkommen, desto niedriger fällt dieser Prozentsatz in der Regel aus. Richtig ist folglich, dass es ein Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich gibt, das man als ungerecht empfinden kann.

Aber erarbeitet man diese 35 % tatsächlich für „den Staat“? Das kommt auf den Blickwinkel an. Sicher wird viel Geld verschwendet und das Ungleichgewicht in der Sozialversicherung ist ein ernstes gesellschaftliches Thema. Fakt ist aber auch, dass man mit den Einzahlungen insbesondere im medizinischen Bereich eine vergleichsweise gute Absicherung erhält und man zumindest zum Teil auch wieder von dem profitiert, was mit den Steuermitteln geschieht, sei es über die Infrastruktur oder Schulen oder andere öffentlich finanzierte Einrichtungen.

von Gerrit Wustmann

1 Kommentare

  1. Philipp
    19. Dezember 2014, 10:19

    Für mich ist „der Staat“ Infrastruktur, Schulen, Gesundheitswesen oder andere öffentlich Einrichtungen – also ja mit den hier angegebenen 35% arbeiten wir für den Staat und dessen Infrastruktur. Eine solche Infrastruktur gibt es eben nicht gratis.

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