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Wie flexibel sind deutsche Arbeitnehmer?

Das Zauberwort in fast allen Stellenanzeigen lautet: Flexibilität. Die Arbeitnehmer sollen zeitlich immer zur Verfügung stehen und für den Job auch umziehen. In eine andere Stadt oder gar ein anderes Land. Eine neue Studie zeigt: Das stößt auf wenig Gegenliebe.

Wie flexibel sind deutsche Arbeitnehmer?

©Andriy Popov / 123rf

Vorbei sind die Zeiten, da man nach Ausbildung oder Studium einen Job bekam, den man dann am selben Standort bis zur Rente durchziehen konnte. Dabei hatte das seine Vorteile. Zum einen hatte man eine relative Sicherheit, konnte planen, sesshaft werden, eine Familie gründen. Auch die Löhne reichten meist noch aus, um sich all das leisten zu können. Umzüge in andere Städte kamen meist aus freien Stücken zustande. Zugegeben, das ist alles auch ein wenig langweilig. Aber Umfragen zeigen, dass den meisten Menschen etwas Langeweile ganz recht ist, wenn damit Sicherheit einhergeht.

Fast zwei Drittel zeigen sich flexibel

Doch die Zeiten haben sich geändert. Zwar sind so viele Menschen in Deutschland beschäftigt wie nie zuvor. Das liegt aber nicht zuletzt am massiven Ausbau so genannter atypischer Arbeitsverhältnisse: Schlecht bezahlte Jobs haben seit der Jahrtausendwende und dann mit der Agenda 2010 deutlich zugenommen, ebenso befristete Stellen. Gerade junge Menschen gewöhnen sich daran, dass es für sie keine Planungssicherheit mehr gibt. Dazu gehört auch ein stabiles soziales Umfeld am Wohnort. Zwischen 20 und 30 gibt es noch viele, die Stadt oder Land wechseln, doch je älter man wird, desto schwieriger gestaltet sich das.

Eine Studie der ManpowerGroup Solutions wollte nun ermitteln, wie die Haltung der Arbeitnehmer in unterschiedlichen Ländern zum Thema Flexibilität ist. Dazu wurden weltweit 14.000 Personen befragt, welche Kriterien für sie entscheidend sind, wenn es um eine neue Stelle geht. Das Ergebnis in Deutschland: 38 Prozent, also fast jeder vierte Arbeitnehmer, schließt einen berufsbedingten Umzug aus. Das klingt auf den ersten Blick nach einer hohen Zahl. Es bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass mehr als 60 Prozent durchaus bereit sind, für ihren neuen Arbeitgeber den Wohnort zu wechseln.

Frauen würden eher ins Ausland gehen als Männer

Höher ist die Zahl nur in Großbritannien: Dort würden 42 Prozent nicht umziehen, um einen neuen Job zu bekommen. Am flexibelsten sind demnach die Spanier, wo 79 bereit wären, den Wohnort zu wechseln. Das dürfte aber auch mit der katastrophalen Arbeitsmarktlage in dem Land zu tun haben. In China und den USA sind jeweils rund ein Drittel eher unflexibel. Der weltweite Durchschnittswert liegt bei 29 Prozent.

Interessant ist auch die Aufteilung der Branchen: Während 79 Prozent aller IT-ler sich einen Umzug vorstellen können, können es nur 39 Prozent aller Behördenmitarbeiter. Man kann das als Bestätigung von Vorurteilen gegenüber Beamten verstehen. Nach Altersklassen aufgeschlüsselt ergibt sich ein wenig überraschendes Bild: Während junge Menschen unter 34 überwiegend flexibel sind, kann sich die Generation zwischen 50 und 65 damit weniger anfreunden. Und es gibt auch Geschlechterunterschiede. Deutlich mehr Männer (30 Prozent) als Frauen (24 Prozent) ziehen den Wechsel in eine andere Stadt in Erwägung. Wenn es aber um den Wechsel ins Ausland geht, zeigen Frauen (20 Prozent) deutlich mehr Mut als Männer (13 Prozent).

28. Juli 2017 21:58 Uhr
Anonymous

„38 Prozent, also fast jeder vierte Arbeitnehmer“
Nachhilfe in Mathe an den Verfasser, 38% sind mehr als jeder dritte. Oh man…

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