Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wichtige Klauseln

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung wird von den Anbietern mit Klauseln versehen, die leistungserweiternd und leistungseinschränkend wirken können. Die bekanntesten dieser Klauseln sind die leistungseinschränkende abstrakte Verweisung und die leistungserweiternde Nachversicherungsgarantie.

Tester stellen immer wieder fest, dass eine private Berufsunfähigkeitsversicherung in hoher Qualität schwer zu finden ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird zwar auch kritisiert, hier herrschen teilweise enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Die mehr oder weniger versteckten leistungseinschränkenden Klauseln sind aber gefährlicher für den Versicherungsnehmer.

Achtung: Abstrakte Verweisung

Am meisten wurde in den vergangenen Jahren die leistungseinschränkende abstrakte Verweisung kommuniziert. Verträge mit diesen Klauseln sollen nach Meinung von Verbraucherschützern strikt gemieden werden, viele Versicherer haben daher die abstrakte Verweisung inzwischen aus ihrem Vertragswerk gestrichen.

Eine abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Versicherer den Versicherungsnehmer “abstrakt”, also ohne Bezug auf einen bestimmten Beruf, auf eine zumutbare Tätigkeit verweisen kann, die mit dem zuletzt ausgeübten Beruf nichts zu tun haben muss. Es genügt, wenn das Einkommen und/oder der berufliche Status der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nahe kommt. Nur wenn das auszuschließen ist, fließen die Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung – wenn diese Klausel wirksam ist.

Wenn sich unter den Klauseln einer BU-Police die abstrakte Verweisung findet, wird von einem Abschluss abgeraten, diese Vertragsbedingung würde leistungseinschränkend wirken.

Als leistungserweiternd darf hingegen derjenige Tarif gelten, bei dem die abstrakte Verweisung ausdrücklich ausgeschlossen ist. Der Versicherer zahlt dann in jedem Fall bei mindestens 50%-iger  Berufsunfähigkeit. Wenn die abstrakte Verweisung selbst bei Nachprüfungen entfällt, also in späteren Phasen des Rentenbezugs, gilt dies ebenfalls als leistungserweiternde Klausel.

Leistungserweiternde Nachversicherungsgarantie

Eine Nachversicherungsgarantie gilt als eine der wertvollsten leistungserweiternden Klauseln. Sie bedeutet, dass ohne erneute Gesundheitsprüfung der Versicherungsschutz erhöht werden kann. Das hört sich harmloser an, als es ist.

Grundsätzlich steigt bei jedem Versicherungsnehmer mit zunehmendem Alter das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Wenn die Police in jungen Jahren abgeschlossen wurde, ist an bestimmte Erkrankungen meist noch nicht zu denken, die jenseits des 40. Lebensjahres erheblich an Bedeutung gewinnen.

Durch eine Nachversicherungsgarantie können Versicherungsnehmer für sich entscheiden, ob sie in finanziell soliden Zeiten ihren Risiko-Schutz mittels einer Berufsunfähigkeitsversicherung erweitern, indem sie einfach mehr in die (im Grunde preiswerte) Police einzahlen. Durch die Nachversicherungsgarantie ist das jederzeit möglich, womit Risiken gerade dann am besten abgedeckt werden, wenn es essenziell wird. Auch ein Wechsel des Berufes wird von der Nachversicherungsgarantie aufgefangen.

Weitere leistungserweiternde Klauseln

Weitere leistungseinschränkende Klauseln sind ein verkürzter Prognosezeitraum und die Arztanordnungs-Klausel, also die Pflicht des Versicherten, sich einer Therapie zu unterziehen.

Als leistungserweiternd gelten hingegen die rückwirkende Zahlung (bei einigen Gesellschaften bis zu 3 Jahre) und die zinslose Stundung, bei der auch schon während der Prüfphase die Rente ausbezahlt wird.

Autor
Susanne Herrenbrück
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