Nebenkostenabrechnung zu hoch?
Deutschlandweit steigen die Mieten – doch das ist nicht alles. Regelmäßig kommt es zwischen Mietern und Vermietern zum Streit über die Nebenkosten. Oft sind die Abrechnungen undurchsichtig, einzelne Posten erscheinen zu hoch, saftige Nachzahlungen bedrohen die Finanzplanung. Welche Rechte haben Mieter? Wie lassen sich Nebenkostenabrechnungen überprüfen? BBX weiß Rat.
von Gerrit Wustmann
© Wavebreakmedia Ltd./thinkstock

Statistisch gesehen enthält jede zweite Nebenkostenabrechnung Fehler. Welche Kosten über die Kaltmiete hinaus der Mieter begleichen muss, wird im Mietvertrag festgelegt. Posten, die dort nicht auftauchen, müssen auch nicht bezahlt werden. Ein Vergleich lohnt sich also. Es ist aber eine eher seltene Ausnahme, dass hierbei Unterschiede auftauchen.

Umlage auf alle Mieter

Generell gilt, dass der monatliche Nebenkostenabschlag eine Vorauszahlung darstellt wie bei Strom und Heizung, deren Höhe ein Schätzwert ist. Verbraucht man mehr als veranschlagt, kommt es zur Nachforderung, ist der Verbrauch niedriger, erhält man eine Erstattung. Einige Posten, wie zum Beispiel Wasser, können in einem Mehrparteienhaus auf alle Mieter umgelegt werden. Das heißt, dass nicht der konkrete Verbrauch des Einzelnen abgerechnet wird, sondern der Gesamtverbrauch des Hauses anteilig berechnet wird – in der Regel orientiert sich der Anteil entweder an der Anzahl der Personen pro Wohnung oder an der Quadratmeterzahl. Das kann ein Vor-, aber auch ein Nachteil sein. Wenn man zum Beispiel als Single in einem Haus voller Familien mit Kindern lebt, dann zahlt man für diese mit, und unterm Strich wird das deutlich mehr als der tatsächliche Eigenverbrauch sein. Hinzu kommt die Frage, wie das Wasser abgerechnet wird. Im bundesweiten Schnitt kostet der Kubikmeter Kaltwasser rund zwei Euro. Am günstigsten ist der direkte Bezug über die örtlichen Versorger. Oft sind aber Abrechnungsunternehmen dazwischengeschaltet, die den Preis über Gebühren teils verdoppeln. Kommt das vor, so sollten sich alle Mieter zusammenschließen und beim Vermieter den Wechsel zu einem anderen Anbieter fordern.

Verständliche Rechnung mit allen Posten

In jedem Fall muss aber der tatsächliche Eigen- und Gesamtverbrauch der Nebenkostenabrechnung entnehmbar sein. Ist die Aufschlüsselung unklar, so sollte man gegen die Forderung Einspruch erheben. Dies bedarf der Schriftform. Relevant ist auch der Zeitpunkt der Rechnungsstellung. Die Abrechnung muss spätestens zwölf Monate nach dem betreffenden Abrechnungszeitraum gestellt werden – kommt sie später, besteht keine Zahlungsverpflichtung mehr.

Im Zweifel schriftlich Widerspruch einlegen

Die Abrechnung selbst muss neben den bereits gezahlten Abschlägen die Gesamtkosten des Hauses für jeden Posten und den Anteil des einzelnen Mieters aufweisen und außerdem erläutern, wie der Anteil berechnet wurde. Ob es große Abweichungen gibt, kann man auf einen Blick sehen, indem man die aktuelle mit den letzten Abrechnungen vergleicht. Größere Unterschiede sollten stutzig machen und genauer kontrolliert werden. Sind einzelne Posten unklar, sollten diese umgehend geklärt werden. Darum bittet man den Vermieter schriftlich. Bis zur eindeutigen Klärung müssen die betreffenden Beträge nicht bezahlt werden, immerhin könnte es sein, dass sie nicht korrekt ausgewiesen sind. Die Frist für Einsprüche gegen die Nebenkostenabrechnung beträgt zwölf Monate.

Einen Hinweis, ob die Nebenkosten möglicherweise zu hoch sind, findet man im jährlich neu erstellten Betriebskostenspiegel des Mieterbundes – an den man sich auch bei Problemen wenden kann.

von Gerrit Wustmann
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