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Dämmung: Das Haus thermisch betrachtet
Die Bundesregierung legt im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz neue Fördermöglichkeiten für die Gebäudedämmung auf. Um die Fördermittel der KfW zu erhalten ist unter anderem eine Begutachtung durch unabhängige Sachverständige notwendig, wie sie sich im Verband privater Bauherren e. V. (VPB) zusammengeschlossen haben.
von Gerrit Wustmann
Dämmung: Das Haus thermisch betrachtet. Wann lohnt sich die Daemmung eines Hauses?
© Suljo/thinkstock

Doch ob mit oder ohne Förderung: Worauf muss man bei Dämmen achten? Für wen ist eine energetische Sanierung sinnvoll, für wen nicht? BBX sprach mit dem Bausachverständigen und VPB-Experten Dipl.-Ing, Thomas Weber aus Fulda über diese und weitere Fragen.

Dipl.-Ing. Thomas Weber, VPB-Experte
Dipl.-Ing. Thomas Weber, VPB-Experte

BBX: Wann ist Dämmung sinnvoll, wann nicht?

Weber: Rund drei Viertel des Energieverbrauchs im Privathaushalt entfallen aufs Heizen – ärgerlich, wenn ein Großteil der Wärme dann ungenutzt nach außen entweicht. Energiesparen ist also immer sinnvoll. Umfangreiche Maßnahmen wie eine Fassadendämmung rechnen sich dabei gerade dann, wenn sowieso Sanierungsbedarf besteht und beispielsweise ein Gerüst für Dacharbeiten aufgestellt werden muss. Mit welchen Dämm-Maßnahmen Sie am effektivsten Heizkosten einsparen, unterscheidet sich von Haus zu Haus. Sie müssen Ihr Haus thermisch als Gesamtgebilde betrachten. Einzelmaßnahmen sind da weniger effektiv. Lassen Sie deshalb immer zunächst ermitteln, welche Maßnahmen für Ihr Zuhause sinnvoll sind.

BBX: Was ist von der aktuellen Panikmache in der Presse zu halten? Der Spiegel bezeichnete die energetische Sanierung unlängst als „Volksverdummung“ …

Weber: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Wichtig und richtig ist in jedem Fall: Bei der energetischen Sanierung und auch bei der Dämmung kann viel schiefgehen, wenn es falsch angepackt und umgesetzt wird. Deshalb muss energetische Sanierung wirklich von Experten geplant werden! Jedoch ist eine fachgerechte vollumfängliche Wärmedämmung die einzige Möglichkeit, den Energiebedarf eines Hauses nachhaltig zu verringern.

BBX: Wie dämmt man effizient, worauf kommt es an? Außen- oder Innendämmung? Dichte Fenster?

Weber: Je besser die energetische Sanierung geplant und baulich umgesetzt ist, umso effizienter ist sie, egal, wo der Schwerpunkt liegt. Sie brauchen zunächst einmal eine komplett firmen- und produktneutrale, also unabhängige Beratung. Jemand, mit dem Sie besprechen, was Sie vorhaben, welchen Nutzen und wirtschaftlichen Vorteil Sie sich davon erhoffen und wie viel Sie investieren möchten. Es ist ja nicht ganz unwichtig zu klären, was eine doch recht teure Maßnahme Ihnen bringt und wann sie sich amortisiert. Am besten suchen Sie sich einen unabhängigen Sachverständigen und Energieberater. Das ist wichtig, denn schließlich müssen die geplanten Maßnahmen technisch, rechnerisch wie auch von der Montage her aufeinander abgestimmt werden. Das muss einer in der Hand behalten. Außerdem gibt es ja viele verschiedene Zuschüsse. Um die zu bekommen, müssen Sie aber bestimmte Bedingungen erfüllen und deren Einhaltung auch nachweisen. Auch dazu brauchen Sie einen unabhängigen Experten. Es lohnt sich also, jemanden hinzuzuziehen, der für Sie das ganze Haus im Blick hat und nicht nur ein einzelnes Gewerk.

Bei Altbauten lohnt sich die Investition schnell

BBX: Können sich die Kosten überhaupt amortisieren?

