Zukunft der Energie – werden die Preise wieder sinken?
Seit Jahren ächzen die Verbraucher unter steigenden Strompreisen aufgrund steigender Abgaben. Dabei spielt nicht nur die EEG-Umlage eine Rolle, sondern auch noch einige weitere Faktoren. Das am 1. August in Kraft getretene, sehr umstrittene, reformierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) soll einerseits die Energiewende voranbringen, andererseits zu einer Entlastung der Stromkunden führen. Erstmals lautet nun die Prognose, dass die Strompreise ab 2015 leicht sinken könnten. Doch wie sind die langfristigen Aussichten?
von Gerrit Wustmann
© kav777/thinkstock

In den letzten fünfzehn Jahren haben sich die Strompreise für Endverbraucher nahezu verdoppelt. Allein seit 2010 sind sie im Schnitt um rund ein Viertel gestiegen. Wie mehrere Medien vermelden, könnte dieser Trend jetzt zu Ende sein. Spiegel Online zufolge ist sogar eine deutliche Preissenkung ab 2015 realistisch. Das liegt zum einen daran, dass eine Absenkung der EEG-Umlage, die jeder über seine Stromrechnung bezahlt und mit der die Energiewende maßgeblich finanziert wird, von momentan 6,24 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf etwa 6,04 Cent sinken könnte.

Während der Strom bei den Verbrauchern teuer ist, profitieren große Unternehmen von sehr günstigen Strompreisen, da sie ihren Strom direkt an der Energiebörse einkaufen können. Von diesem Effekt könnten theoretisch auch die Endverbraucher profitieren – wenn die Konzerne ihre Preise entsprechend nach unten anpassen würden. Möglich wäre das, bislang fehlte aber der Wille. Die Senkung der EEG-Umlage allein ist für den Durchschnittshaushalt nur marginal spürbar, käme aber eine Senkung der Anbieterpreise hinzu, ergäben sich deutliche Entlastungen.

Sinkende EEG-Umlage = sinkende Preise?

Ob das so kommen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es Bürgern, Medien und Politik gelingt, entsprechenden Druck auf die Versorger auszuüben. Dass sie freiwillig ihre Preise senken werden, ist nicht anzunehmen.

Langfristig ist damit zu rechnen, dass die EEG-Umlage weiter sinken wird. Denn in den letzten Jahren wurden große Überschüsse erwirtschaftet. Außerdem kommen mit dem neuen EEG auch neue Vermarktungsmodelle für Strom auf den Weg, die anders funktionieren als die feste Vergütung über die EEG-Umlage, von denen Betreiber von Anlagen für Erneuerbare Energie bislang vor allem profitierten. Alternative Fördermodelle sowie eine Stabilisierung des Ökostroms am Markt (der immerhin bereits rund 30 % des deutschen Energiemix‘ ausmacht) sollten dazu führen, dass die Umlage Stück für Stück an Bedeutung verliert. Leicht sinkende Preise im Laufe der kommenden Jahre sind also realistisch. Sollten die Versorger ebenfalls die sinkenden Börsenpreise wenigstens teilweise an ihre Kunden weitergeben, wäre dies ein Grund zum Aufatmen.

Argumente der Energieriesen

Allerdings haben die Erzeuger von fossiler oder Atomenergie Probleme. Durch den Boom der Erneuerbaren, den Atomausstieg und sich verändernde Marktstrukturen werden ältere Anlagen einerseits unrentabel, andererseits steht noch immer die Frage im Raum, inwiefern sich die Konzerne an Abbau ihrer Meiler und Endlagerung beteiligen müssen, damit diese milliardenschweren Folgekosten nicht auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Dies könnte ihnen ein Argument geben, die Preise weiter oben zu halten.

Fazit: Leicht sinkende Preise werden kommen; ob daraus ernsthafte Entlastungen werden, ist aber fraglich.

von Gerrit Wustmann
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