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Factoring für Selbständige & Freiberufler
Jeder Selbständige oder Freiberufler kennt das Problem: Es besteht immer das Risiko, dass Kunden nicht oder nur sehr verspätet zahlen. Das führt zu erhöhtem Arbeitsaufwand. Es müssen Mahnungen geschrieben und schlimmstenfalls Gerichte bemüht werden. Für Unternehmer mit geringer Kapitalquote kann der Ausfall oder die Verzögerung größerer offener Forderungen sogar existenzbedrohend sein. Factoring bietet sich als Lösung an, ist aber nicht für jeden geeignet.
von Gerrit Wustmann
Factoring für Selbständige & Freiberufler. Ob sich das Factoring-Verfahren fuer kleine Unternehmen rechnet, ist nicht zuletzt vom Jahresumsatz abhaengig.
© Wavebreakmedia Ltd./thinkstock

Gerade Unternehmen mit vergleichsweise geringen Umsätzen und geringer Rendite sind ständig darauf angewiesen, dass Rechnungen pünktlich und in voller Höhe beglichen werden, um das Geschäft am Laufen zu halten. Das funktioniert aber längst nicht immer. Aus den verschiedensten Gründen können sich Zahlungen verzögern oder ganz ausfallen. Wer nicht genug Kapital im Rücken hat, hat dann ein ernsthaftes Problem. Doch selbst wenn das nicht geschieht – das Forderungsmanagement macht immer Arbeit, umso mehr, je mehr Rechnungen man schreibt.

Was ist Factoring?

Beim Factoring werden die Forderungen abgetreten. Das Factoring-Unternehmen begleicht dann zügig die offenen Rechnungen, abzüglich Gebühren. Die sind aber in der Regel überschaubar und orientieren sich an der Gesamthöhe des jährlichen Umsatzes, der Menge der Rechnungen und des beauftragten Serviceumfangs. Unter Umständen werden diese Kosten aber wieder ausgeglichen, da im eigenen Unternehmen Kosten verringert werden, weil sich Zeit- und Arbeitsaufwand in Forderungsmanagement und Buchhaltung spürbar reduzieren lassen.

Welche Vorteile hat Factoring?

Die Methode bietet gleich mehrere Vorteile: Erstens sorgt sie dafür, dass man immer liquide ist – durch die Abtretung der Forderungen an den Factoring-Dienstleister stellt man sicher, dass die Forderungen umgehend beglichen werden und das nötige Kapital zur Verfügung steht. Außerdem wird das Ausfallrisiko komplett eliminiert, denn dieses trägt der externe Dienstleister, der nun auch dafür zuständig ist, das Geld beim Kunden einzutreiben und wenn nötig Mahnverfahren und Inkasso zu bemühen. Alles Aufwände, die intern wegfallen. Sich selbst sichert der Factorer gegen Ausfall mit einer Gebühr beim Auftraggeber ab.

Für wen lohnt sich Factoring?

Traditionell verlangen Factoring-Unternehmen hohe Jahresumsätze von mindestens einer einstelligen Millionensumme. Denn je höher der Umsatz, desto eher lohnt sich der Aufwand. Inzwischen gibt es aber auch Anbieter, die Factoring für vergleichsweise kleine Unternehmen anbieten, teils sogar ohne einen Mindestumsatz zugrunde zu legen, eben zu entsprechend höheren Gebühren. Freiberufler und Solo-Selbständige hatten es in der Vergangenheit schwer, Factoring zu beauftragen. Heute gibt es auch für sie Lösungen. Die Frage ist aber dabei, ob es sich lohnt. Denn die Gebührensätze für kleine Freiberufler ohne Mindestumsatz sind mit bis zu 10 % jeder Rechnung vergleichsweise sehr hoch. Zum Vergleich: Bei großen Unternehmen mit Millionenumsätzen beträgt die Factoring-Gebühr oft deutlich unter einem Prozent.

Sinnvoll ist es dennoch für alle, die viele kleine Rechnungen stellen und durch Factoring ihren internen Aufwand spürbar senken können. Wer als Solo-Selbständiger eher wenige größere Rechnungen im Jahr stellt, profitiert kaum, auch wenn man ein Kunde Schwierigkeiten bereitet. Solange der zu erwartende Mehraufwand oder Ausfall nicht regelmäßig 10 % des Umsatzes oder mehr ausmacht, ist das Factoring in diesem Fall schlicht zu teuer.

