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Weniger Privatinsolvenzen in Deutschland
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im Laufe des Jahres 2016 erneut zurückgegangen – zugleich sind aber immer mehr alte Menschen überschuldet. Das geht aus den Zahlen des aktuellen Schuldenbarometers hervor.
von Gerrit Wustmann
Weniger Privatinsolvenzen in Deutschland
© ginasanders / 123rf

Das Schuldenbarometer der Wirtschaftsauskunftei Bürgel analysiert Jahr für Jahr, wie es um die Finanzen der deutschen Haushalte steht. Im Jahr 2016 sind die Privatinsolvenzen zum sechsten Mal in Folge gesunken. Dennoch ist ihr Stand hoch: Noch immer meldeten mehr als 100.000 Privatpersonen Insolvenz an. Im Jahr 2010 waren es allerdings noch rund 140.000. Der Rückgang dürfte unter anderem der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt geschuldet sein. Die meisten Privatinsolvenzen gibt es in Nordrhein-Westfalen (23.588), wo zugleich aber auch ein mit 8,1 Prozent vergleichsweise hoher Rückgang zu verzeichnen war. Steigende Zahlen gab es nur in Bremen und Thüringen.

Ältere Menschen sind öfter verschuldet

„Auch wenn die Gründe für eine Verschuldung unterschiedlich und individuell sind, ist Arbeitslosigkeit der häufigste Grund für eine Verbraucherinsolvenz. Die Formel ist daher einfach. Wenn die Beschäftigtenzahlen steigen, sinken die Zahlen der Privatinsolvenzen“, kommentiert Bürgel-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum. Er weist allerdings auch darauf hin, dass viele Bürger keine Insolvenz anmelden, obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten, ihr Einkommen aber so niedrig ist, dass es ohnehin nicht pfändbar wäre. Die Insolvenz-Zahlen geben folglich nicht die tatsächliche Gesamtzahl aller zahlungsunfähigen Haushalte wieder.

Allerdings gibt es laut der Studie eine Gruppe mit einer weniger positiven Tendenz: Bei älteren Menschen jenseits der sechzig nahm die Zahl der Insolvenzen wieder leicht zu. Im Laufe der letzten fünf Jahre stieg die Gesamtzahl der Insolvenzen in dieser Alterskategorie um fast ein Viertel (23,9 Prozent). Die Analysten von Bürgel sehen das in dem durch Niedriglohnjobs und fragmentierte Erwerbsbiographien begründete steigende Risiko von Altersarmut begründet. Das führt dazu, dass in vielen Fällen die Rente nicht mehr zum Leben reicht und Betroffene sich fast zwangsläufig überschulden müssen – ähnlich wie Arbeitslose.

Arbeitslosigkeit führt oft zu Privatinsolvenz

Man geht zudem davon aus, dass sich dieses Problem in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Das Gegenteil gilt hingegen für die Jüngeren: Bei Menschen zwischen achtzehn und zwanzig Jahren lag der Rückgang sogar bei 16 Prozent. Und auch geschlechterspezifische Unterschiede gibt es: Noch immer werden deutlich mehr Privatinsolvenzen von Männern angemeldet als von Frauen. Die Differenz beträgt fast ein Drittel.

„Zu den Gründen“, heißt es in der Studie, „gehören Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeit, Einkommensarmut, gescheiterte Selbstständigkeit, unwirtschaftliche Haushaltsführung, Veränderungen in der familiären Situation wie Scheidung beziehungsweise Trennung und Krankheit.“ Im Schnitt liege die Höhe der Schulden bei rund 33.000 Euro.

von Gerrit Wustmann

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