Weber: Ja, natürlich. Beim Altbau kommt es sehr darauf an, in welchem Zustand das Haus ist. Handelt es sich um eine heruntergekommene Altimmobilie, die ohnehin ringsum aufwändig saniert werden muss, dann fällt neben Gerüst, neuem Putz und diffizilen Anschlussarbeiten der Preis für die Wärmedämmung nicht nennenswert ins Gewicht. Dann rechnet sich die Investition schnell. Das entspricht allerdings nicht der Realität. Unseren Erfahrungen als VPB-Berater nach möchten die meisten Hausbesitzer etwas für die Umwelt tun und entschließen sich deshalb zur Dämmung. Meist ist ihr Haus gepflegt und gut in Schuss. Eine Außensanierung wäre nicht nötig. In solchen Fällen rechnen sich Wärmedämmverbundsysteme dann tatsächlich nicht oder zumindest erst nach sehr langer Zeit. Generell gilt: Werden alte und defekte Dinge ersetzt, amortisiert sich das viel schneller. Besitzer gepflegter Immobilien sollten deshalb auch Alternativen erwägen, wie zum Beispiel eine neue Heizung. Darüber, was sich für sie lohnt und was zum Haus passt, sollten sie sich vom unabhängigen Experten firmen- und produktneutral beraten lassen – nicht vom Handwerker, denn natürlich neigt der Fassadenbauer dazu, das Wärmedämmverbundsystem zu empfehlen, während der Heizungsinstallateur die Heizung favorisiert.

Bundesweit sind nur vier Fälle bekannt, bei denen Wärmedämmung abbrannte. In drei Fällen befand sich das Haus noch im Bau.

BBX: Stimmt es, dass bei gedämmten Häusern die Schimmelgefahr steigt?

Weber: Nach einer fachgerechten Wärmedämmung der Außenwände sinkt das Risiko, Schimmelschäden zu bekommen, weil durch die äußere Wärmedämmung die innere Oberflächentemperatur ansteigt. Wenn jedoch als alleinige „Dämm-Maßnahme“ lediglich die Fenster getauscht oder das Dach gedämmt wird, dann kann es zu Schimmel kommen. Deshalb muss, sobald 30 Prozent der Fassadenflächen und der Dachfläche eines Hauses gedämmt werden, nach DIN 1946 Teil 6 „Lüftung in Wohnungen“ ein sogenanntes Lüftungskonzept erstellt werden. Darin wird geprüft, wie der hygienisch notwendige Luftwechsel zum Feuchteschutz in den Wohnräumen garantiert wird. Reicht lüften nicht mehr aus, um die Feuchtigkeit aus der Wohnung zu transportieren, dann muss eine Lüftungsanlage eingebaut werden. Auf dem Markt sind verschiedene Arten von Lüftungsanlagen, Systeme mit und ohne Ventilator. Die Lüftungsanlage muss nach der sogenannten Nennlüftung ausgelegt werden. Diese richtet sich nach der Wohnungsgröße. Standardmäßig muss eine Lüftungsanlage etwa 30 Kubikmeter Raumluft pro Bewohner und Stunde austauschen. Nicht vergessen dürfen Hausbesitzer dabei aber: Lüftungsanlagen müssen regelmäßig gewartet werden, sonst gelangen Keime in die Innenluft. Und: Sie müssen auch tatsächlich in Betrieb sein. Wer sich am Geräusch der Anlage stört und sie deshalb immer wieder ausschaltet, der untergräbt sein Lüftungssystem – mit allen sich daraus ergebenden Nachteilen.

BBX: Oft heißt es, Schimmel ließe sich durch richtiges Lüften vermeiden. Ist das korrekt?

