Gesetzliche Krankenversicherung

Was bringt das Versorgungsstärkungsgesetz?

Um die Missstände bei der medizinischen Versorgung, denen gesetzlich Krankenversicherte oft ausgesetzt sind, zu beheben, hat der Bundestag kürzlich das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verabschiedet.

Was bringt das Versorgungsstärkungsgesetz?

Künftig sollen gesetzlich Versicherte nicht mehr so lange auf einen Facharzttermin warten – und von einer Neuregelung des Krankengeldanspruchs profitieren.
Um Kassenpatienten eine ausreichende medizinische Versorgung zu gewährleisten, wurde unlängst das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz auf den Weg gebracht.
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Kernpunkte des Gesetzes sind die schnellere Vergabe von Facharztterminen, eine bessere medizinische Versorgung in ländlichen Regionen und Verbesserungen beim Krankengeld.

Termine beim Facharzt

Das lange Warten soll für Kassenpatienten ein Ende haben, denn sie sollen künftig innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin bekommen. Dazu sollen die kassenärztlichen Vereinigungen innerhalb der nächsten sechs Monate sogenannte Terminservicestellen einrichten.

Für Augen- oder Frauenarzttermine können die Versicherten sich dann diese Terminservicestelle direkt kontaktieren.

Für alle übrigen Fachbereiche benötigen die Kassenpatienten künftig eine Überweisung durch den Hausarzt. Wer dann innerhalb von vier Wochen keinen Termin beim Facharzt bekommt, soll sich ambulant im Krankenhaus behandeln lassen können.

Ambulante Leistungen im Krankenhaus

Daneben werden auch die Rechte von Krankenhausärzten ausgeweitet. Sie dürfen in Zukunft für einen Zeitraum bis zu sieben Tagen Rezepte für Medikamente oder Heilmittel sowie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Teuer und ineffizient?

Neben den hohen Kosten für die Inbetriebnahme der neuen Terminservicestellen führen Kritiker ins Feld, dass sich durch das Gesetz womöglich keine echte Verbesserung für die Gesetzlich-Versicherten ergeben. Es wird kein Termin beim Wunscharzt oder in nächster Nähe zum Wohnort garantiert.
„Solange es für Ärzte lukrativer ist, Privatpatienten zu behandeln, werden gesetzlich Versicherte benachteiligt bleiben“, resümiert Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbandes VdK im dpa-Interview.

Versorgung auf dem Land

Auch das Problem der Unterversorgung mit Ärzten in ländlichen, strukturschwachen Regionen soll das neun GKV-Versorgungsstärkungsgesetz beseitigen. Dies soll über verstärkte, vor allem finanzielle Anreize für Ärzte für eine Niederlassung auf dem Land geschehen. Gleichzeitig soll einer Überversorgung mit Arztpraxen vorgebeugt werden, indem diese nur bei einem Versorgungsgrad unter 110 % nachbesetzt werden.

Ob diese Regelung sinnvoll ist, wird ebenfalls von verschiedenen Seiten bezweifelt. Die Werte beim Versorgungsgrad seien unrealistisch abgesteckt.

Krankengeld

Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz sieht auch eine Neuerung beim Krankengeld vor.
Statt wie bisher erst vom Folgetag an haben Kassenpatienten in Zukunft von dem Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an Anspruch auf Krankengeld.
Außerdem kann die Folgekrankschreibung erst ab dem nächsten Werktag ausgestellt werden. Die alte und die neue Krankschreibung müssen sich nicht mehr zwingend um einen Tag überlappen, wodurch eine enorme formale Hürde beim Krankengeldanspruch beseitigt werden soll.
Stephanie Jahn, Geschäftsführerin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), befürwortet die Änderung:

Denn viele Patienten und Ärzte kannten die komplizierte Regelung schlichtweg nicht und das mit fatalen Auswirkungen: Ohne wieder fit für den Job zu sein, bekamen die Betroffenen kein Geld mehr von der Kasse und mussten sich Sorgen um ihre finanzielle Existenz machen.

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