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Finanzen: Sind Negativzinsen sinnvoll?
Immer mehr Banken erheben Negativzinsen auf hohe Sparbeträge. Viele Sparer sind darüber empört und fürchten, dass es bald auch Menschen mit weniger Geld treffen könnte. Doch ist diese Angst berechtigt? Und können Negativzinsen auch positive Effekte haben?
von Gerrit Wustmann
Finanzen: Sind Negativzinsen sinnvoll?
© 8vFanI / iStock

Zahlreiche Banken haben im letzten Jahr ihre Gebühren für Privatkunden kräftig angehoben. Hinzu kamen bei bislang mindestens elf Banken in Deutschland Negativzinsen, wie aus einer Liste des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Weitere Banken wollen in Zukunft Negativzinsen erheben oder auch Spareinlagen wie Tagesgeldkonten verteuern. Als Begründung argumentieren sie in der Regel mit den Einlagezinsen, die sie selbst an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen. Die Kosten würden an die Kunden weitergegeben.

Negativzinsen auf hohe Sparbeträge

Bislang trifft es ausschließlich Personen, die sehr viel Geld auf dem Konto haben. 0,3 bis 0,4 Prozent Minuszinsen pro Jahr fallen bei einigen Banken ab einem Guthaben von 100.000 Euro an. Bei anderen liegt die Grenze bei 500.000, 750.000 oder gar erst einer Million Euro. Das heißt: Nur eine recht überschaubare Minderheit der Bankkunden ist betroffen – und diesen steht es frei, zu einer Bank zu wechseln, die keine Negativzinsen veranschlagt. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass weitere Banken in absehbarer Zeit nachziehen werden. Dann bleibt noch eine weitere Alternative: Das Geld anders anzulegen, es in Aktien zu investieren (inklusive des entsprechend höheren Verlustrisikos) oder beispielsweise in Immobilien, die aufgrund der andauernden Preissteigerungen als sichere Wertanlage gelten.

Die Erfindung des Konzeptes der Negativzinsen ist inzwischen gute 100 Jahre alt und geht auf Silvio Gesell zurück. Gesell erkannte im Horten großer Geldbeträge ein Problem, das auch unsere heutige Wirtschaft in Bedrängnis bringt. Eine relativ kleine Gruppe von Personen hortet weltweit immer größere Vermögen an. Das sorgt dafür, dass die Ungleichheit wächst. Letztlich ist dieses Ungleichgewicht ungünstig für die Binnenwirtschaft. Das System von Gesell sah, einfach ausgedrückt, vor, dass Geld sich binnen sehr kurzer Zeit selbst entwertet. Der Gedanke dahinter: Die Angst vor dem drohenden Wertverlust soll das Horten großer Beträge verhindern und stattdessen Investitionen ankurbeln. Je mehr Geld im ständigen Umlauf ist, desto mehr profitiert die Wirtschaft insgesamt – und umso leichter lässt sich Ungleichheit eindämmen.

Verbraucherschützer kritisieren das Konzept

Einen ähnlichen Effekt könnten Negativzinsen auf allzu hohe Sparbeträge haben, wenn sie flächendeckend eingeführt würden. Die Ballung von immensen Vermögen in den Händen weniger Akteure könnte so bekämpft werden.

Verbraucherschützer hingegen sehen das Konzept kritisch. Schon im Jahr 2015 mahnte die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV): „Innerhalb bestehender Verträge sind Negativzinsen für Verbraucher rechtlich unzulässig. Banken können allenfalls bei neuen Verträgen negative Zinsen vereinbaren. Dann aber noch von einem Sparkonto zu sprechen, wäre nicht nur widersinnig sondern auch klar irreführend.“ Das ist nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass Banken versuchen könnten, Negativzinsen auch auf Sparbücher und Girokonten mit kleineren Guthaben zu erheben. Nicht nur, weil es als ungerecht empfunden würde, sondern auch, weil Kleinsparer ohnehin früher oder später ihr Geld reinvestieren.

von Gerrit Wustmann

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