Vorsorge

Verdi: Hälfte der Deutschen droht Altersarmut

Die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm: Laut einer neuen Studie droht der Hälfte der deutschen Bürger Altersarmut, wenn die Bundesregierung ihren Kurs in der Rentenpolitik nicht korrigiert.

Verdi: Hälfte der Deutschen droht Altersarmut

©gopixa / 123rf

Das beherrschende Thema im Bundestagswahlkampf sind die Steuern: Fast alle Parteien wollen die Bürger entlasten, sei es über Senkungen bei der Einkommenssteuer oder in Form von Subventionen. Die Rente hingegen zählt nicht zu den heißen Themen. Während die CDU keine Korrekturen für notwendig hält, will die SPD bis 2030 ein Rentenniveau von mindestens 43 Prozent garantieren. Heute sind es 48 Prozent. Damit dass funktioniert, müssten die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung wahrscheinlich auf 22 Prozent angehoben werden. Die Bürger sollen also mehr zahlen um weniger zu bekommen.

Altersarmut auch bei 45 Beitragsjahren

Beide Parteien setzen weiterhin auf private Zusatzvorsorge. Gerade für Geringverdiener ist das meist keine gangbare Option, zumal sich gehypte Produkte wie Riester längst als Milliardengrab für die Bürger und Milliardengeschenk für die Versicherungsindustrie erwiesen haben.

Die Gewerkschaft Verdi hat nun anhand der derzeitigen Einkommensverhältnisse errechnet, welche Rentenerwartung die Deutschen hätten, wenn sich nichts ändert. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Knapp die Hälfte der Bevölkerung hätte dann selbst bei 45 Beitragsjahren nur eine Rentenerwartung in Höhe der Grundsicherung. Viele Geringverdiener sowie Menschen mit fragmentierten Erwerbsbiografien und weniger Beitragsjahren wären im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen.

Verdienst von unter 2500 Euro würde zu Grundsicherungsrente führen

„Wer unter 2.500 Euro im Monat verdient, dem droht bei abgesenktem gesetzlichen Rentenniveau von 43% eine Rente in Bereich der Grundsicherung. Fast die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland, nämlich 44%, verdienen unter 2.500 Euro brutto im Monat“, heißt es bei Verdi. Und daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Nicht nur die Schwächung der gesetzlichen Rente verursacht Probleme, sondern auch die in vielen Branchen lange stagnierenden Löhne. Im Osten ist die Lage demnach noch deutlich dramatischer als im Westen Deutschlands. Auch die mehr als fünf Millionen Minijobber haben, sofern sie nicht nur vorübergehend geringfügig beschäftigt sind, schlechte Aussichten fürs Alter. Dasselbe gilt für Arbeitnehmer, die dauerhaft nur den Mindestlohn erhalten.

Als Datenbasis verwendete das im Auftrag von Verdi arbeitende Eduard Pestel Institut für Systemforschung den Mikrozensus 2015. Zukünftige mögliche Lohnentwicklungen nach oben oder unten sind folglich nicht einbezogen. Aber selbst steigende Löhne dürften sinkende Renten nur leicht abmildern. „Die Regierung muss handeln“, fordert die Gewerkschaft. „Diese Rentenerwartungen sind armutsgefährdend für weite Teile der Bevölkerung, auch der Mittelschichten“, warnt Verdi-Chef Frank Bsirske und fordert höhere Löhne sowie ein Ende der „Tarifflucht“. Sie dürfe sich für Unternehmen nicht mehr rechnen.

Eine fundamentale Reform wie die Pflichtversicherung für alle kombiniert mit der Streichung der Beitragsbemessungsgrenze wagt aber auch Verdi nicht zu fordern. Dabei würde solch eine Reform die gesetzliche Rente stabilisieren, zudem wären Senkungen des Beitragssatzes möglich.

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