Für alle anderen lohnt es sich aber durchaus, Angebote einzuholen und zu vergleichen.

von Gerrit Wustmann

2 Kommentare

  1. Hubertus Bruch
    15. Januar 2015, 10:40

    Sehr geehrter Herr Wurstmann,
    einige Punkte, die Sie hier ansprechen, stimmen so nicht. Woher nehmen Sie denn beispielsweise diese abenteuerlichen Prozentsätze?
    Der Umsatz ist nur eine Meßgröße bei der berechnung der Factoringgebühr. Dazu gibt es noch viele andere Faktoren, wie Branche, Losgröße, Alter des Unternehmens, Inhaberstruktur usw. usw. Die Gebühren bewegen sich dann im Ausnahmefall bei um die 1 % aber regelmäßig um die 2 %.
    Im kleinteiligen Segment wie beispielsweise den Freiberuflern bewegen sich die Factoringgebühren um die 3 Prozent! Was Sie anführen, trifft in etwa auf die Anwaltsgebühren für das Inkasso zu, hat aber nichts mit Factoring zu tun. Dabei ist es auch unerheblich für die Entscheidung pro oder contra Factoring, ob es viele kleine oder einige große Forderungen gibt. Bei vielen kleinen haben Sie eine erhebliche Arbeitserleichterung, da der Factorer die Rechnungsverfolgung übernimmt, bei wenigen großen haben sie die Sicherheit, dass sie als Unternehmer ihr Geld behalten, sollte der Kunde ausfallen (übrigens ist das doch auch genau der Punkt, den Sie eingangs ansprechen und dann am Ende des Texes wieder einsacken).
    Entscheidend ist: Will ich als Unternehmer meine Liquidität optimieren (keine offenen Posten mehr) und mein Forderungsmanagement entlasten oder kann ich mit den bisherigen Strukturen auch weiterhin gut leben bzw. wollen meine Angestellten einfach damit weiterleben und nichts ändern lassen.

    Wenn Sie Rückfragen zum Thema Factoring haben, dann können Sie mich gerne kontaktieren.
    MfG
    Hubertus Bruch

    • Gerrit Wustmann
      19. Januar 2015, 09:38

      Sehr geehrter Herr Bruch,

      vielen Dank für Ihr Feedback. Die Zahlen, die Sie nennen, sind korrekt. In Gesprächen mit (kleinen) Freiberuflern und Soloselbständigen kamen allerdings auch die höheren Sätze zur Sprache. Sie mögen nicht die Regel sein. Wichtig ist uns aber, auch auf die Möglichkeit von Ausreißern hinzuweisen, damit der Leser bei Bedarf nicht das erstbeste Angebot nimmt, sondern intensiv vergleicht, was besonders wichtig ist, wenn es um Finanzen geht. Dass die Höhe der Einnahmen nicht der einzige Faktor sind, steht im Artikel. Ihre Ergänzungen sind außerdem hilfreich.

      Ich denke, dass Factoring, wie beschrieben, für kleine Selbständige mit geringem Umsatz und wenigen Rechnungen (also auch eher kleinem Aufwand diesbezüglich) eine Abwägungssache ist und sich nicht unbedingt lohnt – auch unabhängig von der Gebührenhöhe. Wer über Jahre hinweg pünktlich zahlende Kunden hat und damit ein geringes Ausfallrisiko, der fährt ohne Factoring besser, kann es aber natürlich dennoch nutzen, der Sicherheit wegen.

      Aus Ihren Ausführungen geht hervor, dass Sie grundsätzlich Vorteile im Factoring sehen, was angesichts Ihrer Spezialisierung auf Factoring im Kfz-Wesen nachvollziehbar ist. Unsere Aufgabe als Verbrauchermagazin ist es aber immer, abzuwägen und unseren Lesern Optionen aufzuzeigen sowie auf Grenzfälle hinzuweisen.

      Mit freundlichen Grüßen
      GW

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