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Arbeitsmarkt: Über 1 Million offene Stellen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldet einen Rekord: Aktuell soll es mehr als eine Million offene Stellen in Deutschland geben. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von Arbeitgebern.

Arbeitsmarkt: Über 1 Million offene Stellen

©ginasanders / 123rf

Insgesamt 1.064.000 offene Stellen soll es in Deutschland im ersten Quartal 2017 gegeben haben – 75.000 mehr als im Vorjahr. „64 Prozent der offenen Stellen erfordern eine abgeschlossene Berufsausbildung, 16 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Bei 20 Prozent der offenen Stellen wird keine Ausbildung vorausgesetzt“, heißt es beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die meisten offenen Stellen gab es mit mehr als 300.000 bei „unternehmensnahen Dienstleistungen“, dicht gefolgt von „sonstigen Dienstleistungen“, und auch im Baugewerbe sollen über 100.000 Posten vakant gewesen sein.

Stellenangebote insgesamt gestiegen

Zur Ermittlung wurde vom IAB rund 8000 Arbeitgeber befragt. Damit sollen auch jene Stellen erfasst werden, die nicht offiziell über die Arbeitsämter gemeldet werden. Doch wie verlässlich ist diese große Zahl? Denn immerhin ist bekannt, dass Unternehmen gerne auch Alibi-Stellenanzeigen schalten um der Konkurrenz florierende Geschäfte zu signalisieren. Hinzu kommt, dass bei den Arbeitsämtern einzelne offene Stellen oft mehrfach gelistet sind, zum Beispiel weil Arbeitgeber gleich mehrere Agenturen mit der Suche nach Mitarbeitern beauftragen.

Auf Nachfrage von BBX erklärt Mario Bossler vom IAB, dass dies zumindest teilweise geprüft werde, um größere Verzerrungen auszuschließen. So kontrolliert das IAB im Nachhinein etwa, wie viele der ausgeschriebenen Stellen tatsächlich besetzt wurden, und bei wie vielen die Suche abgebrochen wurde. Auch wird differenziert zwischen sofort oder erst später zu besetzenden Posten. In der aktuellen Zahl befinden sich demnach 758.000 sofort zu besetzende und 306.000 erst später zu besetzende Stellen. Es sei aber sichtbar, so Bossler, dass nicht nur die absolute Zahl gestiegen ist, sondern auch die leichten saisonalen Schwankungen unterworfenen Zahlen bei sofort zu besetzenden Stellen. Die Fragebögen an die Arbeitgeber sind so formuliert, dass möglichst jede Stelle nur einmal gezählt werden soll.

15 Prozent in der Zeit- und Leiharbeitsbranche

Aufschlussreich sind die Nacherhebungen. So wurden 2015 und 2016 im gesamten Jahresverlauf rund 19 Prozent von insgesamt rund vier Millionen Suchen nach Mitarbeitern abgebrochen. Ob das an mangelnden Bewerbungen lag oder daran, dass Stellen mehrfach ausgeschrieben waren, erhebt das IAB nicht. „Dabei ist zu beachten“, so Bossler, „dass diese Anzahl an Suchprozessen wie auch die Anzahl der Neueinstellungen eine Summe über das gesamte Jahr darstellt, während die Anzahl der offenen Stellen die Anzahl nur zum Befragungszeitpunkt misst; deshalb kann die zeitpunktbezogene Anzahl der offenen Stellen und die zeitabschnittsbezogene Anzahl der Neueinstellungen bzw. Suchabbrüche nicht direkt in Beziehung zueinander gesetzt werden.“

Bleibt die Frage nach der Qualität der offenen Stellen. Wie hoch ist der Anteil an sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen, wie viele Minijobs sind enthalten, und wie viele in der Zeit- und Leiharbeitsbranche. Bossler: „Von den 1,063 Millionen offenen Stellen im ersten Quartal 2017 entfallen 163.000 auf die Branche Arbeitnehmerüberlassung, also etwa 15 Prozent.
Die Anzahl der Minijobs unter den offenen Stellen geht aus der Erhebung nicht hervor. Bei den Neueinstellungen im 4. Quartal 2016 lässt sich aber festhalten, dass von den 4,7 Millionen Neueinstellungen etwa 3,6 Millionen (77 Prozent) auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen entfielen.“

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