Versicherungen: Vorsicht geboten bei der Antragstellung
Jeder sucht die günstigste Versicherung mit dem besten Schutz zu individuellen Konditionen. Aber Vorsicht: Bevor der Versicherungsantrag abgeschickt wird, sollten Sie nochmals ganz genau hinsehen.
von Johanna Schödel
© afy85/thinkstock

In vielen Formularen stecken Fallstricke, die die Versicherten um den Versicherungsschutz bringen können – gleich, ob es sich um eine private Kranken-, Berufsunfähigkeits- oder Pflegeversicherung handelt.

Im Allgemeinen finden sich einige gängige „Fettnäpfchen“ in den Versicherungsformularen, wer dort hineinstolpert, tut sich in puncto Beitragskalkulation meist keinen Gefallen.

Gesundheitsfragen

Häufig wollen Versicherungsnehmer alles richtig machen und beantworten die sogenannten Gesundheitsfragen zur persönlichen Gesundheits- bzw. Krankenhistorie ausführlich – oder zu nachlässig.

Beides kann dazu führen, dass die Versicherung am Ende zum Beispiel bei Berufsunfähigkeit nicht zahlt. In erster Linie geht es bei den Gesundheitsfragen darum, chronische Leiden oder sonstige Beschwerden zu ermitteln (die der Versicherer ausschließt).

Nicht immer deckt sich die Information, die Patienten von ihren behandelnden Ärzten erhalten, mit dem, was in den Krankenakten vermerkt und abgerechnet wird. Hier arbeiten zwei Systeme nicht zwangsläufig mit-, sondern auch mal gegeneinander: Die Behandlung wird so im Krankenblatt dokumentiert, dass die Übernahme der Leistung durch die Krankenkasse gesichert ist.

Umgekehrt versuchen die privaten BU-Versicherungen ihrerseits, alle Abweichungen bei der Diagnose und verordneten Behandlung zu ermitteln. Mit der Folge, dass damit die Versicherungsleistung verweigert wird. Wer die Versicherungsleistung in Anspruch nehmen möchte, sollte daher immer vorab die Krankenakte oder einen Auszug aus der Patientenkartei mit seinen Ärzten und der Krankenkasse abgleichen.

Eine weitere Option ist, die Information über die eigenen Erkrankungen der vergangenen Jahre bei der kassenärztlichen Vereinigung im jeweiligen Bundesland anzufordern. Denn mit einer lückenlosen Dokumentation der Krankengeschichte bei Antragstellung lassen sich hinterher Ungereimtheiten vermeiden.

Informationsüberschuss

Nicht nur die eigenen Angaben sollten sorgfältig überprüft werden, auch alle Daten, die das Versicherungsunternehmen von außen anfordert, könnten zu viel bzw. falsche Information enthalten. Wenn die Versicherung den Leistungsanspruch prüft, fordert sie meist von zuständigen Krankenhäusern oder Ärzten die entsprechenden Behandlungsunterlagen und Entlassungsberichte ein.

Darin finden sich allerdings auch Details zu manchmal lange zurückliegenden Erkrankungen, die längst ausgeheilt sind und der Versicherte beschwerdefrei ist. Dennoch kann die Versicherung diese Erkrankungen bei der Risikokalkulation dann mitberücksichtigen oder entsprechend den Versicherungsschutz einschränken.

Hier sollte man rechtzeitig gegensteuern und sich die Berichte vom behandelnden Mediziner selbst aushändigen lassen. Vermuten Sie, dass die enthaltenen Angaben für Sie nachteilig sein könnten, bitten Sie um eine verkürzte Version für die Versicherung.

Auf Zeiträume beschränkte Angaben

Achten Sie im Antrag genau auf die abgefragten Zeiträume. Gerne wird nach zurückliegenden Erkrankungen, Operationen oder der Einnahme von Medikamenten gefragt. Wer hier zu den Betroffenen zählt, sollte eine Versicherung wählen, bei der der Bezugszeitraum außerhalb der eigenen Krankengeschichte liegt. Liegt die Erkrankung weiter zurück als der abgefragte Zeitraum reicht, müssen Sie sich mit wahrheitsgetreuen Angaben nicht selbst schaden.

Haben Sie beispielsweise vor drei Jahren Medikamente genommen, ist für Sie derjenige Versicherer die richtige Wahl, der nur zwölf Monate rückwirkend abfragt. Denn bei dem müssen Sie als Versicherungsnehmer keine Angaben zu Ihren eingenommenen Medikamenten machen.

Risikogruppen zahlen extra

Die meisten Versicherungsanträgen fragen nach sportlichen Aktivitäten und sonstigen, potentiell gefährlichen Hobbys. Denn für Risikosportarten erhebt die Versicherung einen Zuschlag oder schließt den Versicherungsschutz (teilweise) aus.

Doch wie viele Bundesbürger, die ein Mountainbike besitzen, nutzen dies im Stadtverkehr, anstatt in den Bergen auf Extremtouren zu gehen? Ob sie damit zu einer Risikogruppe zählen, ist Auslegungssache.

Daher sollte man diese Fragen gewissenhaft und wahrheitsgetreu beantworten, um alle möglichen Situationen in den Versicherungsschutz einzuschließen. Gegebenenfalls hilft hier auch ein klärendes Gespräch mit dem Versicherungsagenten.

Online-Versicherungsabschluss

Grundsätzlich verändern sich auch in Versicherungsbranche die Verhältnisse mit dem Internet gewaltig. Viele Kunden schätzen die Option, sich online zu informieren und dann anschließend zeitlich unabhängig und ohne lästiges Verkaufsgespräch im Internet die Verträge abzuschließen.

Doch ohne individuelle Beratung können Laien oft das persönliche Risiko und die angemessene Versicherungshöhe schlecht einschätzen. Es hilft, sich beispielsweise beim Verbraucherschutz oder Online-Vergleich über die Tarife und Konditionen der Versicherer vorab zu erkundigen – und dann mit einer Extra-Portion gesundem Menschenverstand das Passende auszuwählen.

von Johanna Schödel
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