Berufsleben

Von Vollzeit zu Teilzeit wechseln oft problematisch

Der Wechsel von einer Vollzeit- in eine Teilzeitstelle ist für viele Arbeitnehmer schwieriger als bislang angenommen. Vor allem Männer haben Probleme, wenn sie ihre Arbeitszeit verkürzen wollen. Das ergab eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Von Vollzeit zu Teilzeit wechseln oft problematisch

©Maria Dobrydneva / 123rf

Es kann viele Gründe geben, aus denen man seine Arbeitszeit verkürzen möchte. Sei es, dass man sich mehr der Familie widmen will, gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, einen Vollzeit-Job zu bewältigen, ob man in Eltern-Teilzeit gehen oder einfach mehr Freizeit genießen will. Grundsätzlich steht diese Option immer offen – in Absprache mit dem Arbeitgeber. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Hans-Böckler-Stiftung untersuchte, welche Probleme Arbeitnehmer beim Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit haben.

Qualifikation bestimmt über Entscheidungsfreiheit

„Betriebliche Faktoren beeinflussen wesentlich, ob die Nutzung von Arbeitszeitoptionen akzeptiert und unterstützt oder ob ihre Inanspruchnahme verwehrt oder behindert wird. Zwar können Ansprüche auf Elternzeiten und zeitweilige Freistellungen meist realisiert werden. Andere Arbeitszeitoptionen, wie die Reduzierung oder Aufstockung der Arbeitsstunden, sind aber nur teilweise umsetzbar und akzeptiert“, heißt es in der Zusammenfassung.

In der Untersuchung wurden 121 Interviews mit Arbeitnehmern in unterschiedlichen Branchen und Experten geführt. Dabei waren Polizisten, sowie Angestellte in Krankenhäusern und Industriebetrieben. Ein Drittel der Befragten arbeitet im Schichtbetrieb, darunter waren 19 Teilzeitbeschäftigte, fast durchweg weiblich.

Teilzeit ist weiblich

Deutlich wird, dass die Wahlfreiheit bezüglich der Arbeitszeit geringer ist, je geringer qualifiziert die Beschäftigten sind und je weiter unten sie sich in der betrieblichen Hierarchie befinden. In jenen Ebenen, in denen der Wechsel zur Teilzeit ohne größere Probleme möglich ist, zeigt sich: Teilzeit ist überwiegend weiblich. Von Männern wird noch immer angenommen, dass sie üblicherweise in Vollzeit arbeiten, weshalb sie es deutlich schwerer haben, zu wechseln. Aber auch für Arbeitnehmer, die in Spitzenpositionen arbeiten, ist der Wechsel oder einfach die Reduzierung der Stundenzahl oft problematisch, was mitunter für Frust und Unzufriedenheit sorgt.

„Am ehesten gibt es Optionalität in der Mitte der betrieblichen Hierarchie,“ heißt es, „während der betriebliche Verfügbarkeitsanspruch gegenüber Hochqualifizierten am oberen Ende der Hierarchie die Optionalität ihrer Arbeitszeiten empfindlich einschränkt. Auf unteren Hierarchiestufen können zwar gesetzliche Rechte wie Elternzeit oder Bildungsurlaub in der Regel problemlos in Anspruch genommen werden, aber bei der Arbeitszeitdauer dominieren Arbeitgeberinteressen.“

Im Klartext: Wer erfolgreich ist, hat zuviel zu tun. Wer erfolglos ist, ist dem Arbeitgeber ausgeliefert. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass die vielfach von Arbeitnehmern geforderte Flexibilität keine Rolle mehr spielt, wenn Flexibilitätswünsche den Plänen des Unternehmens in die Quere kommen.

Die komplette Studie finden interessierte Leser HIER.

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