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Liebe Fußballfans: Warum?

Der Fußball wird immer weiter kommerzialisiert, die Fans beschweren sich – tragen aber trotzdem weiter ihr Geld ins Stadion. Dabei hätten sie als Verbraucher die Macht, die Verhältnisse zu ändern... Ein offener Brief von BBX-Redakteur Gerrit Wustmann.

Liebe Fußballfans: Warum?

©matimix / 123rf

Liebe Fußballfans,

eines muss ich direkt zum Einstieg gestehen: Ich kann mit Fußball nichts anfangen. Das Endspiel 2014 sah ich gemeinsam mit einem fußballbegeisterten Kollegen in einer urigen Kneipe im Schwarzwald bei Bier und Häppchen, und was alle um mich herum enorm spannend fanden, waren für mich nur 22 Typen, die hinter einem Ball herlaufen. Da die meisten Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld Fußballenthusiasten sind, komme ich mir nicht selten wie ein Exot vor, der eine andere Sprache spricht. Die Quote an Fußballfans ist unter Journalisten und Schriftstellern enorm hoch. Wer also einem aus unserer Branche mal die Meinung geigen will: Schaut euch im Stadion um, die Chancen stehen nicht schlecht.

All das bedeutet nicht, dass ich etwas gegen Fußball habe. Ich verstehe ihn bloß nicht. Das ist alles. Es erlaubt mir aber auch den Blick von außen, den naiv fragenden Blick. Und dieser Blick ist Anlass für den vorliegenden Text. Denn ich möchte euch, liebe Fußballfans, eine Frage stellen: Warum?

Warum zeigt ihr FIFA & Co nicht die rote Karte?

Wie ich oft mitbekomme, beschweren sich viele von euch darüber, dass es beim Fußball immer weniger um den Sport und immer mehr um den Kommerz geht. Die FIFA kommt mir persönlich vor wie ein Spin-Off von „Der Pate“. Nicht nur, dass sie jeden Pups, den der Ball auf dem Weg zum Tor von sich gibt, mit teils absurden Regeln belegt, sie noch aus dem letzten Kunstrasenhalm Geld quetschen will. Sie ist immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt, verschließt sich dem Zugang der Presse, sobald diese kritische Fragen stellt, anstatt sich zum verlängerten PR-Arm degradieren zu lassen, wirft mühsam eingerichteten Ethik-Kommissionen Pflastersteine an den Kopf. Und so weiter. Der Fußball gibt sich als der Sport des kleinen Mannes, wird aber kontrolliert von stinkreichen Eliten, denen ihr sonst so gerne Schimpf und Schande wünscht.

Und trotzdem geht ihr ins Stadion. Trotzdem schaltet ihr den Fernseher ein. Trotzdem gebt ihr Unsummen für Fanartikel aus. Trotzdem lasst ihr euch vor den Karren spannen. Warum? Bitte – erklärt es mir.

Schmollt doch mal!

Es könnte doch so einfach sein. Die FIFA und auch die kleineren Verbände, das ist offensichtlich, interessieren sich keinen Deut für den Sport. Alles, was sie interessiert, ist Geld. Euer Geld. Und ihr gebt es ihnen, meist mit einem unguten Gefühl im Bauch. Aber das ist euch lieber, als mal ein paar Spiele zu verpassen. Dabei könnt ihr die Funktionäre doch spielend leicht bei den Eiern packen. Also bei ihrer Brieftasche. Schmollt doch mal. Wenigstens eine Saison lang. Geht nicht ins Stadion. Lasst die Glotze aus. Kauft keine Trikots und geht auch nicht in Supermärkte, die lizensiertes Fangedöns verticken. Gebt keinen Cent für Fußball aus und verknüpft das mit einer Message:

Liebe Funktionäre,
es gibt ethische und moralische Werte und Gesetze. Haltet euch dran. Dann gibt’s auch wieder Zaster.
Hochachtungsvoll
die Fans

Oder sehe ich das zu simpel, zu naiv? Übersehe ich etwas? Dann, bitte, korrigiert mich. Ich lerne gerne dazu, lerne gerne neue Perspektiven kennen. Vielleicht könnt ihr mir helfen.

Mit herzlichen Grüßen
Gerrit Wustmann

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