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Erbschaftssteuer: 90% wären sinnvoll
Bis Mitte des Jahres soll die Bundesregierung die Erbschaftssteuer reformieren. Das Thema ist ein ewiger Zankapfel – nun besteht die Chance, eine Regelung für größere Verteilungsgerechtigkeit zu finden. 90% Erbschaftssteuer auf alles oberhalb eines festzulegenden Freibetrags wäre sinnvoll. Den zu erwartenden Gegenwind muss der Gesetzgeber aushalten können.
von Gerrit Wustmann
4 Kommentare
Erbschaftssteuer: 90% wären sinnvoll. Erbschaftssteuer: 90% wären sinnvoll
© bialasiewicz / 123RF

Die Ungleichheit in Deutschland nimmt seit Jahren zu, das ist eine messbare Tatsache. Die Armut wächst, ebenso der Reichtum in den Händen von wenigen. Während eher politisch links orientierte Kreise die „Umverteilung von unten nach oben“ schon lange kritisieren, stehen Ratingagenturen wie Standard & Poor’s eher nicht unter Sozialismusverdacht. Im Jahr 2014 aber mahnte eben jene Agentur an, eine zu große Ungleichheit schade der Wirtschaft. Eine zu große Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen führe zu Wirtschaftskrisen. Das ist auch leicht nachzuvollziehen: Denn je weniger Geld die große Masse der Menschen zur Verfügung hat, desto schwächer ist der Konsum, desto schwächer ist der Import, desto niedriger ist das Binnenwachstum. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Erbschaften dürfen Ungleichheit nicht zementieren

Wenn einer der ganz großen Akteure des globalen Kapitalismus mehr Verteilungsgerechtigkeit anmahnt, dann wissen wir: Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern schon zehn nach.

Die Erbschaftssteuer wäre ein Hebel, mit dem man in dieser Frage etwas bewegen könnte – sie weiterhin niedrig zu halten widerspricht jeder ökonomischen Vernunft. Die Studie „Erben in Deutschland 2015 – 2024“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) kam unlängst zu dem Ergebnis, dass Erbschaften in der heutigen Form die Ungleichheit verfestigen. In der Regel sind diejenigen, die viel erben, bereits wohlhabend, da sie aus wohlhabenden Familien stammen. Enorme Mengen Geld bleiben also über Generationen hinweg immer in denselben Kreisen. Rund ein Drittel des vererbten Vermögens geht an nur zwei Prozent der Bevölkerung, während rund 13% gar nichts oder Schulden erben.

Gerechte Lösungen helfen der Wirtschaft

Der emeritierte Ökonomieprofessor Guy Kirsch aus Freiburg forderte im Januar 2016 gar 100% Erbschaftssteuer. Jede Erbschaft solle in einen Fond fließen, aus dem jeder Erbe denselben Betrag erhält. In puncto Verteilungsgerechtigkeit wäre diese sicher die gerechteste Lösung. Dass sie aber bei weit mehr Menschen als den reichsten zwei Prozent auf Gegenwehr stoßen würde, versteht sich ebenfalls.

Aber auch eine weniger radikale Lösung könnte die Verhältnisse deutlich verbessern. Man könnte einen großzügigen Freibetrag von 150.000 bis 300.000 Euro festsetzen – damit zum Beispiel nicht ein geerbtes Haus verkauft werden muss, damit der Erbe die Steuerschuld begleichen kann. Jeder zusätzliche Euro würde mit 90% besteuert. So bliebe jedem Erben ein immer noch beachtlicher Betrag, während alles besteuerte Erbvermögen wie in Kirschs Vorschlag in einen Verteilungsfonds fließen könnte. Voraussetzung dafür, dass so etwas auch funktioniert, wäre zusätzlich eine massive Anhebung der Schenkungssteuer. Auch das beinhaltet Kirschs Idee.

Unternehmen: Arbeitnehmer müssen beteiligt werden

Aber wie sieht es aus, wenn ein Unternehmen oder Betrieb vererbt wird? In dem Fall funktioniert weder eine so hohe Besteuerung noch die Übergabe an einen Fond – denn dafür müsste der Betrieb veräußert werden. Eine Option wäre, den Erben zu verpflichten, die Mitarbeiter des Unternehmens mit 50% Anteilen am Unternehmen zu beteiligen und den Betrieb für eine festzulegende Zeit fortzuführen. Heißt beispielsweise: Wird der Betrieb binnen eines bestimmten Zeitraums veräußert, greift nachträglich die Regelung von 90% Erbschaftssteuer. Im anderen Fall profitieren die Arbeitnehmer, was auch hier zu größerer Verteilungsgerechtigkeit führt.

Gangbare Optionen gibt es viele, und zweifellos braucht es spezielle Lösungen für Einzel- und Sonderfälle. Um Ausnahmeregelungen mit dem üblichen Missbrauchspotential wird man kaum herumkommen. Aber fest steht: Es muss sich etwas bewegen. Eine niedrige Erbschaftssteuer können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten.

von Gerrit Wustmann
4 Kommentare

4 Kommentare

  1. NN
    29. Februar 2016, 15:44

    Leider steht mein Elternhaus in München.
    Leider deswegen, weil das Haus mir wahrscheinlich nie gehören wird. Ich werde mir die Erbschaftssteuer nie leisten können.
    Meine Eltern haben das Häuschen in den 60ern günstig gekauft, schön renoviert, der Wertanstieg war rasant.
    Nur: wenn ich dereinst selbst drin wohnen möchte, weil ich daran hänge, nützt mir der Wert gar nichts, im Gegenteil: die Freibeträge reichen in München gerade mal für eine kleine Wohnung, bei einem Häuschen ist die Erbschaftssteuer so hoch, dass ich verkaufen muss.

