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Corona: Zinsfreie KfW-Studenten-Kredite können teuer werden
In der Corona-Krise wirbt die Bundesregierung mit vermeintlich zinsfreien KfW-Krediten für Studenten, die durch die Maßnahmen gegen die Pandemie in wirtschaftliche Not geraten. Doch Vorsicht: Das kann zum teuren Bumerang werden.
von Gerrit Wustmann
Corona: Zinsfreie KfW-Studenten-Kredite können teuer werden
© Ta-Nu / iStock

Auch Studierende geraten in der Corona-Krise in Bedrängnis. Viele haben ihre Nebenjobs und damit die maßgebliche Grundlage zur Finanzierung ihres Studiums verloren. Wer kein Bafög oder finanzielle Unterstützung von der Familie erhält, hat nun ein Problem. Und über nennenswerte Rücklagen verfügen Studierende eher selten.

Als Lösung präsentiert das Bundesbildungsministerium in diesen Tagen vermeintlich zinsfreie Studienkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW selbst lockt Betroffene mit Formulierungen wie „Förderkredit“ und Geld, das man „unabhängig von Ihrem Einkommen und dem Ihrer Eltern“ erhalten könne. Konkret geht es um einen Betrag von monatlich 650 Euro bis einschließlich März 2021. Wer den Kredit im Mai diesen Jahres beantragt käme also auf eine Gesamtkreditsumme von 7150 Euro.

Kredite für Studierende: Riskantes Spiel

Nun sind Kredite für Studierende ohnehin ein schwieriges Thema. Denn im Gegensatz zum Bafög müssen sie komplett zurückgezahlt werden – und zwar nicht erst zu einem Zeitpunkt lange nach dem Studium, wenn sich die Tilgung durch ein gutes Einkommen stemmen lässt. Sondern in der Regel beginnt die Rückzahlung schon kurz nach der Auszahlungsphase. Für Studierende, die möglicherweise erst einige Jahre später einen guten Job mit ordentlichem Einkommen haben werden, ist das ein Problem. Denn sie riskieren, in der Schuldenfalle zu landen und möglicherweise über viele Jahre abhängig zu bleiben oder schlimmstenfalls sogar in der Privatinsolvenz zu landen. Denn ein Studium kann auch mal länger dauern als geplant. Und ein gut dotierter Job ist auch nicht garantiert.

Gerade deshalb ist das von der Politik mitbeworbene Lockangebot der KfW so gefährlich. Denn es wird mit 0% Zinsen. Ein zinsfreier Kredit ist etwas, das Studierende in einer Notlage wie der Corona-Krise dazu bewegen könnte, ihre Bedenken fallenzulassen und sich schnell und unkompliziert mit Geld zu versorgen. Doch ein genauerer Blick zeigt: Das ist gefährlich.

Teurer KfW-Kredit ist keine Nothilfe

Denn der KfW-Kredit ist keineswegs zinsfrei. Im Gegenteil. Er ist sogar ziemlich teuer. Denn zinsfrei ist der Kredit nur in der Auszahlungsphase, also bis zum 31. März 2021. Ab April 2021 gilt dann ein Zinssatz, der sich außerdem kaum kalkulieren lässt, da er halbjährlich neu festgelegt wird. Aktuell liegt er effektiv bei 4,36 Prozent pro Jahr. Die Karenzzeit beträgt aktuell achtzehn Monate. Das heißt: Spätestens eineinhalb Jahre nach Erhalt der letzten Kreditzahlung muss man mit der Rückzahlung beginnen. Wer diesen Zeitraum zu einem Zinssatz von 4,36 Prozent (oder mehr – da sich die Höhe in diesem Zeitraum dreimal ändern kann) voll ausschöpft, muss bereits zum Beginn der Tilgung fast 500 Euro nur an Zinsen drauflegen. Und je länger man für die Rückzahlung braucht, desto teurer wird es am Ende. Das Bundesbildungsministerium feiert diesen Kredit als „Nothilfe für Studierende“. Doch ein teurer Kredit ist keine Hilfe. Er ist eine zusätzliche Belastung.

Fazit: Der KfW-Studienkredit in der Corona-Krise ist nur in der Auszahlungsphase zinsfrei, danach wird er sehr teuer. Schon unter normalen Bedingungen würde sich ein solch teurer Kredit nicht rechnen. Unter den verschärften Bedingungen der Corona-Krise ist von diesem Kreditprodukt dringend abzuraten, da es direkt in die Schuldenfalle führen kann.

von Gerrit Wustmann

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