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Steuern & Abgaben im internationalen Vergleich
Die Steuern bewegen sich in Deutschland, verglichen mit anderen Ländern, im Mittelfeld. Sie sind weder besonders hoch noch besonders niedrig. Hoch hingegen sind die Sozialabgaben wie Krankenversicherung und Rente. Immer wieder heißt es, die Arbeitnehmer müssten in diesem Punkt entlastet werden, immerhin geht im Schnitt über ein Drittel der Einnahmen an Staat und Sozialversicherer. Doch wo steht Deutschland im internationalen Vergleich? Wie sind Steuern und Abgaben im Ausland gewichtet?
von Gerrit Wustmann
Steuern & Abgaben im internationalen Vergleich. Die Steuerlast in Deutschland ist bekanntlich hoch, wie aber sieht es in anderen Laendern aus? Laesst es sich hier entspannter leben?
© anyaberkut/thinkstock

Dänemark

Insgesamt ist die Abgabenlast in Dänemark deutlich höher als in Deutschland, sie liegt im Schnitt bei fast der Hälfte des Einkommens. Sozialversicherungen sind steuerfinanziert, müssen also nicht als zusätzlicher Posten behandelt werden. Das dänische Steuersystem ist sehr einfach, aber auch sehr umfassend. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es keinen riesigen Katalog an Ausnahmen. Steuern müssen auf jede einzelne Einnahme gezahlt werden, auch auf Sachwerte. Die Steuern teilen sich dabei auf. Auf solche, die an den Staat gehen und sich an der Höhe des Einkommens orientieren sowie einkommensunabhängige Steuern, die an die Wohnsitz-Kommune entrichtet werden müssen. Der Spitzensteuersatz greift ab 52.000,- € Jahreseinkommen und liegt bei fast 60 %. Ein Ehegattensplitting gibt es nicht. Da außerdem die Mehrwertsteuer 25 % beträgt, sind die Lebenshaltungskosten vergleichsweise hoch.

USA

Auch in den USA sind die Steuern auf Einkommen gestaffelt und orientieren sich an der Höhe des Gehalts. Maximal sind rund 39 % zu entrichten. Der Spitzensteuersatz fällt allerdings erst bei sehr hohen Einkommen von über 300.000 Dollar an. Hinzu kommen sehr hohe Steuerfreibeträge. Die Mehrwertsteuer variiert je nach Bundesstaat ist mit höchstens 8,75 % vergleichsweise niedrig. Arbeitnehmer sind außerdem sozialversicherungspflichtig. Enthalten sind zum Beispiel Rente und Arbeitslosenversicherung, beide aber auf sehr niedrigem, kaum mit Deutschland vergleichbarem Niveau. Bis zur Einführung von „Obamacare“ war die Krankenversicherung Privatsache mit dem Ergebnis, dass die allermeisten Amerikaner sich privat versicherten; Arme können und konnten sich oft gar keine Absicherung leisten, eine schwere Krankheit oder ein Unfall konnte den finanziellen Ruin bedeuten. Die private Versicherung kann auch über den Arbeitgeber abgeschlossen werden und ist dann an die Berufstätigkeit gekoppelt. Die staatliche Versicherung Medicare gilt nur für Menschen ab 65 Jahren. Etwa ein Viertel der US-Bevölkerung hat gar keine Krankenversicherung. Die Idee hinter Obamacare ist, mehr Menschen mit günstigen Beiträgen und staatlicher Querfinanzierung abzusichern. Dieses Modell ist in den USA noch immer sehr umstritten.

