Vorsorge

Wann in Rente gehen?

Die Rente mit 63 ist ein voller Erfolg: Schon mehr als 700.000 Arbeitnehmer haben sie in Anspruch genommen. Aber wann ist überhaupt eine gute Zeit, um in den Ruhestand zu gehen? Welche Abschläge sind verkraftbar?

Wann in Rente gehen?

©racorn / 123rf

Wer 45 Jahre lang gearbeitet hat, der kann seit Kurzem schon mit 63 in Rente gehen – ohne Abschläge. Hunderttausende Arbeitnehmer nehmen dies, sehr zum Unmut der Arbeitgeber-Lobby, in Anspruch. Für alle anderen stellt sich aber weiterhin die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Renteneintritt? Denn die Abschläge, wenn man zu früh aus dem Job geht oder nicht genügend Beitragsjahre angesammelt hat, können beträchtlich sein. Wichtig ist auch die Frage, wie viel man verdient hat und ob man die Möglichkeit hatte, Rücklagen zu bilden.

Optimaler Renteneintritt: Nur individuell zu ermitteln

Eine generelle Antwort auf die Frage gibt es folglich nicht. Die Entscheidung ist immer abhängig von der individuellen Situation des Arbeitnehmers. Eine besondere Gruppe sind die Geringverdiener oder Menschen mit einem fragmentierten Erwerbsleben. Deren Zahl steigt aufgrund der Zunahme befristeter und atypischer Beschäftigungsverhältnisse wie der Leih- und Zeitarbeit an. Ihnen droht Altersarmut. Denn selbst wer durchgehend beschäftigt ist, dabei aber lediglich den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro brutto erhält, dessen Rente wird sich ungefähr auf dem Niveau der Grundsicherung bewegen.

Beschäftigte im Niedriglohnsektor oder solche, die mehrfach über längere Zeiträume arbeitslos waren, sollten also schauen, ob sie überhaupt noch die Möglichkeit haben, durch Arbeit ihre Rente über dieses Niveau zu heben. Wenn nicht, dann macht auch der weitere Verbleib im Job wenig Sinn, denn eine Rente unter dem Grundsicherungsniveau wird in jedem Fall aufgestockt. Früher in den Ruhestand zu gehen, bringt also kaum Nachteile mit sich. Wer also mit Ende fünfzig körperlich am Ende ist oder schlicht keine Lust mehr hat, zu arbeiten, der kann sich die Entscheidung leicht machen, wenn seine Rentenerwartung auf das oben Ausgeführte zutrifft.

Einkommen und Rücklagen sind relevant

Dasselbe gilt für Arbeitnehmer, die im Laufe ihres Berufslebens ausreichende Rücklagen bilden konnten. Je nach Höhe der Rücklagen ist es denkbar, dass Abschläge von der Rente zu verkraften sind. Ob das zutrifft, lässt sich relativ einfach ausrechnen. Man nehme den aktuellen Rentenbescheid und errechne, welche Rentenhöhe man zu erwarten hat, wenn man zum Tag X aus dem Beruf geht. Dazu nimmt man die Rücklagen und errechnet, wieviel man davon im Schnitt verbraucht, wenn man zum Beispiel achtzig Jahre alt wird. Wichtig ist hierbei eine grobe Einschätzung der eigenen Lebenserwartung anhand von durchschnittlicher Lebenserwartung, Durchschnittsalter von Familienmitgliedern (Eltern, Großeltern, deren Geschwister), sowie dem eigenen Gesundheitszustand. Unterm Strich erhält man eine einigermaßen verlässliche Zahl. Diese gleicht man mit seinen Ausgaben und der Frage ab, was der eigene Lebensstil im Alter kosten wird. Je höher die Rücklagen, desto eher kann man es sich erlauben, früher in Rente zu gehen.

Wer hingegen gut verdient, es aber nicht geschafft hat, Rücklagen zu bilden, dem bleibt oft kaum etwas anderes übrig, als weiter zu arbeiten. Hier lohnt es sich aber, Optionen wie die Altersteilzeit zu prüfen.

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