Kredit

Unterschied: Annuitätendarlehen, Ratenkredit und endfälliges Darlehen

Bei der Aufnahme eines Kredits gibt es neben der Frage nach der Bonität, den nötigen Kreditsicherheiten, eventuellen Bürgen, einem Tilgungsplan, Nebenkostenrechnungen und des Kreditrahmens noch eine weitere, zentrale Frage zu klären: welcher Kredit ist der Beste für die jeweilige Situation? Nicht immer kann jeden Privat- oder Firmenkunden pauschal zu einer Kreditvariante geraten werden. Entscheidend ist der finanzielle Rahmen, in dem die Tilgung ablaufen wird, die individuelle Einkommens- und Rücklagensituation und eventuelle Geldflüsse in der Zukunft.

Unterschied: Annuitätendarlehen, Ratenkredit und endfälliges Darlehen

Unterscheidung: Annuitätendarlehen, Ratenkredit und endfälliges DarlehenUnterscheidung: Annuitätendarlehen, Ratenkredit und endfälliges Darlehen©dolgachov / 123RF
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Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei großen Kreditvarianten, die sich in ihrer Art der Tilgung und der Höhe der Raten stark unterscheiden: das Annuitätendarlehen, der Ratenkredit und das endfällige Darlehen, auch Fälligkeitsdarlehen genannt.

Das Annuitätendarlehen: konstante Tilgungssumme über gesamte Laufzeit des Kredits hinweg

Das Annuitätendarlehen ist das bei Privatkunden zur Finanzierung großer Werte wie einem Grundstück oder einem Autokauf wohl am häufigsten nachgefragte Produkt unter den Kreditalternativen. Dabei zeichnet sich der Annuitätenkredit durch konstante Abzahlungsraten aus, die sich über die gesamte Laufzeit regulär nicht verändern – unter Umständen kann eine Nachverhandlung mit der Bank durchgeführt werden, bei der die Rate gehoben oder gesenkt werden kann. Dies stellt aber eine außerordentliche Veränderung der Rückzahlungsbeträge dar; ohne eine solche Nachverhandlung wäre die Kreditrate für den Kunden während der gesamten Kreditlaufzeit gleich hoch.

Die monatlich zu zahlende Annuitätenrate – auch Annuität genannt – ergibt sich aus einem Zinsanteil und einem Tilgungsanteil. Der Zinsteil berechnet sich auf die bestehende Restschuld und beträgt im Regelfall etwa (mindestens) ein Prozent bei Immobilienkrediten. Sinkt die Restschuld, sinkt folglich auch der Zinsanteil der Annuität. Der Tilgungsanteil ist die tatsächliche Rückzahlung der Schuld, der Zins ist die Vergütung des Kreditgebers für das Eingehen eines Ausfallrisikos.

Durch jede Monatstilgung der Restschuld verringert sich somit der Zinsanteil der Annuität und der Tilgungsanteil steigt. Davon bekommt der Kreditnehmer des Annuitätendarlehens aufgrund des gleich bleibenden Tilgungsbetrags nichts mit, die Kreditschuld jedoch sinkt bei vorangeschrittener Tilgung exponentiell.

Durch die gleich bleibende Monatsrate beim Annuitätendarlehen – diese Rate bleibt auch bei variablem Zins konstant, lediglich die enthaltene Gewichtung aus Zins- und Tilgungsanteil variiert – ist eine Kostenkalkulation und eine Ein- und Ausgabenrechnung für Kreditnehmer sehr komfortabel, weshalb viele Privat- und Firmenkunden auf diese Kreditvariante zurückgreifen. Durch die konstante Belastung kann zuverlässig und einfach auch über lange Zeiträume gerechnet werden. Anders sieht das beim Ratenkredit aus.

Ratendarlehen: Kontinuierlich sinkende Monatsbelastung durch die Kredittilgung

Das Ratendarlehen, auch Tilgungsdarlehen oder Abzahlungsdarlehen genannt, ist eine weitere Variante der Kreditabzahlung. Beim Ratenkredit wird die Bruttokreditsumme (Kreditbetrag und sämtliche Nebenkosten wie beispielsweise Zinsen) über eine vorher vertraglich vereinbarte, feste Laufzeit bei gleich bleibender Tilgungsleistung sukzessive abgezahlt.

