Versicherungen

Überversichert: Weg mit den Versicherungen

Hand aufs Herz: Wie viele Versicherungen haben Sie? Wie viel zahlen Sie dafür im Jahr? Und wie viele benötigen Sie wirklich? Eben! Es ist Zeit für den Frühjahrsputz.

Überversichert: Weg mit den Versicherungen

©anyaberkut / 123rf

Die Deutschen sind gerne Spitzenreiter. Ob Exportweltmeister oder Fußballweltmeister, ganz egal: Hauptsache Weltmeister. In Bezug auf Versicherungen sind wir immerhin Europameister. Das zeigen Statistiken alle paar Jahre wieder: Niemand gibt so viel Geld im Jahr für Versicherungen aus, im Schnitt einige Hundert Euro mehr als Bürger anderer EU-Länder. Und das liegt nicht daran, dass Versicherungen bei uns teurer sind als anderswo. Wir sind schlicht überversichert. „Absicherung um jeden Preis“ – das darf man wörtlich nehmen.

Überversichert mit überflüssigen Versicherungen

Aber die allermeisten Versicherungen sind völlig überflüssig. Und jetzt ist die beste Zeit, um mal kräftig auszumisten. Es ist Frühjahr. Da wird die Wohnung auf Vordermann gebracht, das Auto gewienert, die Steuererklärung gemacht. Und wenn Sie ohnehin schon in den Papieren wühlen, können Sie sich auch direkt einen Überblick über Ihre Policen verschaffen. Im Schnitt hat jeder Deutsche mindestens sechs Versicherungen – elementare Pflichtversicherungen wie Kranken- und Rentenversicherung ausgenommen. Meist findet sich eine Police für die Privathaftpflicht, eine Kfz-Versicherung, vielleicht eine Rechtsschutz- und eine Zahnzusatzversicherung. Das sind die sinnvollen Policen. Sie bewahren einen im Zweifelsfall vor dem finanziellen Ruin.

Aber wie ist das mit Ihrem Smartphone oder anderer Elektronik? Konnten Sie widerstehen, als der freundliche Kundenberater versuchte, Ihnen eine Geräteversicherung aufzuschwatzen? Wenn nicht: Weg damit! Geräteversicherungen rechnen sich nie, man braucht sie nicht. Das gilt übrigens für restlos alle konsum-gekoppelten Versicherungen und solchen, die als „Zusatzangebote“ mit Produkten und Dienstleistungen kommen. Egal ob Restschuldversicherung, Fahrradversicherung, Kreditausfallversicherung, Diebstahlversicherung oder die Versicherung, die, sofern man dummerweise das Handy fallen lässt, höchstens den Verkehrswert ersetzt: Hinter allen verbirgt sich Geldmacherei. Die Versicherungsindustrie verdient daran prächtig. Für den Verbraucher sind es unnütze Ausgaben.

Was zahlen Sie jährlich für Versicherungen?

Das gilt auch beim Urlaub. Eine Reisekrankenversicherung kann nicht schaden. Alles andere braucht man nicht. Keine Reiserücktrittsversicherung, keine Reisegepäckversicherung und all das andere kreativ formulierte Zeug, in das man förmlich hineingedrängt wird, weil der Kundenberater apokalyptische Szenarien entwirft, die so gut wie nie eintreten. Und wenn sie doch eintreten, dann sorgt das Kleingedruckte schon dafür, dass die Versicherung nicht allzu viel zahlen muss. Gönnen Sie sich von dem Geld lieber einen zusätzlichen Ferientag.

Gehen Sie nun in aller Ruhe all Ihre Policen durch. Fragen Sie sich bei jeder: Brauche ich das wirklich? Habe ich es je in Anspruch genommen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich es irgendwann benötige? Falls Sie unsicher sind: Suchen Sie im Internet nach entsprechenden Statistiken, das kann heilsam sein. Rechnen Sie einmal durch, wie viel Geld eine bestimmte Versicherung bislang gekostet hat und was sie in den kommenden fünf oder zehn Jahren kosten wird. Und dann rechnen Sie aus, welche Kosten im Schadensfall auf Sie zukommen könnten – und lesen Sie im Kleingedruckten nach, ob die Versicherung diesen theoretischen Schaden überhaupt abdeckt.

Am Ende, das bleibt Ihnen nicht erspart, werden Sie diverse Kündigungsformulare ausfüllen müssen. Aber hinterher haben Sie deutlich mehr Geld in der Tasche. Versprochen.

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