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Mode mit reinem Gewissen – Recycling in der Textilbranche
Es findet zunehmend ein Umdenken statt. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf die Nachhaltigkeit der Produkte, die sie kaufen. Mehr und mehr springt auch die Textilbranche auf diesen Zug auf. Und so wird aus Plastikmüll und Altkleidern wieder Mode.
von Charlotte Ruzanski
Mode mit reinem Gewissen – Recycling in der Textilbranche. Zunehmend wird auch in der Textilbranche nachhaltig produziert.
© Pixabay

In der Textilbranche gibt es unterschiedliche Methoden des Recyclings. Eine Möglichkeit ist die Verwertung von Plastikmüll zu Kunststofffaser, aus der Fleecejacken, Hosen oder T-Shirts werden. Aber auch Recycling von Baumwolle ist durchaus Usus. Aus Altkleidern, die nicht mehr auf dem Second-Hand-Markt verkauft werden können, werden neue Fasern für die Herstellung und Kleidung produziert.

Problemprodukt Altkleider

Doch Altkleider als Rohstoff sind nicht unproblematisch. Nur ein sehr geringer Teil (1 – 3 %) kann zu neuen Fasern verarbeitet werden. Ein großer Teil wird zu Dämmstoffen oder Putzlappen.

Eine Problematik birgt auch die Aufbereitung der alten Stoffe. Denn im Recycling-Prozess werden die Kleidungsstücke zerrissen, wodurch die Faser leidet. Daher ist ein Recycling-Produkt qualitativ immer schlechter als das Ausgangprodukt. Eine ausreichende Qualität kann außerdem nur gewährleistet werden, wenn mindestens 60 % Frischfaser im Stoff enthalten sind.

Ebenfalls problematisch für den Recycling-Prozess ist, dass die meisten Kleidungsstücke aus Mischgewebe bestehen. Da eine Trennung des Gewebes kaum möglich ist, können sie in der Regel nur als Dämmstoff verwendet werden. Weniger kompliziert ist die Verarbeitung von Schnittresten aus der Textilfertigung, da hier problemlos erfasst werden kann, um was für Stoffe es sich handelt.

Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt der Aufwand des Recyclings kaum. Zwar ist konventionelle Baumwolle teurer als recyceltes Material, jedoch müssen für die herkömmliche Produktion keine komplett neuen Logistikketten aufgebaut werden, was ein weiterer einschränkender Faktor beim Recyclingverfahren ist.

Pluspunkt für die Umwelt

Der große Vorteil von Recycling-Mode liegt im ökologischen Aspekt. Für die Verarbeitung alter Baumwolle sind weder Dünger noch Pestizide nötig, die beim Anbau neuer Baumwolle zum Einsatz kommen, ebenso entfällt auch der Wasserverbrauch für den Anbau. Genauso, wie die Energiebilanz des wiederverwerteten Produktes besser ist als die neuer Baumwoll-Mode.

Gleiches gilt für das Recycling von Polyester. Zwar kann hier auf den Einsatz von Chemie nicht verzichtet werden und auch die Transportwege sind nicht unbedingt kurz, dennoch fällt die Umweltbilanz im Vergleich mit der Gewinnung von Polyester aus Erdöl auch hier zugunsten des recycelten Produkts aus.

Upcycling auch bei Mode

Der wohl ökologischste Umgang mit alten Kleidungsstücken ist die Umgestaltung. Immer häufiger werden auch auf dem Massenmarkt aus alten Klamotten und Stoffresten neue Anziehsachen hergestellt.

Das Material für Upcycling-Mode kommt oft von gemeinnützigen Sammlern, die die Teile aus der Altkleidersammlung weitergeben, die von Bedürftigen nicht gebraucht werden. Bei den so hergestellten Stücken handelt es sich fast grundsätzlich um Unikate, denn es ist schwierig an Altware zu kommen, mit der eine Massenproduktion möglich wäre.

Hoher Kostenfaktor

Doch obwohl beim Re- oder Upcyceln bereits bestehende Rohstoffe verwendet werden, die in der Beschaffung (deutlich) günstiger sind, als neue Rohstoffe, ist besonders Upcycling-Mode teurer als herkömmliche Mode. Aus diesem Grund fristet das Geschäft bisher auch noch ein Nischendasein. Doch die erhöhten Preise sind durchaus gerechtfertigt. Die meisten Hersteller legen Wert auf kurze Transportwege, transparente und faire Produktion sowie faire Löhne. Natürlich schlägt sich das auch im Preis nieder und macht es den Unternehmen schwer, sich gegen die großen Ketten zu behaupten, die Mode zu deutlich günstigeren Preisen anbieten können.

Der Verbraucher ist in der Pflicht

Letzten Endes ist es also der Verbraucher, der darüber entscheidet, wie sehr sich die Mode aus nachhaltiger Produktion durchsetzt, denn das Konzept kann nur funktionieren, wenn der Nutzer auch bereit ist, einen höheren Preis für seine Kleidung zu zahlen.

Anbieter von Recycling-Mode

G-Star Gewinnung von Kunststoffgarn für Jeans und Shirts aus Plastikmüll von Stränden
Patagonia Fleecejacken aus recycelten PET-Flaschen
Kuyichi Jeans, Mäntel und Jacken zu 20 % aus Recyclingmaterial
C&A Jeans aus recycelter Polyesterfaser
H&M Eigene Modeserie aus recycelter Baumwolle. Kunden können Altkleider bei der Modekette abgeben und erhalten dafür einen Rabatt auf ihren nächsten Einkauf

Anbieter von Upcycling-Mode

Water To Wine Umgestaltung von nichtbenötigten Altkleidern
Aluc Hemden und Blusenkleider aus übriggebliebenen Stoffbahnen
von Charlotte Ruzanski

1 Kommentare

  1. Luzia Biel
    5. Januar 2019, 10:49

    H und M nutzt die Produktion von recycelter Baumwolle nur als Verkaufsstrategie, der Rabatt der entsteht wenn man seine alte Kleidung zurück gibt ist nur ein Auslöser dafür, dass man nachher mehr konsumiert und dies ist definitiv belastender für die Umwelt… man sollte den kauf an Kleider reduzieren und nicht eine Marke unterstützen, wie H und M, die Recycling nur als Profit benutzen.

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