Kanada

Auch in Kanada orientiert sich die Einkommenssteuer stufenweise an der Höhe des Einkommens. Der Steuerfreibetrag ist mit knapp 8.000 Dollar ähnlich niedrig wie in Deutschland, dafür beträgt der Spitzensteuersatz nur 29 % und wird erst ab einem Jahreseinkommen von 123.000 Dollar fällig. Hinzu kommen regionale Steuern, die aber relativ niedrig sind. Die Mehrwertsteuer liegt bei 18 %. Die gesetzliche Rentenversicherung kostet ca. 10 % des Einkommens, hälftig aufgeteilt in Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Für die Arbeitslosenversicherung zahlen Arbeitnehmer rund 2 % ihres Bruttolohns. Die Krankenversicherung ist steuerfinanziert, allerdings müssen zahlreiche Posten privat bezahlt werden, weshalb eine zusätzliche private Absicherung unumgänglich ist. Der gesamte Abgabenanteil liegt im Schnitt bei rund 42 %.

Frankreich

In Frankreich ist die Lohn- und Einkommenssteuer gestaffelt und richtet sich nach der Höhe des Einkommens. Allerdings werden die Beträge bei Arbeitnehmern nicht direkt vom Lohn abgezogen, sondern erst via Steuererklärung im Folgejahr. Der Spitzensteuersatz liegt bei 45 % und greift ab einem Jahreseinkommen von 150.000,- €. Hinzu kommt eine Reichensteuer von 75 % auf alles Einkommen über einer Million Euro im Jahr. Der Steuerfreibetrag liegt bei knapp 6.000,- €. Die Abgaben zur Sozialversicherung hingegen werde direkt vom Lohn abgeführt, wobei der Arbeitgeber den Löwenanteil trägt. Arbeitnehmer zahlen für Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und weitere Versicherungen rund 10 % ihres Einkommens. Der Arbeitgeber hingegen trägt fast 30 %. Hinzu kommt eine Allgemeine Sozialabgabe in Höhe von 7,5 %. Die Mehrwertsteuer beträgt 20 %, bestimmte Güter profitieren von ermäßigten Sätzen, beispielsweise werden auf Medikamente nur 2,2 % fällig.

Türkei

Die Einkommenssteuer richtet sich auch in der Türkei nach der Höhe des Einkommens und steigt an. Der Eingangssteuersatz liegt bei 15 %, einen Steuerfreibetrag gibt es nicht. Der Spitzensteuersatz beträgt 35% und wird ab einem Jahreseinkommen von 60.000 TL (ca. 30.000,- €) fällig. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Sondersteuern und das Steuersystem ist vergleichsweise kompliziert. Die Mehrwertsteuer beträgt 18 %. Bestimmte Posten wie Nahrungsmittel, Immobilien und Weiteres profitieren von stark ermäßigten Sätzen. Die staatliche Sozialversicherung wird über einen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil finanziert und beträgt insgesamt rund 37 % des Bruttolohns, wovon der Arbeitnehmer 22 % trägt. Enthalten sind Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Allerdings sind die zu erwartenden Leistungen sehr überschaubar, wer es sich leisten kann, investiert daher zusätzlich in private Absicherung.

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von Gerrit Wustmann

1 Kommentare

  1. evelyn rees
    5. März 2019, 22:19

    Zum Abschnitt Türkei:
    60.000 türkische Lire waren übrigens selbst in Zeiten als die türkische Lire noch deutlich mehr Wert war niemals 30.000.- Euro. 🙂
    Sondern eher 15.000.- (inzwischen ja eher 10.000.- ). Ab diesem niedrigen Jahreseinkommen wird schon der Höchststeuersatz von 35% fällig! Und bedenkt man, dass man dort nicht den hohen Freibtrag von fast 9.000.- pro Jahr wie in Deutschland hat, ist das schon harter Tobak. Die deutschen Steuerzahler wissen gar nicht wie gut sie es haben.
    Ich rate jedem mal die Einkommenssteuerrechner die es auf Google gibt zu nutzen. Denn dann sehen alle die immer nur herumjammern (von wegen die Steuern seien so hoch in Deutschland) wie niedrig sie tatsächlich sind.
    Nur mal im Vergleich zu dem deutschen Einstiegssteuersatz von 11% in Deutschland. Der Einstiegssteuersatz in Österreich beträgt ca. 33%, in Portugal auch über 30%, in Italien 23% in Spanien 19%. In Spanien beispielsweise gibt es nur einen Freibetrag von 5.500.- .

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