Vorsorge

Werden 2019 mehr Rentner steuerpflichtig?

Rund 48.000 Rentner würden im Jahr 2019 erstmals steuerpflichtig, heißt es in aktuellen Medienberichten. Im Netz wird das zum Aufreger. Doch die Zahlen sind irreführend.

Werden 2019 mehr Rentner steuerpflichtig?

©bernardbodo / iStock

Für das kommende Jahr geht die Deutsche Rentenversicherung von einer Rentensteigerung von rund drei Prozent aus. Eine gute Nachricht für alle Rentner, die fortan mehr Geld in der Tasche haben. Die Linkspartei weist allerdings darauf hin, dass durch die Erhöhung rund 48.000 Rentner dadurch steuerpflichtig würden – eine Information, die rasch in den Medien die Runde machte und in den Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter für beträchtliche Aufregung sorgt.

Viele Bürger empfinden es als ungerecht, dass nun vermeintlich noch mehr Rentner ihre ohnehin karge Rente versteuern müssen, andere fordern, Renten müssten generell steuerfrei sein. Was ist dran an diesem Aufregerthema?

Alle Rentner sind steuerpflichtig

Nun, nicht viel. Denn schon die Behauptung, 48.000 Rentner würden fortan steuerpflichtig, ist irreführend. Grundsätzlich sind durch die nachgelagerte Besteuerung alle Rentner in Deutschland steuerpflichtig. Bei den 48.000 handelt es sich lediglich um jene, die mit der Erhöhung 2019 voraussichtlich erstmals eine Rente oberhalb des Grundfreibetrags erhalten werden. Und erst ab diesem Punkt werden auf Einkommen Steuern erhoben.

Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei 9000 Euro pro Jahr. Dieser Einkommensbetrag, egal ob aus Arbeit oder Renten, ist steuerfrei. Darüber fällt der Eingangssteuersatz von derzeit 14 Prozent an. Das heißt: Wessen Einkommen höher als 9000 Euro im Jahr ist, der muss jeden über 9000 Euro hinausgehenden Euro mit 14 Prozent versteuern. Wer also im Jahr 9100 Euro Rente erhält, muss theoretisch 14 Euro Steuern zahlen. Aber wirklich nur theoretisch.

Faktisch werden die 48.000 Rentner, die erstmals den Grundfreibetrag übersteigen, weiterhin keine Steuern zahlen müssen. Denn sie können zahlreiche Posten, darunter Krankenversicherungsbeiträge und Teile der Mietnebenkosten, steuerlich geltend machen. Unterm Strich wird ihnen die komplette Rentenerhöhung von rund drei Prozent zugute kommen, ohne dass sie weitere Abzüge befürchten müssen. Aber selbst wenn sie Steuern abführen müssten, hätten sie mehr Geld in der Tasche als ohne die Rentenerhöhung.

Aber weshalb sind Renten eigentlich steuerpflichtig? Ist das nicht ungerecht?

Dahinter steckt die so genannte nachgelagerte Besteuerung. Das heißt: Während des Arbeitslebens können die Sozialversicherungsbeiträge steuermindernd gelten gemacht werden. Sie mindern die Steuerlast der Arbeitnehmer beträchtlich. Im Gegenzug müssen Renteneinnahmen versteuert werden. Die Alternative wäre, die vorgelagerte Besteuerung wieder einzuführen. Dann wären Renten steuerfrei. Stattdessen müssten aber Arbeitnehmer wieder höhere Steuern zahlen, eben weil sie ihre Rentenbeiträge nicht mehr steuermindernd ansetzen können. Und dann würden jene, die sich jetzt über die Rentenbesteuerung aufregen, über die hohen Steuern auf Arbeit schimpfen.

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