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DGB-Studie: Ausbildungsqualität schwankt
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat seinen jährlichen Ausbildungsreport veröffentlicht und kommt zu ernüchternden Ergebnissen. Demnach schwankt die Ausbildungsqualität in Deutschland erheblich, auch die Zahl der Überstunden ist weiterhin hoch, ebenso psychische Belastungen.
von Gerrit Wustmann
© Michael Kuelbel / 123rf

Die Zahlen sind alarmierend: Nur noch jeder fünfte Betrieb biete überhaupt Ausbildungsstellen. Zudem seien im Jahr 2015 mehr als vierzigtausend Ausbildungsplätze nicht besetzt worden – Rekord seit 1996. „Handlungsbedarf besteht vor allem auf Seiten der Wirtschaft“, folgert der DGB, denn unbesetzt blieben in erster Linie Stellen in Berufen wie dem „Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Lebensmittelhandwerk“, die „nicht gerade für eine gute Ausbildungsqualität“ bekannt seien.

„Es ist wichtig, dass das Engagement der Betriebe bei der Ausbildung nicht nachlässt. Das ist aber nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität der Ausbildungsplätze. In manchen Bereichen zeigen auch die hohen Abbrecherzahlen, dass die Qualität nicht stimmt“, kommentiert Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in einem Grußwort zu der Studie.

Zufriedenheit in bestimmten Berufen sehr niedrig

Während beispielsweise Mechatroniker, Bankkaufleute und Industriemechaniker die Qualität ihrer Ausbildung als gut bewerteten, schnitten Koch-, Maler-, Verkäufer- und Hotelfach-Ausbildungen schlecht ab. Im Mittelfeld liegen Fachinformatiker, Steuerfachangestellte, Tischler, Anlagenmechaniker, Metallbauer und einige weitere. Kriterien bei der Befragung zur Ausbildungsqualität waren Arbeitszeiten, Vergütung und fachliche Qualität. Je größer die Betriebe, so eine Regel, desto größer sei auch die Zufriedenheit. Offenbar tun sich also besonders kleinere Betriebe schwer damit, eine gute Ausbildung zu leisten. Insgesamt hat die Zufriedenheit der Azubis in den letzten zehn Jahren leicht abgenommen. Die Zahl der Überstunden ist zwar deutlich gesunken, mit fast 35% aber noch immer zu hoch. Zugleich soll die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts abgenommen haben.

Besonderes Augenmerk lenkt der DGB auf die psychische Belastung von Azubis und bezieht sich auf eine Studie der Universität Marburg, nach der über die Hälfte aller Azubis „stressbedingt körperliche, emotionale oder kognitive Warnsignale“ schon morgens nach dem Aufstehen zeigten. Neben Zeit- und Leistungsdruck empfinden die Azubis auch lange Fahrtzeiten zum Betrieb, Arbeitszeiten, ständige Erreichbarkeit sowie Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten als belastend. Mehr als ein Drittel derjenigen, die unter hoher Belastung stehen, denken demnach darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Belastende Ausbildungsbedingungen seien „keine Ausnahme“.

Mehr Kontrollen, besserer Arbeitsschutz

Die DGB-Jugend fordert daher einen besseren Arbeitsschutz sowie mehr Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht, um die Gesamtsituation zu verbessern. Zudem müsse immer klar sein, dass eine Ausbildung ein „Lern- und kein Arbeitsverhältnis“ ist. Viele Azubis hätten Probleme, sich Zeit für die Berufsschule zu nehmen und für diese zu lernen. Und es kommt noch immer vor, dass Azubis, die unter 18 Jahre alt sind, mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten müssen, was gegen den Jugendarbeitsschutz verstößt. Ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht sind Überstunden, die weder bezahlt noch mit Freizeit abgegolten werden. Der Verdacht, dass Azubis in einigen Fällen als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, liegt nahe – vor allem auch, wenn sie fachfremde Tätigkeiten übernehmen sollen.

Die Studie präsentiert auch konkrete Fallbeispiele zur Ausbildungsqualität. Darunter eine Auszubildende in einer Bäckerei, die davon berichtet, täglich zehn Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche arbeiten zu müssen. Auch andere berichten von Mobbing, Dauerstress, teils massiven Arbeitsrecht-Verstößen.

Zwar ist der Studie zufolge ein großer Teil der Azubis zufrieden und politische Reformen hätten sichtbare Verbesserungen gebracht. Trotzdem gibt es noch eine nicht zu ignorierenden Vielzahl an Missständen, die letztlich der Außenwirkung von Ausbildungsberufen Schaden zufügen und diese für junge Menschen insbesondere in bestimmten Branchen unattraktiv machen.

von Gerrit Wustmann

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