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Homeoffice: Was ist steuerlich absetzbar?
In Zeiten der Corona-Krise ziehen immer mehr Arbeitnehmer ins Homeoffice um und erledigen ihren Job vom heimischen Schreibtisch aus. Das wirft Fragen um die steuerliche Absetzbarkeit auf. Was wird vom Finanzamt anerkannt und was nicht?
von Gerrit Wustmann
© ake1150sb / iStock

Selbständige sind meist dran gewöhnt. Für Arbeitnehmer ist es eine ganz neue Herausforderung, sich mit dem Homeoffice zu arrangieren. Manche sind schlecht darin, sich selbst zu organisieren. Sie brauchen die Kollegen und das Büro. Andere arbeiten störungsfreier und effizienter und finden im Homeoffice zu einer besseren Work-Life-Balance. Für Letztere gibt es gute Nachrichten: Das Bundesarbeitsministerium erwägt, ein Recht auf Homeoffice einzuführen.

Aber das Homeoffice bringt auch steuerliche Fragen mit sich. Wenn ich ein eigenes Arbeitszimmer und eigene Arbeitsmaterialien einbringe, kann ich das dann von der Steuer absetzen? Die Antwort lautet, wie so oft: Kommt drauf an. Um das Thema Homeoffice und Steuern werden seit Jahren Rechtsstreitigkeiten geführt.

Daher kommt hier der Regelkatalog, an dem man sich orientieren kann:

Das Arbeitszimmer

Das heimische Arbeitszimmer wird nur dann vom Finanzamt anerkannt, wenn es tatsächlich ein separates Zimmer ist, das ausschließlich für die Arbeit genutzt wird. Ein Schreibtisch in der Einzimmerwohnung oder in einem Durchgangszimmer hingegen ist von der steuerlichen Berücksichtigung ausgeschlossen. Das führt zu klaren Nachteilen für alle Menschen, die in kleinen Wohnungen leben oder kein Zimmer übrig haben und den Wohnzimmertisch zum Schreibtisch umfunktionieren müssen. Aber es hilft nichts, sich darüber zu ärgern und es bringt auch nichts, den Rechtsanwalt auf den Weg zu schicken. Denn unzählige Urteile haben diese Sachlage bestätigt. Das gilt auch für die Möbel: Steht der Schreibtisch in der Küche oder im Wohnzimmer, so kann man ihn nicht absetzen. In einem separaten Arbeitszimmer hingegen ist praktisch die komplette bürotaugliche Möblierung – vom Schreibtisch über Stühle, Regale, Schränke und alles, was noch so reingehört – absetzbar.

Die Ausstattung

Anders sieht es zum Glück mit der Ausstattung aus. Jedes Gerät und jedes Produkt, das man braucht, um seinen Job ordnungsgemäß erledigen zu können, kann man von der Steuer absetzen bzw. über mehrere Jahre abschreiben, unter einer Voraussetzung: Man muss das Objekt selbst gekauft haben und dies mit einer Quittung nachweisen können. Dinge, die vom Arbeitgeber gestellt werden, kann man hingegen nicht absetzen.

Aber was fällt alles darunter? Ganz klar: Der Computer, der nur oder fast nur beruflich genutzt wird; ebenso alle Peripheriegeräte wie Scanner, Drucker und Co. Außerdem alle Arbeitsmaterialien wie Papier, Tinte, Stifte, Briefmarken und Briefumschläge und alles, was man sonst so braucht.

Auch das Handy kann, wenn man es nur beruflich nutzt, von der Steuer abgesetzt werden, dasselbe gilt für die Mobilfunkkosten. Die Regel ist aber, dass man sowohl das private Handy als auch den privaten Internetanschluss für die Homeoffice-Zeit sowohl privat als auch beruflich nutzt. In diesem Fall kann man die anteiligen Kosten (also den Teil, der für die berufliche Nutzung draufgeht) steuerlich geltend machen.

Allerdings gesteht das Finanzamt jedem Arbeitnehmer hierfür ohnehin eine Werbungskostenpauschale von 1000 Euro zu, die automatisch bei der Steuererklärung abgezogen wird. Nur wenn man diesen Betrag deutlich überschreitet macht es Sinn, Belege zu sammeln und sie einzeln abzusetzen. Ansonsten übersteigt der bürokratische Aufwand den Nutzen.

Und ein Tipp zum Schluss: Tricksen Sie nicht! Gerade beim häuslichen Arbeitszimmer schauen die Finanzämter sehr genau hin und kommen auch gern mal vorbei, um die Angaben zu überprüfen. Und wenn sich dann herausstellt, dass man ein Arbeitszimmer abgesetzt hat, das gar nicht existiert, kann es ziemlich teuer werden.

von Gerrit Wustmann

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