Der große Unterschied des Ratenkredits zum Annuitätenkredit ist die lineare Höhe der Tilgung. Auf diese gleich bleibende Tilgungssumme jedoch entfällt ebenfalls ein Zinsanteil, der sich auf die Tilgungsleistung berechnet. Somit ist die Ratenbelastung anfänglich enorm, da beispielsweise ein Prozent auf 100.000 Euro Kreditschuld anfällt, während nach Fortschreiten der Abzahlung irgendwann nur noch ein Prozent auf 50.000 anfällt – ein niedriger Zinsbetrag also. Die zu zahlende Summe beim Ratenkredit ist somit durch gleich bleibenden Tilgungsbetrag (nicht Gesamtbetrag wie beim Annuitätenkredit) anfänglich wesentlich viel höher als gegen Ende der Kreditrückzahlung.

Außerhalb der Immobilienfinanzierung, bei der im Normalfall das Annuitätendarlehen Anwendung findet, ist der Ratenkredit weit verbreitet. Der Vorteil des Ratenkredits liegt darin, dass durch den höheren Tilungsanteil im Vergleich zum Annuitätendarlehen, wo anfänglich die Zinsen den Großteil der Annuität ausmachen, die Restschuld schneller sinkt und entsprechend die kumulierte Zinssumme kleiner bleiben wird als beim Annuitätendarlehen.

Die Gesamtbelastung des Schuldners ist beim Ratenkredit somit geringer, wobei dieser diesen Vorteil aber nur in Verbindung mit schwankenden Monatsraten und erschwerter Finanzkalkulation erfährt.

Endfälliges Darlehen: keine Monatsrate, hohe Endbelastung

Das endfällige Darlehen – auch Festdarlehen, Fälligkeitsdarlehen, bullet-repayment oder interest-only-darlehen genannt – ist eine für die meisten Kreditkunden uninteressanteste Variante der Kreditaufnahme, da hier bei ausbleibender Monatsrate über die gesamte Laufzeit hinweg eine enorme Tilgungssumme am Ende der Kreditlaufzeit anfällt, die per Einmalzahlung beglichen werden muss. Die meisten Menschen jedoch haben nicht auf einen Schlag einen solchen Geldbetrag parat.

Der sogenannte Schuldendienst beim endfälligen Darlehen für den Schuldner besteht lediglich aus der monatlichen Zahlung der Kreditzinsen.

Für Unternehmen jedoch ist diese Variante der Kreditabzahlung oftmals sehr attraktiv, da besonders für forschende und entwickelnde Firmen oftmals das Geld erst am Ende des Poduktentstehungsprozesses zufließt. Beispielsweise sind häufig Pharmaunternehmen Interessenten eines solchen endfälligen Darlehens, da erst nach jahrelanger Forschung und Entwicklung das fertige Produkt auf den Markt kommt und so monetarisiert werden kann. Die Zinsbelastung ist verhältnismäßig klein und kann somit trotz fehlender Einnahmen gezahlt werden, wohingegen eine Tilgung des Kredits vor Markteinführung oft nicht möglich war. Auch Privatpersonen, die beispielsweise ein Erbe, eine hohe Auszahlung aus kapitalbildenden Lebensversicherungen oder auslaufender Fondsverträge erwarten, können Interesse an einem endfälligen Darlehen haben.

Nachteil des Fälligkeitsdarlehens ist allerdings der hohe Anteil der Zinsschuld – da sich der Zins auf Grundlage der Restschuld berechnet und diese beim endfälligen Darlehen nicht sinkt, ist im Vergleich zum Annuitäten- oder Ratenkredit die kumulierte Zinsschuld am höchsten.

In Zeiten niedriger Zinsen jedoch kann sich ein endfälliges Darlehen mit der Vereinbarung eines Festzinses über die gesamte Laufzeit hinweg durchaus als lohnend erweisen.

Autor
Thomas Schulz
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