Weber: Unbedingt! Es muss gelüftet werden! Die vom Menschen produzierte Feuchtigkeit muss aus dem Haus. Und wenn die Lüftung nicht mehr durch die vielen kleinen Undichtigkeiten gelingt, die ein unsaniertes Haus von Natur aus hat, dann muss – sehr bewusst – zusätzlich gelüftet werden. Wir Sachverständigen sagen immer: Die Bewohner müssen ihr Lüftungsverhalten radikal ändern und an die neuen Gegebenheiten anpassen. Sei es, indem sie von Hand viel häufiger lüften als bisher, sei es, indem sie eine Lüftungsanlage einbauen, wenn die eben gerade beschriebenen Bedingungen zutreffen. Es ist gleich, wie gelüftet wird, manuell oder automatisch, in jedem Fall muss ausreichend gelüftet werden. Und umso mehr, je dichter die Haushülle ist. Theoretisch ließe sich ein gedämmtes Haus auch manuell lüften, aber das entspricht nicht unserer Lebenswirklichkeit. Heute sind die meisten Menschen ganztags außer Haus. Die Zeiten, in denen die klassische Hausfrau tagsüber regelmäßig mehrfach quer- und stoßlüftete und auch die morgens klammen Betten zum Trocknen ins Fenster legte, sind passé. Niemand hat heute mehr die Zeit. Deshalb ist eine Lüftungsanlage für viele die einzig sinnvolle Alternative.

Brandgefährliche Dämmung?

BBX: In letzter Zeit wird immer wieder die erhöhte Brandgefahr bei Styropor-Dämmung thematisiert. Was ist da dran?

Weber: Bundesweit sind nur vier Fälle bekannt, bei denen Wärmedämmung abbrannte. In drei Fällen befand sich das Haus noch im Bau. Das Wärmedämm-Verbundsystem aus Polystyrol war noch ohne Verputz – und damit ungeschützt. Im vierten Fall waren die vorgeschriebenen Brandbarrieren in der Fassade nicht eingebaut worden. Solche Brandbarrieren sind ab zwei Etagen Pflicht. In der Regel betrifft das also nicht das Einfamilienhaus – es sei denn, es steht am Hang –, sondern das Mehrfamilienhaus.Wer Angst vor Brand hat, der kann sich auch im Einfamilienhaus solche zusätzlichen Brandbarrieren einbauen lassen. Diese feuerfesten Bauteile werden über den Fenstern montiert, um ein Überschlagen des Brandes von einem ins nächste Geschoss zu verhindern. Im Schlüsselfertigbau muss der Bauherr den Einbau solcher Brandbarrieren allerdings selbst veranlassen, bestellen und bezahlen. Wenn Brandbarrieren laut Landesbauordnung nicht vorgeschrieben sind, dann werden sie von Schlüsselfertiganbietern auch nicht eingeplant. Der Bauherr muss sie zunächst in den Bauvertrag hineinverhandeln und dann darauf achten, dass sie auch korrekt eingebaut werden. Außerdem gibt es ja auch andere Dämmmaterialien, auch schwer entflammbare und sogar nicht brennbare Dämmstoffe wie Mineralwolle zum Beispiel.

BBX: Wie lange hält eine Dämmung, wann muss erneuert werden?

Weber: Das erste Wärmedämmverbundsystem (WDVS) wurden 1959, also vor 55 Jahren, als sogenannte Thermohaut entwickelt. Es wurde von Edwin Hornbach zum Patent angemeldet. Die Dämmstärken lagen seinerzeit bei lediglich rund drei Zentimetern. Dort, wo dieses erste System eingesetzt wurde, funktioniert es noch immer. Es stellt sich keine nennenswerte Reduktion der Dämmwirkung über die Lebensdauer ein. Natürlich sind die früheren Dämmstärken heute nicht mehr ausreichend. Daher müssen alte Systeme aufgedoppelt werden, um den heutigen Anforderungen zu genügen. Hierfür gibt es zugelassene Systeme. Für die Aufdopplung müssen alte Systeme nicht entfernt werden. Insofern stellt sich die Frage nach einer Erneuerung der Wärmedämmung eigentlich nicht. Die Putzfläche des WDV-Systems kann bis zu einem gewissen Gesamtgewicht, das der jeweiligen Zulassung zu entnehmen ist, erneut überputzt werden. Für eine normale Renovierung reicht in aller Regel natürlich ein neuer Fassadenanstrich völlig aus.

von Gerrit Wustmann

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