Strom

Strompreisentwicklung 2016 – das kommt auf Verbraucher zu

Wer im Süden Deutschlands lebt, freut sich in der Regel ob seines Wohnorts, der höchstwahrscheinlich in den strukturstarken Regionen Deutschlands gelegen ist. Eingefleischte Bajuwaren und Schwaben haben angesichts der derzeitigen Stromentwicklung in Bayern und Baden-Württemberg allerdings nicht viel zu lachen. Denn 20 Prozent der Grundversorger kündigten bereits zu Anfang des Jahres an, den Strompreis im ersten Quartal 2016 deutlich anheben zu wollen.

Strompreisentwicklung 2016 – das kommt auf Verbraucher zu

Strom wird in Deutschland durch die EEG-Umlage 2016 wahrscheinlich noch teurer
Strom wird in Deutschland durch die EEG-Umlage 2016 wahrscheinlich noch teurer
©gyn9037 / Shutterstock
Infografik zu Strompreisen und Verbrauch in Deutschland

Infografik zu Strompreisen und Verbrauch in Deutschland
Infografikquelle: www.stromvergleich-ratgeber.de

Man mochte seinen Augen nicht so recht trauen in den letzten Wochen. Der Dieselpreis sank in ungeahnte Tiefen, von denen Autofahrer vor einigen Monaten nicht einmal zu träumen wagten. Selbst im Januar, da die Heizöl-Nachfrage in der Regel den Spritpreis in die Höhe treibt, verweilte der Preis für einen Liter Diesel an deutschen Tankstellen auf teils unter 90 Cent. Gründe hierfür gibt es viele, vor allem aber die neue technische Errungenschaft der Erdölförderung, „Fracking“ genannt, spült massig Öl, vor allem aus den USA, auf den Markt. Schade nur, dass die eingesparten Euros auf anderer Seite mehr ausgegeben werden müssen. Denn die Energiekosten ziehen vor allem wegen der Energiewende weiter an. Leidtragende aus Kostensicht sind die Endverbraucher, die mit einigen Kniffen aber dennoch sparen können.

Strompreisentwicklung 2016 – das kommt auf Verbraucher zu

Wer im Süden Deutschlands lebt, freut sich in der Regel ob seines Wohnorts, der höchstwahrscheinlich in den strukturstarken Regionen Deutschlands gelegen ist. Eingefleischte Bajuwaren und Schwaben haben angesichts der derzeitigen Stromentwicklung in Bayern und Baden-Württemberg allerdings nicht viel zu lachen. Denn 20 Prozent der Grundversorger kündigten bereits zu Anfang des Jahres an, den Strompreis im ersten Quartal 2016 deutlich anheben zu wollen. Vor allem Süddeutschlands Haushalte, Schätzungen zur Folge über zehn Millionen, seien hiervon betroffen.

So setzt sich der Strompreis 2016 zusammen
(Durchschnittsberechnung für einen Jahresverbrauch von 3.500 kWh)

Faktor Kosten Prozent
Umsatzsteuer 4,58 Cent 16 %
Stromsteuer 2,05 Cent 7,1 %
Stromerzeugung, Vertrieb 6,11 Cent 21,3 %
Netzentgelte 7,07 Cent 24,6 %
Konzessionsabgabe 1,66 Cent 5,8 %
Sonstige Umlagen 0,68 Cent 3,0 %
EEG-Umlage 6,35 Cent 22,1 %
Gesamt 28,50 Cent

Im Schnitt beläuft sich die Kostenerhöhung auf 2,8 Prozent. Teils müssen sogar Aufstockungen von über 14 Prozent von Verbrauchern hingenommen werden. Angesichts der stetig sinkenden Börsenpreise für Strom mag diese Entwicklung den einen oder anderen jedoch ins Staunen versetzen. Ursache für den zukünftigen Preisanstieg ist allerdings nicht die Willkür der Versorger, denn viel mehr horrende Netzentgelte und vor allem staatliche Umlagen. Mit Beginn des Jahres hat der Steueranteil an den Stromkosten mit 54 Prozent einen neuen Hochpunkt erreicht.

Statistik zur Strompreisentwicklung in Deutschland von 2006 bis 2015

Statistik Strompreisentwicklung in Deutschland

So wehren sich Endverbraucher

Angesichts der Zahlen wird relativ schnell deutlich, wer die Kosten der Energiewende tragen soll, der sich der deutsche Fiskus verschrieben hat: Steuerzahler und Endverbraucher. „Die Energiewende ist unser Weg in eine sichere, umweltverträgliche und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft. Mittlerweile stammt fast ein Drittel unseres Stroms aus Wind, Sonne oder Biomasse.“, schreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und rechtfertigt auf diese Weise die Kosten, die eben entstehen, wenn alte Kraftwerke vom Netz genommen werden und Geld für neue Investitionen in regenerative Energien benötigt wird.
Aber ist das überhaupt rechtens? Zumindest die Versorger sind auf der sicheren Seite. Diese können die erhöhten Kosten, die 2016 durch einen erneuten Anstieg der EEG-Umlage entstehen, an den Kunden weitergeben. Inwiefern dies tatsächlich umgesetzt wird, bleibt allerdings abzuwarten, denn zumindest theoretisch gleichen die niedrigen Börsenpreise für Strom den staatlich initiierten Preisanstieg wieder aus. Aber bekanntlich wirken sich sinkende Großhandelspreise nur in den wenigsten Fällen auf die Konditionen für Privatkunden aus.
Angesichts des kolportierten Preisanstiegs, der derzeit durch die Medienlandschaft geistert, steht den Versorgern allerdings ein Preiskampf ins Haus. Denn dass Endverbraucher sich dies seit Einführung von Internet und Preisvergleichsseiten nicht mehr gefallen lassen, dürfte klar sein. Auch bei sukzessiven Strompreisanhebungen weiß sich der kluge Verbraucher mittlerweile schnell zur Wehr zu setzen. Wir stellen die besten Methoden vor, um sich gegen den Strompreiswucher 2016 zu wappnen.

