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Gerichtsurteil: Adblocker sind legal
Ein aktuelles Gerichtsurteil stellt klar: Adblocker sind legal und stellen keinen Eingriff ins Wettbewerbsrecht dar. Problematisch bleiben sie trotzdem – sowohl für Online-Redaktionen als auch für die Leser.
von Gerrit Wustmann
Gerichtsurteil: Adblocker sind legal
© 8vfanrf / 123rf

Mehrere Medienunternehmen, darunter die Süddeutsche Zeitung und RTL, hatten vor dem OLG München gegen den Anbieter der Software AdBlock Plus geklagt. Sie hatten argumentiert, dass das Programm ihre Webseiten verändere und dadurch ins Urheberrecht eingreife. Außerdem sehen sie in dem Programm einen Eingriff ins Wettbewerbsrecht. Denn Unternehmen können sich in eine kostenpflichtige Whitelist eintragen lassen, damit ihre Werbung weiterhin angezeigt wird. Da Bannerwerbung für die meisten Webangebote eine wichtige Finanzierungsquelle ist, seien diese gezwungen, sich in die Whitelist eintragen zu lassen.

29 Prozent nutzen Adblocker

Das Gericht entschied nun zu Gunsten des Beklagten. Eine „gezielte Behinderung“ des Geschäftsmodells der Kläger, so die Richter, liege nicht vor. Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts: „Die von einer der Klägerinnen geltend gemachten urheberrechtlichen Ansprüche scheitern daran, dass die Verwendung von Werbeblockern durch die Nutzer nicht rechtswidrig ist. Denn indem die Klägerin den Nutzern den ungehinderten Zugang zu ihrem Internetauftritt bei Nutzung des Werbeblockers eröffnet lässt und lediglich die Bitte geäußert hat, auf die Verwendung von Werbeblockern zu verzichten, liegt aus der Sicht der Nutzer eine (schlichte) Einwilligung vor.“

Adblocker sind beliebt. Im Jahr 2016 nutzten laut Statistischem Bundesamt rund 29 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ein Programm, dass Werbebanner blockiert. Viele Menschen empfinden die Werbung auf Internetseiten als nervend und aufdringlich und blenden sie daher aus. Für die Betreiber der Online-Angebote bedeutet das zum Teil massive Umsatzverluste. Je mehr Menschen mit Adblockern unterwegs sind, umso schwieriger wird es, qualitativ hochwertige journalistische Angebote zu finanzieren. Viele Medienunternehmen versuchen daher inzwischen, gegenzusteuern. Einige bitten ihre Leser beim Seitenaufruf, den Adblocker zu deaktivieren. Andere verweigern Nutzern mit Adblocker den Zugang komplett, und wieder andere setzen eigene Software im Hintergrund ein, die wiederum an den Adblockern vorbei Werbung anzeigen kann.

Ohne Werbung gibt es keine kostenlosen Inhalte

Es ist ein Dilemma: Die Nutzer sind daran gewöhnt, dass ihnen redaktionelle Inhalte im Netz kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Werbung, die genau das ermöglicht, möchten viele aber auch nicht sehen. Die Nutzer sollten sich daher auf einen Kompromiss einlassen und Adblocker auf jenen Seiten, die sie gerne und regelmäßig lesen, deaktivieren. Damit unterstützen sie direkt die Arbeit der Redaktionen und Journalisten oder Autoren, deren Texte sie mögen. Wer hingegen immer mit aktivem Adblocker unterwegs ist, trägt aktiv zum Qualitätsverlust bei und gefährdet das Geschäftsmodell, das es ermöglicht, journalistische Inhalte ohne Bezahlschranke im Netz zur Verfügung zu stellen.

von Gerrit Wustmann

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