Verschuldung in Deutschland
Das Konsumklima in Deutschland ist gut. Die Finanzkrise scheint kaum noch Auswirkungen auf die Kauflaune der Bundesbürger zu haben. Doch die gute wirtschaftliche Lage ändert nichts an der Zahl der Privatverschuldungen in Deutschland: Im letzten Jahr war fast jeder zehnte Deutsche über 18 Jahren verschuldet …
von Charlotte Ruzanski
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© thinkstock

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern stehen die Deutschen besonders hoch in der Kreide. FOCUS Online berichtet, dass in kaum einem anderen Land so hohe Privatkredite aufgenommen werden wie bei uns. Im Durschnitt kommen auf jeden Bundesbürger 2.741, – € Schulden, wie aus einer Studie der französischen Großbank Crédite Agricole hervorgeht.

Man mag sich fragen, wie das mit der guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland konform sein kann. FOCUS Online spricht hier von einem bekannten Paradoxon: Wer Geld hat, fühlt sich sicher und nimmt schneller einen Kredit auf als jemand, der finanziell nicht so gut gestellt ist. Der bemerkenswerte Anstieg im Konsumverhalten in Deutschland im letzten Jahr spiegelt die Bereitschaft der Bundesbürger ihr Geld auszugeben.

Schuldneratlas 2013

Ein detailliertes Bild von der Verschuldungssituation in Deutschland zeichnet der Schuldneratlas. Hierbei handelt es sich um eine Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die zeigt, wie sich die Verschuldung in Deutschland auf die einzelnen Regionen und Städte verteilt. Außerdem kann man ihr entnehmen, welche Altersgruppen am meisten betroffen sind und wie hoch die Verschuldung bei Männern und Frauen ist.

Im Oktober 2013 waren 6,58 Mio. Privatpersonen in Deutschland überschuldet. Die durchschnittlichen Schulden liegen bei 33.500, – € pro Schuldner.

Schuldnerquote in Deutschland bis 2013

Die Statistik zeigt die Entwicklung der Schuldnerquote in Deutschland. © Statista

Viele Schuldner unter 20

Besonders erschreckend ist die starke Zunahme an Schuldnern unter 20. Während im Jahr 2004 noch 53.000 junge Leute verschuldet waren, verzeichnet der Schuldneratlas für 2013 eine Zahl von 213.000. Das ist eine Steigerung um 302 %.

Auch immer mehr Menschen über 70 haben finanzielle Probleme. Die Verschuldung alter Leute ist  seit 2004 um 42,3 % gestiegen.

Ein klarer Trend zeigt sich auch in der Geschlechterverteilung: So sind mit 4,2 Mio. signifikant mehr Männer verschuldet als Frauen (2,4 Mio.) Im Wesentlichen lässt sich dieser markante Unterschied durch die nach wie vor bestehende Rollenverteilung erklären: In vielen Familien ist der Mann der Hauptverdiener und kommt für eventuelle Verbindlichkeiten auf.

Verschwenderisches Konsumverhalten

Grund für die Verschuldung sind in vielen Fällen leichtfertig aufgenommene Ratenkredite für Smartphones, TV-Geräte, Autos … Vor allem junge Leute lassen sich schneller auf Ratenzahlungen ein, wie sie bei Elektrofachmärkten und Möbelgeschäften sowie im Internet mittlerweile gängige Finanzierungsmodelle sind und leisten sich so Anschaffungen, die nicht ihrem Budget entsprechen.

Neben dem Konsumverhalten führen immer wieder aber auch Arbeitslosigkeit und Krankheit in die Schuldenfalle.

Bemerkenswert ist die Umverteilung der Schuldenhöhe: Der Schuldneratlas verzeichnet zwar einen Rückgang von Fällen mit geringer Überschuldungsintensität (Fälle, in denen es immer wieder zu Zahlungsschwierigkeiten kommt), gleichzeitig aber hat die Zahl der hohen Überschuldungen zugenommen. Laut Statistischem Bundesamt folgte im Jahr 2012 auf rund  98 % der Insolvenzanträge auch die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Städte eher betroffen als ländliche Regionen

Überschuldung ist vor allem ein Phänomen der städtischen Ballungsräume. So geht aus dem Schuldneratlas 2013 hervor, dass besonders in den Stadtstaaten die Zahl der Schuldner hoch ist. Bremen und Berlin sind mit einer Verschuldung über 13 % traurige Gewinner im Schulden-Ranking. Die geringste Schuldenquote weisen Bayern (7 %) und Baden-Württemberg (7,9 %) auf, aber auch Thüringen (8,9 %) und Sachsen (9 %) haben eine Verschuldungsquote unterhalb des Bundesdurchschnitts.

von Charlotte Ruzanski
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