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Geringe Inflation: Wer gewinnt, wer verliert?
Im Januar war es soweit: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind zum ersten Mal seit der Wirtschaftskrise 2009 wieder gesunken. Für Februar gab das statistische Bundesamt lediglich einen Preisanstieg von 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr bekannt. Was bedeutet die geringe Inflation für die Deutschen?
von Charlotte Ruzanski
Geringe Inflation: Wer gewinnt, wer verliert?. Klare Gewinner der geringen Inflation sind die Konsumenten. Die Kauflaune der Deutschen ist derzeit enorm hoch.
© allensima/thinkstock

Wie bei so vielen Dingen bringt auch die geringe Geldentwertung Gewinner und Verlierer hervor. Wir erklären, wer  profitiert und wer das Nachsehen hat:

Gewinner

Die Verbraucher

An erster Stelle der Gewinner sind die Konsumenten zu nennen. Die sinkenden Preise in den Bereichen des täglichen Lebens machen das Leben in Deutschland günstiger. Ursächlich für den negativen Inflationswert im Januar ( – 0,4 %) war in erster Linie der stark gesunkene Ölpreis.

Inzwischen ist der Ölpreis jedoch wieder auf dem Weg nach oben und die Preise für Sprit und Heizöl ziehen wieder (deutlich) an. Der Spritpreis liegt zwar noch immer in einem sehr gemäßigten Bereich, allerdings nur verglichen mit der Zeit vor dem starken Preisabfall. Wer sich indes an den geringen Spritpreise gewöhnt hat, den schmerzt die Fahrt zur Zapfsäule inzwischen genauso, wie vor dem Preisabfall.

Arbeitnehmer und Rentner

Wer in einer gut verdienenden Branche arbeitet, kann sich ebenfalls über die aktuelle Finanzentwicklung freuen. Denn die geringe Inflationsrate wirkt sich auf den realen Geldzuwachs aus und führt zu einem spürbaren Lohnplus, das natürlich zu einer gesteigerten Kaufkraft führt.

Auch die Rentner profitieren. Denn die gute Lohnentwicklung wirkt sich auf die Rentenerhöhung aus, die deutlich über der Inflationsrate liegt.

Unternehmen

Die verstärkte Kaufkraft der Verbraucher ist natürlich auch für Unternehmen spürbar. Das Plus im Geldbeutel bewirkt, dass die Deutschen in Kauflaune sind. Zusätzlich animieren auch die niedrigen Zinsen zum Geldausgeben. Da sich mit Tages- oder Festgeld ebenso wenig wie mit dem  Sparbuch derzeit kaum nennenswerte Gewinne einfahren lassen, investieren die meisten ihr Geld momentan in Warenwerte.

Immobilienkäufer

Dass Baugeld so günstig ist wie lange nicht, ist kein Geheimnis mehr. Wer ein Haus bauen oder kaufen will, profitiert derzeit von dem niedrigen Zinssatz. Aber auch wer sein Haus schon vor längerer Zeit gekauft hat, kann die Situation zu seinen Gunsten nutzen und den alten, teuren Kredit mit einem günstigeren Kredit ablösen.

Schuldner

Auch die Schuldner stehen auf der Seite der Gewinner – zumindest mit einem Fuß. Denn der niedrige Leitzins drückt die Zinsen, die Banken und Privatpersonen auf Kredite verlangen.

Diese Situation hat dem Bund übrigens auch zur vielbeschworenen „schwarze Null“ verholfen. Denn dank des niedrigen Zinssatzes konnte der Staat alte Schulden durch Umschuldung tilgen, indem alte Schulden, für die immense Zinsen angefallen waren, mit neuen Schulden beglichen werden konnte, die zu einem sehr viel günstigeren Zinssatz aufgenommen wurden.

Verlierer

Schuldner

So wie Schuldner auf  der Seite der Gewinner stehen, müssen sie gleichermaßen zu den Verlierern gezählt werden. Denn im Falle einer Deflation – wie sie von mancher Seite befürchtet wird – steigt der reale Wert der Schulden. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass die Forderungen der Gläubiger schwerer bedient werden können.

Info

Deflation: Sinkendes Preisniveau, d. h. Waren und Dienstleistungen werden stetig günstiger. Folgen sind geringere Gewinnerwartungen von Unternehmen, nachlassende Investitionsbereitschaft und sinkende Güterproduktion. Das wiederum führt zu Betriebseinschränkungen (Kurzarbeit, Entlassungen) und damit wachsender Arbeitslosigkeit.

Arbeitnehmer in Krisenländern

Preisstabilität ist nach Definition der EZB gegeben, wenn sich die Inflationsrate knapp unter 2 % bewegt:

Preisstabilität wird definiert als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr. Preisstabilität muss mittelfristig gewährleistet werden.
EZB-Rat, Oktober 1998

Doch davon sind wir derzeit weit entfernt. Viele Ökonomen warnen aus diesem Grund vor einer möglichen Deflation. Dass es tatsächlich zu einer solchen kommt, ist am ehesten in den Krisenländern zu erwarten. Der Grund dafür ist, dass eine hohe Arbeitslosenquote die Löhne drückt und auch die Gewinne gering bleiben. Bei einer solchen Entwicklung kann die Wirtschaft eines Landes schnell in eine Abwärtsspirale geraten.

Anleger

Dass Anleger zu den großen Verlierern der aktuellen Finanzentwicklung gehören, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Aufgrund der niedrigen Zinsen werfen Spareinlagen so gut wie nichts mehr ab. Wer nennenswerte Gewinne erzielen will, muss sich an riskantere Investitionen wie Aktien oder Fonds wagen – eine Anlagestrategie, die den sicherheitsliebenden Deutschen allerdings deutlich widerstrebt.

von Charlotte Ruzanski

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