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Das kleine 1×1 Arbeitsrecht: Schwarzarbeit
Schwarzarbeit ist illegal. Und trotzdem weit verbreitet. Sei es die systematische Umgehung von Sozialabgaben durch Arbeitgeber. Sei es der kleine Job, der nebenbei für Bargeld erledigt wird. Sei es von Menschen, die es einfach nicht einsehen, Steuern zu zahlen. Doch wo beginnt die Schwarzarbeit? Ist es schon strafbar, dem Nachbarn bei der Renovierung zu helfen und dann ein paar Euro anzunehmen?
von Gerrit Wustmann
Das kleine 1×1 Arbeitsrecht: Schwarzarbeit. Vor allem Handwerksarbeiten werden oft am Fiskus vorbei gezahlt.
© Bozidar Jokanovic/thinkstock

Im Grunde kennt das jeder, wenn nicht von sich selbst, dann wenigstens aus dem Bekanntenkreis. Die Putzhilfe wird schwarz bezahlt. Da verdient sie unterm Strich mehr, ist aber nicht sozialversichert und auch bei Arbeitsunfällen kann es für alle Beteiligten empfindlich teuer werden. Oder wenn am Haus mal eben eine Handwerksarbeit erledigt werden muss und man sich denkt: Das macht Kumpel XY doch für einen Zwanziger auf die Hand. Letzteres sehen viele Menschen nicht mal als Schwarzarbeit an. Dabei handelt es sich mindestens um einen Graubereich.

Was ist illegale Schwarzarbeit?

Grundsätzlich gilt: Es ist nur dann Schwarzarbeit, wenn eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Wenn also ein Freund oder Angehöriger beim Renovieren hilft, das eine einmalige oder seltene Angelegenheit ist und man sich mit einem Kasten Bier, einer Einladung zum Abendessen oder einem kleinen Geldbetrag revanchiert, dann ist das in aller Regel keine Schwarzarbeit und damit völlig legal.

Anders sieht es aus, wenn der Helfer, der im Badezimmer mit anpackt, gelernter Fliesenleger ist, diesen Beruf auch ausübt oder ausgeübt hat, und solche Aushilfstätigkeiten gegen Geld regelmäßig übernimmt, ohne sie offiziell abzurechnen. Dann muss man sicher davon ausgehen, dass Schwarzarbeit vorliegt.

Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, warum Schwarzarbeit so beliebt ist. Auf Seiten des Auftraggebers: Um Geld zu sparen. Handwerkliche Leistungen plus Material sind in Deutschland alles andere als billig. Der Grund für die hohen Stundensätze sind oft hohe Steuern, Abgaben und Versicherungen. Wer schwarzarbeiten lässt, spart deutlich. Und der Schwarzarbeitende hat mitunter am Ende des Tages mehr Geld in der Kasse, trotz niedrigerem Stundensatz. Gerade für Menschen, die sonst eher wenig verdienen, kann sich Schwarzarbeit unter diesem Aspekt also lohnen.

Schwarzarbeit birgt enorme Risiken

Was man aber nicht vergessen darf: Absprachen oder Verträge sind unter diesen Bedingungen unwirksam. Macht der Arbeiter Fehler, hat man keine Handhabe, um Ersatz zu fordern. Und passiert während der Arbeit ein Unfall, springt keine Versicherung ein. Das Risiko, dass das Schnäppchen nach hinten losgeht und einen Rattenschwanz an Kosten und juristischen Untiefen hinter sich herzieht, ist enorm.

Weit verbreitet ist auch der Sozialleistungsbetrug, also bezahlte Arbeit trotz Bezug von Sozialleistungen (z.B. „Hartz IV“). So gibt es beispielsweise Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dass ein Teil des Lohnes inoffiziell ausgezahlt wird, damit der Anspruch auf aufstockende Sozialleistungen bestehen bleibt. Der Arbeitnehmer hat dadurch spürbar mehr Geld zur Verfügung, während der Arbeitgeber viel Geld spart, denn einen Teil des Lohnes übernimmt der Steuerzahler ungewollt. Solches Verhalten ist strafbar, vor allem auf den Arbeitgeber können horrende Nachforderungen an Sozialabgaben zukommen.

Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass jährlich etwa 15 % der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung schwarz erbracht werden, was massive Verluste der Steuer- und Sozialkassen zur Folge hat und so letztendlich die gesamte Gesellschaft schädigt.

von Gerrit Wustmann

1 Kommentare

  1. Oma
    3. Januar 2017, 15:09

    Mein Arbeitgeber zieht mir täglich eine Stunde ab um so weniger Sozialabgaben zu zahlen. Das ist eine ganze Menge bei ca 150 Mitarbeitern und 20 Schichten im Durchschnitt. Sicherheitsgewerbe

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