Finanzen

Wann brauche ich einen Steuerberater?

Das deutsche Steuersystem gilt als kompliziert. Ob Arbeitnehmer oder Selbständiger: niemand mag das Finanzamt. Aber wann braucht man einen Steuerberater? Und was kann man selbst erledigen?

Wann brauche ich einen Steuerberater?

©Andriy Popov / 123rf

Arbeitnehmer

Arbeitnehmer brauchen in der Regel keinen Steuerberater. Für sie ist die Steuererklärung eher simpel. Man muss nicht viel mehr tun, als die Daten der Lohnabrechnungen in die entsprechenden Formulare einzutragen. Wenn man das System einmal verstanden und alle Unterlagen zur Hand hat, dauert die Steuererklärung keine Stunde. Wer unsicher ist und zum Beispiel nicht weiß, wie er Entfernungspauschalen und andere steuermindernde Elemente korrekt errechnet, für den eignen sich Steuerprogramme für den Computer oder das Tablet. Es gibt eine Vielzahl solcher Angebote, die teils auch auf bestimmte Anwendungsfelder zugeschnitten sind. Sie leiten den Nutzer Schritt für Schritt durch den Steuerdschungel und weisen ihn auf Einsparmöglichkeiten hin. Viele Verbraucher wissen nicht, dass sie einen Teil ihrer Mietnebenkosten sowie andere haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen können – oder wie das genau funktioniert. Die Programme gibt es ab ca. 20 Euro und sind jeden Cent wert.

Kompliziert kann es nur dann werden, wenn man als Arbeitnehmer noch selbständige Nebentätigkeiten verübt. Sind die Einnahmen und Ausgaben in diesem Bereich überschaubar, so hilft auch hier ein Steuerprogramm. In komplizierteren Fällen kann es aber sinnvoll sein, sich von einem Steuerberater wenigstens die Grundzüge der Abwicklung erklären zu lassen.

Selbständige

Kleinunternehmer (also Selbständige, die höchstens 17.500 Euro Jahresumsatz machen) brauchen ebenfalls keinen Steuerberater. Für ihre Steuererklärung genügt eine simple Einnahme-Überschuss-Rechnung, also das Aufaddieren sämtlicher Einnahmen abzüglich sämtlicher Ausgaben. In einigen Branchen setzt das Finanzamt zudem die Möglichkeit an, Werbekostenpauschalen abzusetzen ohne dass man einen einzigen Beleg einreichen muss. Das vereinfacht die Steuererklärung weiter. Um herauszufinden, ob die Pauschale eine sinnvolle Option ist, muss man seine Ausgaben aufsummieren. Liegen sie unter oder nur minimal über der Pauschale, spart man sich also eine Menge Arbeit.

Aber auch wenn man einen höheren Umsatz macht, wird es nicht zwangsläufig komplizierter. Es kommt allerdings die Umsatzsteuer hinzu und die Pflicht eine regelmäßige Umsatzsteuer-Voranmeldung sowie einmal jährlich eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Wenn man das System einmal verstanden hat, ist das nicht viel Arbeit – und man kann bares Geld sparen, weil die vereinnahmte Umsatzsteuer mit der Umsatzsteuer auf Ausgaben verrechnet wird.

Auch hier sind Steuerprogramme hilfreich, da sie die Erklärung massiv vereinfachen und helfen, Steuersparmöglichkeiten auszunutzen. Lästig kann es allenfalls werden, wenn man seine Umsätze mit vielen kleinen Rechnungen macht, denn dann häuft sich eine große Menge Papierkram an. Der Steuerberater ist zwar auch dann unnötig, aber es kann bequemer sein, wenn man die Arbeit ihm überlässt. Wirklich notwendig wird ein Steuerberater aber erst, wenn man ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern hat und möglicherweise Auslandsgeschäfte tätigt. Denn dann wird es tatsächlich kompliziert – von der Menge der zu organisierenden Belege gar nicht zu sprechen.

Fazit

Die allermeisten Arbeitnehmer und Selbständigen benötigen keinen Steuerberater. Eine Steuerprogramm für den Computer reicht in der Regel völlig. Man wird rasch sehen: Die Angst vor der Steuererklärung ist oft unbegründet, denn sie zu erledigen ist weit weniger kompliziert, als man denkt.

Wichtig ist immer, dass man seine Einnahmen und Ausgaben im Blick und alle relevanten Papiere gut sortiert und organisiert zur Hand hat. Man sollte sich also entsprechende Ordner anlegen und diese pflegen. Denn der meiste Steuer-Stress wird von unorganisierter Buchhaltung verursacht.

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