So viele Zweitjobs wie noch nie …
Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gerade bekannt gab, gehen erstmalig über drei Millionen Deutsche einem Zweitjob nach. Darunter sind mehr als doppelt soviele Minijobber wie noch vor 10 Jahren.
von Johanna Schödel
© thinkstock

Während über alle Branchen hinweg der Verdienst mit einem Zweitjob aufgebessert wird, weisen die Zahlen des IAB einen klaren Trend auf: Vorrangig handelt es sich um einen sozialabgabenfreien Minijob – auch „450-Euro-Job“ genannt -, der meist neben dem Hauptberuf ausgeübt wird.

Zuverdienst oder Existenzsicherung

Dabei machen Geringverdiener den Minijob meist aus finanzieller Not heraus, um einen weiteren Beitrag zum Familieneinkommen beizutragen. Das dürfte vornehmlich auf Frauen in hauptberuflicher Teilzeitanstellung zutreffen. Oder aber der Minijob bietet quasi einen Zuverdienst. Enzo Weber vom IAB erläutert im Interview mit der Berliner Zeitung: “Der Großteil hat aber einen ordentlich bezahlten Hauptberuf.“

Wie sich die Minijobs genau über die sozialen Schichten und Einkommensstufen verteilen, ist in dieser Studie noch nicht erfasst. Bekannt ist dagegen, dass von den 2,6 Millionen Minijobber ca. 7% Männer und ca. 11 % Frauen sind.

2003 Gesetz zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung

Wie erklärt sich der neu entdeckte Reiz am Zweitjob? Die Neuregelung der rot-grünen Bundesregierung zu Minijobs von 2003 scheint ursächlich. Denn damals wurde die Entgeltgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse von 400, – € auf 450, – € angehoben.

Seit 01.01.2003 sind Minijobs auch als Nebenverdienst für den Arbeitnehmer (zumindest weitgehend) ohne Sozialabgaben möglich. Diese müssen vom Arbeitgeber nur in reduziertem Umfang für den Minijobber abgeführt werden.

Auch Weber vom IAB sieht in dieser Entwicklung einen „wesentlichen Grund“ für den Zweitjob-Boom.

Das „Minijob-Wunder“ bleibt dennoch überraschend, da für den Zuverdienst meist sehr niedrige Gehälter bezahlt werden. Offenbar hat sich für die Geringverdiener die finanzielle Situation besonders zugespitzt. Nach den Daten des IAB konzentrieren sich Minijobber verstärkt in einzelnen Branchen.

So sind es im Gesundheits- und Sozialwesen sind 760.000, im Gastgewerbe 870.000 und im Einzelhandel 970.000. “Ohne die subventionierten und schlecht bezahlten Minijobs würden diese Branchen nicht mehr funktionieren.” folgert gar die Berliner Zeitung.

Abgabenfreiheit vs. Rentenansprüche

Wer einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht, sollte die rentenrechtlichen Aspekte bei allen Verlockungen der Sozialabgabenfreiheit nicht außer Acht lassen.

Zwar können sich Minijobber beim Arbeitgeber von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung seit dem 1.01.2013 befreien lassen, genauso wie vorher begonnene Beschäftigungen mit maximal 400, – € Einkommen. In diesen Fällen zahlt der Arbeitgeber pauschal einen Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 % des Arbeitsentgelts.

Das ist jedoch weniger als der volle Beitrag zur Rentenversicherung, der aktuell bei 18,9 % liegt. Konkret bedeutet das, dass ein Minijobber nur anteilig Beitragszeiträume und anrechnungsfähiges Arbeitsentgelt erhält und damit nur eingeschränkt Anspruch auf eine gesetzliche Rente hat.

Sinnvoll kann es daher sein, schriftlich auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung zu verzichten und die Option der Beitragsaufstockung zu nutzen. Hier kann der Arbeitnehmer durch freiwillige Einzahlung relativ niedriger eigener Beiträge vollwertige Beschäftigungszeiten in der Rentenversicherung erwerben.

von Johanna Schödel
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