Studienkredite – Welche sind wirklich gut?
Eine gute Ausbildung kann teuer werden, doch auf lange Sicht lohnt sich die Investition. Oft müssen neben den Studiengebühren aber auch ein eigene Wohnung, Fahrt- und Lebenshaltungskosten finanziert werden. Wie lässt sich das bewerkstelligen?
von Johanna Schödel
© gpointstudio/thinkstock

Für Studenten, die dies nicht durch Hilfe vom Elternhaus, staatliche Förderung, ein Stipendium oder einen Nebenjob bestreiten können, ist ein Studienkredit eine mögliche Lösung. Immerhin sechs Prozent der Studierenden nutzen bereits diese Möglichkeit, um ihr Studium zu finanzieren – Tendenz steigend.

Verschiedene Kriterien berücksichtigt

Aktuell hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) 29 Anbieter von Studienkrediten und Bildungsfonds unter die Lupe genommen, um Interessenten bei der richtigen Entscheidung zu unterstützen.

Bei dieser Untersuchung wurde eine grundsätzliche Unterscheidung vorgenommen zwischen allgemeinen Studienfinanzierungsangeboten und Angeboten, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind.

Finanzierung-des-Studiums-durch-Kredite-Ursachen

Die Statistik zeigt die häufigsten Gründe für die Aufnahme eines Studienkredits.

Zu letzteren zählen Studienbeitragsdarlehen, solche Darlehen finanzieren lediglich die anfallenen Ausbildungsbeiträge über einen klassischen Kredit. Aber auch Überbrückungs-, Zwischen- und Abschlussfinanzierungs-kredite gehören in diese Kategorie. Diesen Kredite helfen bei der Überbrückung temporärer finanzieller Engpässe, zum Beispiel vor dem Examen. Und auch Bildungsfonds sind an bestimmte Bedingungen geknüpft: Sie richten sich an ausgewählte Studenten. Bildungsfonds müssen mit Beginn der Arbeitsaufnahme als festgelegter Prozentsatz des Einkommens zurückbezahlt werden.

Als Bewertungskriterien dienten Kosten, Zugang, Kapazität, Flexibilität sowie Risikosicherheit. Somit gibt es aufgrund zielgruppenspezifischer Details auch nicht “den einen” besten Anbieter.

An der Spitze: Brain Capital und das Bundesverwaltungsamt

Dennoch lassen sich anhand der Kriterien durchaus mehr oder weniger empfehlenswerte Studienkredite ermitteln. Ganz oben stehen (unter Berücksichtigung der verschiedenen genannten Dimensionen) der LL.M.-Bildungsfonds von Brain Capital, der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts und das zinslose Studiendarlehen der Studentenwerke in Nordrhein-Westfalen.

Ebenfalls gut schnitten die Deutsche Bildung Studienförderung, die Festo Bildungsfonds und der Studentenkredit der Sparkasse Herford sowie das Studienabschlussdarlehen der Studentischen Darlehenskasse Berlin ab.

Wenig Vorteile: Darlehen etlicher Studentenwerke und von der KfW

Enttäuschend zeigten sich dagegen in der Auswertung die Angebote verschiedener Studentenwerke und der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), der größten nationalen Förderbank der Welt.

Lediglich in einer von fünf Kategorien schnitten das Studienabschlussdarlehen des Studentenwerks Hannover, das Überbrückungsdarlehen  des Studentenwerks Mannheim, der Darlehensfonds  des Studentenwerks Schleswig-Holstein oder auch das Examensdarlehen vom Studierendenwerk Hamburg gut ab.

Auch die Bewertung des KfW-Studienkredits, das nur in zwei Kategorien positiv eingestuft wurde, sollte zum Anlass genommen werden, sich vor der Aufnahme eines Studienkredits ganz genau zu informieren. Denn ausgerechnet die staatliche KfW ist der größte Anbieter auf dem Markt. Mit über 33.000 Vertragsabschlüssen im vergangenen Jahr – was 56 % der gesamten Abschlüsse ausmacht. Defizite wurden im Angebot der KfW vor allem in den Bereich Kosten (mit einem effektiven Zinssatz von 3,3 %), Kapazität und Flexibilität ausgemacht. Ein großes Manko ist außerdem der Ausschluss von Auslandssemestern.

Signifikant unterschiedliche Kosten

In Bezug auf die Kosten hält Ulrich Müller, Autor der CHE-Auswertung fest: “Eine Betrachtung der Zinsspannweite verdeutlicht, dass die verschiedenen Studienkreditangebote hier deutlich abweichende Folgekosten verursachen.”

Diese Kosten variierten je nach Anbieter zwischen 0,0 – 6,49 % bzw. sind an eine einkommensabhängige Rückzahlung gekoppelt.

Allerdings sollte jeder Studierende nicht nur die Anbieterseite im Auge haben, sondern zuallererst den eigenen Bedarf genau analysieren. Auf dieser Basis lassen sich anschließend die individuell passenden Angebote vergleichen.  Hilfreich dazu ist die komplette Auswertung des CHE.

von Johanna Schödel
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