Pflichten der Versorger

§ 41 Abs. 3 Satz 1 EnWG Stromlieferanten sind verpflichtet, ihre Kunden rechtzeitig und transparent über beabsichtigte Preiserhöhungen zu informieren.
§ 5 Abs. 2 StromGVV Wer als Kunde der Grundversorgung gilt, der hat noch weitere Rechte. Diese müssen nämlich laut Gesetz sechs Wochen im Voraus per Brief über „den Umfang, den Anlass und die Voraussetzungen der Änderung“ aufgeklärt werden.

Welche Möglichkeiten Kunden nach einer angekündigten Preiserhöhung besitzen, dies hängt unter anderem vom Kundenstatus ab, denn für Kunden der Grundversorgung gelten andere Regelungen als für Sonderkunden.

  • Als Grundversorger agieren in der Regel kommunale Versorgungsunternehmen wie die Stadtwerke oder Verbundunternehmer, die ihre Preise auf Grundlage der Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) festlegen. Kunden dieser Versorger gelten als „Kunden der Grundversorgung“.
  • Zum Sonderkundenkreis zählen all diejenigen, die ihren Strom nicht vom Grundversorger beziehen oder diesen auch nicht zu gesonderten Konditionen vom kommunalen Versorger erhalten. Zur Klärung des eigenen Status genügt ein Blick in den Versorgungsvertrag oder die Rechnung. Begriffe wie „Sondertarif“ oder „Sonderpreis“ legen den Status als Sonderkunde eindeutig fest.

 

Mögliche Maßnahmen von Kunden der Grundversorgung und Sonderkunden

Kunde der Grundversorgung Der Anbieterwechsel stellt für Kunden der Grundversorgung die einfachste Möglichkeit dar, Kosten zu sparen. Hierbei hat jeder die Möglichkeit, seinen aktuellen Stromvertrag mit einer Frist von zwei Wochen zu kündigen – auch ohne Nennung eines triftigen Grundes wie eine Preiserhöhung. Die Verbraucherzentrale stellt zu diesem Zwecke einen Musterbrief zur Verfügung, obgleich die Kündigung auch per E-Mail oder sogar SMS erfolgen kann. Allerdings liegt die Nachweispflicht des Kündigungseingangs beim Kunden. Alternativ kann auch der neue Stromlieferant mit der Kündigung beim alten Anbieter beauftragt werden.
Sonderkunde In den Genuss eines Sonderkündigungsrechts nach Preiserhöhungen kommen auch Sonderkunden nach § 41 Abs. 3 Satz 2 EnWG. Auch ohne die Einhaltung einer Kündigungsfrist ist es Sonderkunden möglich, ihren Versorgungsvertrag zu kündigen. Mittlerweile versuchen sich Versorger über Vertragsklauseln vor diesem Vorgehen zu schützen, indem sie darauf hinweisen, dass Steuern, Umlagen etc. an den Kunden weitergegeben werden dürfen und somit das Kündigungsrecht entfällt. Laut einem Urteil des Landesgerichts Düsseldorf vom 22.10.2015, 14d O 4/15 ist dieses Vorgehen jedoch rechtswidrig.
Eine alternative Möglichkeit besitzen Sonderkunden durch den Widerspruch gegen Preiserhöhungen. Dies lohnt sich zumeist dann, wenn ein Anbieterwechsel aus wirtschaftlichen Gründen unzweckmäßig wäre. Sonderkunden können der Preiserhöhung widersprechen, wenn ihnen diese unrechtmäßig erscheint, wenn ein Preis also nicht nach „billigem Ermessen“ ($315 BGB) zustande kam. Mit Berufung auf den entsprechenden Paragraphen haben Kunden das Recht, die Stromrechnung zu kürzen. Von diesem Recht kann jedoch nur Gebrauch gemacht werden, wenn vorab eine Preiserhöhung durch den Versorger erfolgte. Hat man dem Preis durch Zahlungen faktisch zugestimmt, verfällt das Recht.
Die Preisgarantie ist ein adäquates Mittel, spätere Preiserhöhungen und Rechtsstreitigkeiten von vornherein zu umgehen. Allerdings muss zwischen der Preisgarantie und der Preisfixierung unterschieden werden. Letztere legt den Preis lediglich für Beschaffungskosten, Vertrieb und Transport fest und schließt Steuern und anderweitige staatliche Abgaben nicht mit ein. Dies ist ausschließlich bei der Preisgarantie gewährleistet. Durchschnittlich gestalten Versorger Tarife mit Preisgarantie deutlich teurer, da Kunden die Preissicherheit mitzahlen. Auch die Länge der Preisfestsetzung kann variieren. Von einem halben bis zu zwei Jahren bzw. der gesamten Vertragslaufzeit können Preise garantiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.