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Risikokandidaten bei der Lebensversicherung
In den Augen der Versicherungsgesellschaften gibt es Menschen, die prädestiniert sind für einen frühen Tod. Wer raucht, übergewichtig ist, oder einem Extremsport nachgeht, muss beim Abschluss einer Risikolebensversicherung tiefer in die Tasche greifen als der Nichtraucher, der sich mit moderatem Sport fit hält. Aber wie genau kalkulieren die Versicherer eigentlich? Und kann man die Höhe des Tarifs beeinflussen?
von Charlotte Ruzanski
Risikokandidaten bei der Lebensversicherung. Wer einer riskanten Sportart wie Eisklettern nachgeht, den erwarten hoehere Tarife bei der Risikolebensversicherung.
© Digital Vision/thinkstock

Theoretisch kann man bei einigen Anbietern einen guten Schutz zu einem geringen Tarif bekommen. Leider stehen hinter den niedrigen Beiträgen viele Sternchen, die das große Aber verstecken. Das Prinzip der Lebensversicherung funktioniert so, dass Versicherte mit einem höheren Sterberisiko auch höhere Beträge berappen müssen. Eine logische Konsequenz, denn immerhin ist die Gefahr für die Versicherer bei solchen Kunden höher, dass sie noch während der Vertragslaufzeit eine hohe Summe an die Hinterbliebenen auszahlen müssen. Daher werden die Kunden vor dem Vertragsabschluss auf Herz und Nieren geprüft, um auf dieser Grundlage den individuellen Tarif zu ermitteln.

Gut auf die Gesundheit achten

Da die Prämien mit dem Sterberisiko steigen, ist die Gesundheit folgerichtig ein großer Hebel. In der Regel muss der Kunde in spe einen Fragebogen zum Gesundheitsstand und möglichen Vorerkrankungen ausfüllen. Einen ärztlichen Check verlangen nicht alle Versicherer.

Besonders teuer wird es für Raucher. Bis zu drei Mal mehr müssen Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern zahlen.

Wer von seiner schlanken Linie abgewichen ist, muss auch tiefer in die Taschen greifen. Denn für eine Risikolebensversicherung werden Größe und Gewicht der Kunden abgefragt und daraus der Body-Maß-Index (BMI) ermittelt. Fällt dieser zu hoch aus, steigen auch die Versicherungsbeiträge. Immerhin sind die meisten Versicherer hier kulant und berechnen erst ab einem BMI von 30 Mehrkosten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht bereits ab einem Wert von 25 ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Teure Freizeitbeschäftigung

Bekanntermaßen treiben riskante Hobbys die Beiträge für die Lebensversicherung in mitunter schwindelerregende Höhe. Wer sich riskanten Hobbys wie Segelfliegen, Motorradfahren oder Kiten verschrieben hat, wird gerne als kostspieliger Todeskandidat gehandelt.

Nicht alle Hobbys kosten übrigens gleich viel. Erst Extremsportarten, wie beispielsweise Eisklettern oder Fallschirmspringen, machen den Schutz signifikant teurer. Und wer mehrere Extremsportarten betreibt, muss sich für seine Lebensversicherung nicht überschulden. In der Regel wird der Zuschlag nur für den riskantesten Sport erhoben.

Ob eine Beschäftigung im konkreten Fall als riskant eingestuft wird, hängt auch immer vom gewählten Produkt ab und davon, wie intensiv und wo sie ausgeführt wird. Angegeben werden muss sie jedoch in jedem Fall, sogar wenn man ihr nur ganz selten nachgeht.

Kinder bringen Pluspunkte

Neben den Hobbys spielen noch andere Faktoren wie der individuelle Lebensstil, Beruf und Qualifikation eine Rolle.

Umfrage-in-Deutschland-zum-Besitz-einer-privaten-Lebensversicherung-bis-2013
Wie die Statistik zeigt, nimmt die Zahl derer, die eine private Lebensversicherung abgeschlossen haben seit 2010 stetig ab.

Tatsächlich werden bei einigen Versicherungen Büroangestellte mit einer hohen Qualifikation als weniger gefährdet eingestuft als Büroangestellte mit einer geringeren Qualifikation, wie die Wochenzeitung Stern berichtet.

Positiv kann sich der Familienstand auf die Kalkulation der Versicherer auswirken. Wer Kinder hat, senkt automatisch sein Risiko.

Anonym bleiben

Wer auf der Suche nach einer günstigen Risikolebensversicherung ist, ist am besten damit beraten, nicht direkt bei den Versicherern nachzufragen. Mit einer direkten Nachfrage riskiert man, dass die eigenen Daten im System gespeichert und dann für alle Versicherer einsehbar sind – und das mit allen Hinweisen zum persönlichen Risiko.

Die bessere Wahl ist daher ein Versicherungsberater oder -makler. Zwar fällt für diesen ein Honorar an, das in jedem Fall bezahlt werden muss (auch, wenn kein Vertrag zustande kommt), doch der Vorteil ist, dass die eigenen Daten bei einer Risikovoranfrage durch einen Versicherungsberater anonymisiert werden. Auf diese Weise kann man von verschiedenen Anbietern Angebote einholen und so besser vergleichen.

Die Wahrheit genau nehmen

Auch wenn es noch so verlockend scheint, sollte man sich nicht hinreißen lassen beim Antrag ein wenig zu flunkern. Unter Umständen können solche kleinen Unwahrheiten dazu führen, dass die Versicherung im Schadensfall nicht einspringt.

Einen totalen Striptease muss man dennoch nicht hinlegen. Ob jemand in seiner Freizeit Kegeln oder gerne ins Schwimmbad geht, ist für die Risikolebensversicherung nicht relevant. Interessant sind lediglich die Beschäftigungen, die mit einem erhöhten Unfall- oder Gesundheitsrisiko einhergehen.

Und noch ein Vorteil: Für die Versicherungsbeiträge zählt der Status quo zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Wer später neue Hobbys entdeckt oder mit den Jahren übergewichtig wird, muss seine Versicherung darüber nicht in Kenntnis setzen. Nur beim Rauchen gelten andere Regeln: Wer später mit dem Rauchen anfängt, muss das der Versicherung melden.

von Charlotte Ruzanski

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