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Arbeitnehmerähnliche Selbstständige – was ist zu beachten?
Es gibt Arbeitnehmer. Es gibt Selbstständige und Scheinselbstständige. Und es gibt arbeitnehmerähnliche Selbstständige. Doch wo genau liegen die Unterschiede, was muss man beachten und welche Bedeutung hat der Status für die Sozialversicherung?
von Gerrit Wustmann
Arbeitnehmerähnliche Selbstständige – was ist zu beachten?. Viele Journalisten sind arbeitnehmeraehnliche Selbststaendige.
© Digital Vision/thinkstock
  • Arbeitnehmer sind bei einem Arbeitgeber angestellt. Sie haben in der Regel feste Arbeitszeiten an festgelegten Einsatzorten, bekommen ein fixes oder zeitabhängiges Gehalt. Die Beiträge zur Sozialversicherung teilen sich auf in Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil.
  • Selbstständige arbeiten für mehrere Kunden oder Auftraggeber zeitweise oder dauerhaft. Sie sind nicht bzw. nur sehr eingeschränkt weisungsgebunden und können Arbeitszeit und -ort in der Regel frei wählen. Ihre Sozialversicherungsbeiträge tragen sie selbst. In bestimmten freien Berufen kann ein Teil der Sozialversicherungsbeiträge von der Künstlersozialkasse übernommen werden. Selbstständige können sozialversicherungspflichtige Angestellte beschäftigen.
  • Scheinselbstständige arbeiten dauerhaft nur für einen Auftrag- bzw. Arbeitgeber. Sie sind weisungsgebunden und haben festgelegte Arbeitszeiten und Einsatzorte. Strukturell gleichen sie Arbeitnehmern, müssen aber ihre Sozialversicherungsbeiträge gänzlich selbst bestreiten. Dieses Modell verstößt in aller Regel gegen das Arbeitsrecht und wird von Arbeitgebern eingesetzt, um Kosten zu Lasten des Arbeitnehmers zu sparen.
  • Arbeitnehmerähnliche Selbstständige arbeiten dauerhaft nur für einen Auftraggeber, dem sie zu einem gewissen Grad weisungsgebunden sind. Die Tätigkeit an sich ist aber selbstständig. Arbeitsort und -zeit kann meist frei gewählt werden. Rechtliche Basis ist zumeist ein Werkvertrag. Sie dürfen keine sozialversicherungspflichtigen Angestellten beschäftigen. Es besteht Versicherungspflicht nur in der gesetzlichen Rentenversicherung – unter bestimmten Umständen gibt es die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen.

Es kommt mitunter vor, dass der genaue Arbeits-Status unklar ist, da die Grenzen fließend sein können. Selbstständigen kann es vor allem in der Gründungsphase, aber auch später, passieren, dass sie zeitweise nur für einen Auftraggeber arbeiten. Solange dieser Zustand nicht dauerhaft besteht (zum Beispiel über mehrere Jahre) und solange man nicht unter arbeitnehmerähnlichen Umständen arbeitet, ist dies kein Problem und ändert nichts am Status. Vorsichtig sollten aber Freiberufler sein, da die dauerhafte Tätigkeit für nur einen Kunden die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse gefährden und somit die Sozialversicherung massiv verteuern kann. 

Bei Scheinselbstständigen ist der Status zumeist eindeutig: Sie haben sich ihre „Selbstständigkeit“ nicht frei gewählt, sondern wurden vom Arbeitgeber hineingezwungen, während ihre Tätigkeit mit der eines Arbeitnehmers deckungsgleich ist.

Besonderheiten bei der Rentenversicherung

Arbeitnehmerähnliche Selbstständige arbeiten zwar nur für einen festen Arbeitgeber, haben aber ihre Arbeit mit Eigenschaften der Selbstständigkeit selbst gewählt. Sie können beispielsweise Handelsvertreter sein oder Journalisten, die nur für einen Verlag oder Sender arbeiten. Auch für Franchise-Unternehmer oder Pflegepersonal kann der Status zutreffen. Ist man sich über den eigenen Status unklar, kann man bei der Deutschen Rentenversicherung ein Feststellungsverfahren bemühen – das Ergebnis ist dann rechtssicher. Wichtig ist das vor allem in Hinsicht auf die volle Rentenversicherungspflicht, denn hat man diese vor der Feststellung nicht oder nur teilweise übernommen, kann es zu existenzbedrohenden Nachzahlungen kommen. Von der Rentenversicherungspflicht können sich Berufsanfänger in den ersten drei Jahren befreien lassen, auch arbeitnehmerähnliche Selbstständige über 58 haben diese Möglichkeit. Wichtig ist, den Antrag rechtzeitig zu stellen.

von Gerrit Wustmann

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