    Ich würde es verstehen, wenn ich viel bezahlen müsste, sollte ich das Haus verkaufen.

    Aber die Erbschaftssteuer alleine am Wert festzumachen, ist in meinem Fall nicht wirklich fair.

  2. Jean Leques
    6. März 2016, 11:07

    Ich frage mich schon seit gefühlt zwanzig Jahren + was um alles in der Welt an so einer Steuer ( Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer ) auch nur im geringsten gerecht oder fair sein soll.

    Es geht um Vermögen und Grundbesitz der irgendwann ja einmal verdient worden sein muss und was um alles in der Welt haben andere Leute ( hier das Volk gemeint ) denn bitteschön damit zu tun geschweige denn der Fiskus.

    Sowohl fürs Vermögen als auch für den Grundbesitz zahlt man ja Steuern , also warum sollen dann den Erben bei Übernahme der Beiden weitere Steuern aufgemünzt werden.

    Ausserdem führen solche Regelungen seit Zeiten ( bis tief in die 70er zurück ) selbst bei Menschen aus der mittleren und unteren Arbeitsschicht für Kopfschütteln und Unverständnis.

    Bspl Schenkungssteuer. Eine Oma hat über 4 Jahrzehnte gespart und moechte Ihrem enkel gerne etwas schenken und dafür soll nun eine Steuer anfallen, bzw. es fällt ja eine an. Das geht gar nicht! ! ! !

    Bitte erpart uns nach allem was zur Zeit los ist solche weiteren tiefgreifenden Einschnitte. Was dabei rjumkommt sieht man auch sehr schön an meinem Vorschreiber über mir!

    Wozu soll man überhaupt noch Eigentum oder dergleichen erarbeiten wenn am Ende doch alles nur fürn…… ist ? ? ?

    Unfassbar was auch die o.e. Ökonomen usw da aussprechen und ausmachen!

    Legt mal die richtigen Hebel um die für eine bessere soziale Gerechtigkeit und Verteilung des Gelds sorgen, die hier genannten Optionen sind es sicherlich nicht.

    Ich sehe sie als Verbrechen am Volke an!

  3. Harzer
    8. März 2016, 10:56

    Eine Erbschaftssteuer von 90% mit Freibetrag von nur 300.000€ ist vermutlich kontraproduktiv. dann würden als aller erstes die Immobilienpreise sofort ins Bodenlose falle. Praktisch jeder „Erbe“ müßte ja verkaufen, um Steuer bezahlen zu können. In der Folge wäre es für jeden Bürger (künftiger Erblasser) ja völlig uninteressant Geld in seine Immobilie/Firma zu stecken, weil er ja weiß, daß es nach seinem Tode eh vom Staat geschluckt wird.
    Damit wäre jeglicher Erwerbstrieb (der Grundlage der Wirtschaft ist) zerstört. FALSCHER WEG.
    Richtiger wäre das Kapitaleinkommen zu besteuern, nicht den vorhandenen Wert. Beispiel: Ein reicher Mensch hat im Jahr 100.801€ Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, etc.) Dieser Reiche hat als Lediger 801€ der Kapitalerträge frei und muß heute 25% Kapitalertragssteuer auf 100.000€ bezahlen. Das geht auch noch automatisch OHNE Steuerberaterkosten, und macht 25.000€ aus. Ein Arbeitnehmer, der auch 100.801€ zu versteuerndes Einkommen erzielt, muß heute 33.761€ Steuer + seinen Steuerberater bezahlen. ARBEITSEINKOMMEN wird also höher besteuert, als Kapitaleinkommen1 Das ist Ursache dafür, daß die „Schere“ immer weiter aufgeht und gehört sofort abgeschafft!

  4. Anonymous
    6. April 2019, 19:55

    Ludwig E.S.

    Viel kaufen und wegschmeißen ist für diesen Planeten ungesund.
    Teure Produkte herstellen in diesem Land , die langlebig sind, damit werden die Müllhalden nicht immer mehr belastet. Im Ausland werden keine richtigen Löhne gezahlt und es werden billige Produkte hergestellt und belasten mit dem Transport die Umwelt und die Rohstoffe
    gehen schneller zu Ende. Bei 90 % Erbschaftsteuer werden wir die Unternehmer in diesem Land verlieren und der Arbeitnehmer
    kann dann bei Staat betteln, falls einer das System der DDR
    verstanden hat. Warum wollen Leute in dieses Land ? Warum
    geht ein Bauherr ein Risiko ein, wenn das Mehrfamilienhaus
    nicht in der Familie bleiben kann, er baut gar nicht, zum Nachteil
    fürr Mieter und Handwerker. Bitte mal andere Länder ansehen….

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